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Felsrutsch im Mittelrheintal: Sprengung am Samstag

Europas meistbefahrene Güterzugstrecke gesperrt : Felssturz nahe Loreley am Rhein: Sprengung wird weiter vorbereitet

Nach dem Felsrutsch auf der Güterzugstrecke im Mittelrheintal dauern die Vorbereitungen für die Sprengung eines lockeren Felsens an dem Hang an. „Die Bohrungen laufen so wie geplant“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) am Freitag.

Spezialkräfte bohren seit Donnerstag bis zu vier Meter tiefe Löcher in rund 1500 Kubikmeter Gestein.

Der gelockerte Fels soll am Samstagnachmittag gesprengt werden. Vor dem Start werde das Gebiet mit einem Sicherheitsradius von 500 Metern abgesperrt, sagte Mike Weiland, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Loreley. Der Schiffsverkehr und die linksrheinisch fahrenden Züge würden für die Dauer der Sprengung gestoppt. Anwohner im nahegelegenen Kestert müssten ihre Häuser aber nicht verlassen. Nach der Sprengung werde ein Helikopter eingesetzt, um das Ergebnis zu überprüfen. Anschließend wird der Hang der DB zufolge geräumt und stabilisiert. Dabei komme ein spezieller Zwölf-Tonnen-Bagger zum Einsatz.

Am Montagmorgen waren bei Kestert unweit des weltberühmten Loreley-Felsens Felsplatten und Geröll auf die rechtsrheinischen Gleise gerutscht. Nach Schätzungen sind laut Bahn etwa 5000 Kubikmeter Steine und Geröll auf die Bahnstrecke gelangt. Verletzte gab es nicht, auch Fahrzeuge oder Züge wurden nicht getroffen.

Die Bahnstrecke zwischen Loreley und Kamp-Bornhofen bleibt der Deutschen Bahn zufolge in beiden Richtungen gesperrt, das gleiche gilt für die parallel verlaufende Bundesstraße 42.

Die Bahn will Anfang der kommenden Woche bekanntgeben, wann die Strecke wieder geöffnet werden kann. Güterzüge und Nahverkehr werden derzeit „problemlos“ umgeleitet, sagte die Sprecherin. Die rechtsrheinischen Gleise sind laut Deutscher Bahn Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam.

Im Welterbe Oberes Mittelrheintal mit vielen Steilhängen ist es schon öfters zu Hangrutschen gekommen. „Seit vielen Jahren wurde versäumt, insbesondere von Bundesverkehrsministern, die aus Bayern kommen und dort viele Projekte vorantreiben, der Strecke im Mittelrheintal die nötige Priorität einzuräumen“, kritisierte Weiland. Er habe Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dazu aufgefordert, ein geologisches Gutachten für das gesamte Mittelrheintal zu erstellen. Bis zur Auswertung eines solchen Gutachtens sollten Gefahrgutgüterzüge ausgesetzt werden, um besonders schlimme Unfälle zu vermeiden.