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Maßnahmen gegen Ärztemangel in der Südwestpfalz

Informationen im Kreistag : Kampf gegen Ärztemangel dauert an

Die Landrätin hat eine erste Bilanz gezogen. Künftig gibt es eine Lenkungsgruppe und eine operative Ebene.

„Die ärztliche Versorgung in der Region ist das entscheidende Zukunftsthema für alle“: CDU-Fraktionssprecher Christof Reichert brachte am Montag im Kreistag – wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen in der IGS-Sporthalle in Thaleischweiler-Fröschen – auf den Punkt, worum es in der kurzen Debatte ging. In den nächsten Jahren gehen reihenweise Hausärzte in der Südwestpfalz in den Ruhestand, es fehlt an Nachfolgern, die ambulante ärztliche Versorgung ist akut gefährdet.

Landrätin Susanne Ganster informierte den Kreistag zunächst, wie weit die Bemühungen um eine Stabilisierung der Ärzteversorgung gediehen ist. Gemeinsam mit den Städten Pirmasens und Zweibrücken war in den vergangenen Monaten vom Landkreis Axel Motzenbäcker von „Medi Südwest“ engagiert worden, um Wege für eine bessere Ärzteversorgung aufzuzeigen. In Einzelfällen seien Erfolge erzielt worden.

Und es habe viele Veranstaltungen mit Medizinern aus der Südwestpfalz, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Politik gegeben, um Möglichkeiten auszuloten, wie junge Ärzte in die Region geholt werden können. Diese Gesprächsrunden seien mit bis zu 70 Teilnehmern gut besucht gewesen, lobte die Landrätin. Auch seien Modelle wie Medizinische Versorgungszentren oder ärztliche Genossenschaften präsentiert worden, ebenso Werbeaktivitäten an den Uni-Kliniken Homburg und Mainz gestartet worden. Als besonderen Erfolg wertete sie, dass die Verbundausbildung mit den Krankenhäusern der Region ins Leben gerufen wurde.

Inzwischen wurde das gemeinsame Projekt auf neue Beine gestellt, in den ersten Wochen dieses Jahres wurde eine Lenkungsgruppe für die Südwestpfalz ins Leben gerufen mit der Landrätin und den beiden Oberbürgermeistern Markus Zwick (Pirmasens) und Marold Wosnitza (Zweibrücken), den Geschäftsführern beziehungsweise ärztlichen Direktoren der drei Krankenhäuser, den Vorsitzenden der Kreisärzteschaft und den Ärztenetzen der Region und Gesundheitsamtsleiter Dr. Heinz-Ulrich Koch. Unter dem Entscheidergremium befindet sich als operative Ebene eine weitere Arbeitsgruppe, besetzt mit Ansprechpartnern aus den Städten und dem Landkreis für Ärzte, Verbandsgemeindeverwaltungen und Ortsgemeinden.

Die beiden Fraktionsvorsitzenden der großen Kreistagskoalition, Reichert und Alexander Fuhr (SPD), machten ihre Standpunkte zu diesem Thema deutlich. Reichert wies darauf hin, dass der Landkreis mit seinem Engagement in dieser Sache die Arbeit der Kassenärztlichen Vereinigung mache, denn das sei deren Aufgabe. Bislang habe sich der Landkreis mit den Städten bemüht, zeigte sich der CDU-Sprecher realistisch und machte im gleichen Atemzug auf das Kernproblem aufmerksam: „Alle Modelle nützen uns nichts, wenn wir nicht genügend Ärzte haben.“ Bis 2022 höre die Hälfte der Hausärzte auf, so der CDU-Politiker, und junge Nachfolger seien kaum in Sicht: „Wir sind in einem Wettbewerb um Köpfe, das muss uns klar sein.“

Für die Sozialdemokraten zog Fuhr ein ernüchterndes Fazit aus der bisherigen Arbeit zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung: „Wir haben nicht das gewünschte Ergebnis bislang.“ Aus diesem Grund setze seine Fraktion künftig darauf, dass im Landkreis differenzierter nach Zukunftslösungen gesucht werde, sprich die in den Verbandsgemeinden unterschiedliche Probleme müssten individuell angegangen werden. Diese Aufgabe müsse die von der Landrätin genannte operative Ebene übernehmen.

Damit rannte der SPD-Fraktionssprecher offene Türen bei der Landrätin ein, die zusicherte: „Mit der neuen Struktur wollen wir gerade Orts- und Verbandsgemeindeebene unterstützen, wenn dort Rat und Hilfe gebraucht werde.“