Klauenpflege : Pediküre für das liebe Vieh

Mindestens zweimal im Jahr steht bei den Milchkühen nicht nur in der Region die Klauenpflege an. Warum ist diese für Mensch und Tier unangenehme Arbeit überhaupt notwendig?

Die Klauenpflege bei den Milchkühen im Stall des Jungbauern Steffen Sewohl steht dort hoch im Kurs. Wenigstens zweimal im Jahr müssen Lisa, Resi oder welchen Namen die Milchkühe auch sonst noch tragen, den Weg zum eisernen Prüfstand antreten. Mit scharfer Messerklinge, elektrischem Schleifer und schnell rotierender Schrubbscheibe geht es den Hornauswüchsen an den Klauen der massigen Vierbeiner an den Kragen. Das Tierwohl steht, wie auf jedem Bauernhof, ganz oben an. Abgesehen davon: Milchkühe, die sich wohlfühlen, bringen mehr Milchleistung.

Erwiesen ist allemal, dass zwischen Klauengesundheit, funktioneller Klauenpflege und den zu verzeichnenden Milchleistungen bei den Kühen ein enger Zusammenhang besteht. Durch wissenschaftliche Untersuchungen ist diese Aussage hinreichend belegt.

Für Landwirt Steffen Sewohl, der inzwischen den Bauernhof des Vaters Wilfried Sewohl übernommen hat, gilt diese Erkenntnis weiterhin. Zusammen mit dem Vater führ er die Pflegetradition nach alter Hofsitte selbst durch. Wenigstens zweimal im Jahr, meist in einer Jahreszeit, wo sich nicht alles um die Ernte dreht, steht deshalb die Klauenpflege auf dem Arbeitsprogramm der Sewohls. Pediküre für Milchkuh Resi und ihre Artgenossinnen ist dann angesagt. Kein Honigschlecken, wie Steffen Sehwohl und Vater Wilfried anmerken und ein Verweilen bei den verschiedenen Arbeitsgängen lässt sehr schnell erahnen, wie treffend diese Feststellung ist.

Eine Milchkuh mit lahmendem Gang hat Schmerzen. Sie frisst weniger, sie leistet weniger, sie gibt weniger Milch. Also geht zwangsläufig der tägliche Blick des Tierhalters zu den Füßen der Tiere, sagt Steffen Sewohl und versichert, dass die Tageskontrollen inzwischen schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Lahme eine Kuh oder habe Kuh Zensi nicht den normalen Gang, dann heiße es sofort Augen auf: Was ist da los? Oft, so die langjährige Stallerfahrung, seien es „runde Fußsohlen“, die als Ursache für das Leiden der buntgefleckten Vierbeiner auszumachen sind, klärt der Milchbauer auf. Für den Battweilerer Agrarier prompt ein Zeichen zum Handeln, Klauenpflege ist dann nämlich dringend angesagt.

„Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh und sehet den fleißigen Waschfrauen zu…“ Das bekannte Kinderlied käme ihm manchmal in den Sinn, verrät auch diesmal Altbauer Wilfried Sewohl schmunzelnd. Allerdings nur für die erste Zeile. Denn Alma, Lisa oder Resi, wie die Milchkühe bisweilen gerufen werden, trügen schließlich keine Schuhe. Überhaupt, mit Freude habe die Klauenpflege nicht einmal eine angedachte Verbindung. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Klauenpflege bei Milchkühen sei weiterhin richtige Knochenarbeit.

Das beginnt bereits beim Einstellen in den eisernen Zwangsstand, dann die diversen Arbeitsgänge an den Klauen, meint Steffen Sewohl. „Der Horngeruch, die unruhige Kuh, der Widerstand des Tieres obwohl die Pflegemaßnahme Erleichterung bringt. Da kann ich mir als Bauer doch angenehmere Arbeitsgänge vorstellen.“

Eine Dreiviertelstunde brauchen die Sewohls unter Umständen, um die Klauenpaare einer Milchkuh fachgerecht zu behandeln. Mit speziellen Flex wird das Horn an den Klauen behandelt, abgeschrubbt und zugeschnitten. Die Korrekturen sollen bewirken, dass zum Schluss die Kuh eine stabile, ebene Sohlenfläche hat und damit die eigene Körperlast besser verteilt wird. „Der Vergleich mit dem Menschen hinkt keineswegs. Wer an den Füßen die Nägel nicht pflegt, wird eines Tages auch seine Probleme bekommen, das ist bei den Tieren nicht anders“, merkt Wilfried Sewohl an.“

Die Klauenpflege hat Wilfried Sewohl vom Vater Robert vermittelt bekommen. Sohn Steffen, der inzwischen den Hof übernahm, wurde im Pflegeritual vom Vater unterwiesen. Heute gibt es bereits ausgebildete Klauenpfleger. Sie kommen zu den Tierhaltern die auf ihren Höfen große Laufställe haben und bieten dort ihre Pflegedienste an. Dorfschmiede waren früher auch als Klauenpfleger aktiv, erinnert sich Wilfried Sewohl noch gut.

Gustav Engel in Battweiler etwa, die Älteren in der Region werden sich noch gut an ihn erinnern, einst Dorfschmied und später Gemeindediener, habe sich auch als Klauenpfleger ein Zubrot verdient.