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Zweibrücken: Nardini-Klinikum gerät an seine Grenzen

Viele Patienten mit Grippe, RSV oder Corona : Nardini-Klinikum gerät an seine Grenzen

Immer mehr Bürger mit Grippe, grippeähnlichen Symptomen oder RSV suchen das Nardini-Klinikum auf. Hinzu kommt ein Engpass bei Antibiotika sowie Blutdruck- und Schmerzmitteln.

„Gesundheit“ – diesen Ausruf müssen auch die Zweibrücker derzeit immer häufiger vornehmen. Denn egal, wohin man blickt (und hört): Die Mitbürger sind kräftig am niesen, husten und Naseputzen. Doch mit einem „Gesundheit“ ist es in vielen Fällen nicht getan. Ganz unterschiedliche Viren machen die Menschen gerade ernsthaft krank.

In ganz Deutschland ächzen die Unternehmen unter einem beispiellosen Personal-Fehlstand, einige Krankenkassen vermeldeten Ende 2022 ein Rekordhoch beim Krankenstand (wir berichteten).

Würden sich nicht viele Menschen krank zur Arbeit schleppen, wären die Probleme im Land (so müssen etwa Verkehrsunternehmen wegen hohem Krankenstand Linien streichen, Züge fallen aus etc.) sicher noch größer. Laut einer Untersuchung der TK (Techniker-Krankenkasse) geht ein Viertel der Befragten krank oder gar sehr krank zur Arbeit (wir berichteten).

Die Lage ist also schwierig. Und das Nardini-Klinikum in Zweibrücken bekommt diese Entwicklung deutlich zu spüren, wie deren Sprecher Thomas Frank auf Anfrage unserer Zeitung erklärt.

„An den beiden Standorten des Nardini-Klinikums in Zweibrücken und Landstuhl sind wir, im Vergleich zu den Vorjahren, aktuell sehr gut belegt. Über den Jahreswechsel hatten wir zeitweise mehr als 30 Patientinnen und Patienten mit Covid zu versorgen. Schwerpunkt bei den infektiösen Erkrankungen sind aber Patientinnen und Patienten, die wegen Grippe oder grippeähnlichen Erkrankungen zur stationären Aufnahme kommen.“ 

Diese Beobachung entspricht auch der anderer Kliniken in der Republik. Das Corona-Virus spielt nicht mehr unbedingt die Hauptrolle, vielmehr sind es andere Viren, die zuschlagen, etwa die von Frank genannte Grippe.

„Vereinzelt haben wir zwischenzeitlich auch ältere Erkrankte, bei denen das RS-Virus nachgewiesen wurde und die wegen ausgeprägter Symptome im Krankenhaus behandelt werden müssen“, ergänzt der Sprecher der beiden Kliniken.

Diese Mixtur aus Problemen durch Corona, Grippe, grippeähnlichen Erkrankungen und RSV schlägt sich auch in Zweibrücken belastend nieder, wie Frank deutlich macht. „Die hohe Anzahl an Infektionspatientinnen und -patienten bereitet uns zunehmend Schwierigkeiten bei den Aufnahmekapazitäten und beim Entlassmanagement.“

Allerdings will er die Lage nicht zu düster malen – auch, weil das Personal in den beiden Nardini-Häusern sich stark engagiert. „Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelingt es durch engagiertes und umsichtiges Handeln, dass an beiden Standorten freie Betten für infektiöse Aufnahmen zur Verfügung stehen.“ Entwarnung will Frank jedoch keineswegs geben: „Unsere Möglichkeiten sind begrenzt.“

Nicht nur die Möglichkeiten des Klinikums sind limitiert – problematischerweise sind es auch Medikamente. Es gibt deutschlandweit Engpässe. Und auch in diesem Punkt sind die beiden Häuser des Nardini-Klinikums in Zweibrücken und Landstuhl betroffen.

Es gebe leider Lieferengpässe und zwar „vor allem bei Antibiotika sowie bei Blutdruck- und Schmerzmitteln“, klagt Kliniksprecher Frank. Doch weiß man sich noch zu helfen und greife auf weiterhin vorhandene Alternativen zurück.

„Durch den gezielten Einsatz von Ersatzprodukten ist es gelungen, dass die medikamentöse Versorgung weiterhin sichergestellt ist und alle Therapien durchgeführt werden können“, sagt Frank.

Bundesweit werden Engpässe vermeldet, neben den von Frank genannten Antibiotika oder Blutdrucksenkern berichten Ärzte etwa von Problemen, Hustensäfte oder Mittel gegen Asthma zu beschaffen.