Rund 1.750 Arbeitsplätze betroffen Saar-Autozulieferer wird an chinesisches Unternehmen verkauft

St. Ingbert · Der Automobilzulieferer mit Sitz in St.Ingbert steht vor einer bedeutenden Veränderung: Das Unternehmen soll an einen chinesischen Konzern verkauft werden. Ganz über die Bühne ist der Deal aber noch nicht.

 Blick in die Produktionshalle von VOIT (Archivbild von 2023)

Blick in die Produktionshalle von VOIT (Archivbild von 2023)

Foto: Manfred Schetting

Der Automobilzulieferer Voit wird an ein chinesisches Unternehmen verkauft. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in St. Ingbert am Freitag mit. Nach Informationen, die unserer Zeitung vorliegen, war der Automobilzulieferer unmittelbar von einer Insolvenz bedroht. Die rund 1.750 Arbeitsplätze bei Voit sollen nach Angaben der Geschäftsführung vollständig erhalten bleiben, darunter auch die rund 1.000 im Saarland.

Voit-Arbeitsplätze sollen vollständig erhalten bleiben

Das börsennotierte Unternehmen Millison Technologie aus Chongqing habe alle Anteile der bisherigen Gesellschafter übernommen - zu einem Kaufpreis im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Mit dem Geld soll das Unternehmen saniert und fit für die Zukunft gemacht werden - denn angesichts der weltweiten Marktveränderungen weg vom Verbrennungsmotor strebt Voit einen umfassenden Umbau an.

Die Übernahme muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke habe, teilt das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie mit, den Prozess von Beginn an eng begleitet. „Es freut uns daher sehr, dass mit der Übernahme durch Millison Technologies eine starke Zukunftslösung am Standort Saarland gefunden wurde“, so Minister Barke, der mit mit den neuen Gesellschaftern eine Chance auf neue Produkte und Zukunftsperspektiven für Voit sieht - „die Beschäftigung wird gesichert und wir bieten weitere Entwicklungsmöglichkeiten für das Unternehmen am Standort Saarland.“ Der Minister kündigt an, die Transformation des Unternehmens auch weiterhin begleiten und unterstützen zu wollen.

Plan findet Zuspruch der Gewerkschaft

Auch seitens der Gewerkschaft blickt man zuversichtlich auf das Vorhaben: „Wir begrüßen die Übernahme von Voit durch Millison vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten auf dem Markt der Autozulieferer“, sagte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken, Patrick Selzer, der SZ auf Anfrage. Die bisherige Kundenstruktur sei zu einseitig ausgerichtet.

Mit den Kaufinteressenten hatte die IG Metall nach Angaben Selzers bereits einen ersten Kontakt. Dabei hätten die Gewerkschafter den Eindruck gewonnen, dass die chinesischen Unternehmer die Mitbestimmung und Tarifverträge in der Struktur bei Voit weiterführen und die Wettbewerbsfähigkeit offenbar nicht zu Lasten der 1000 Beschäftigten in St. Ingbert, sondern am Markt und bei den Kunden herstellen wollten.

Dafür sieht sich das Unternehmen durch die Partnerschaft mit Millison und die damit verbundenen neuen globalen Absatzmärkte gut aufgestellt, zeigen sich Hendrik Otterbach und Christopher Pajak, Geschäftsführer der VOIT Gruppe, optimistisch.

Millison Technologies stellt Leichtmetallkomponenten her

Chongqing Millison Technologies Inc. ist laut Voit ein weltweiter Anbieter von Leichtmetallkomponenten, die im Druckgussverfahren hergestellt werden, mit 5.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 500 Millionen Euro.