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Theater- und Schreibprojekt mit Norman Liebold an Walddorfschule Walhausen

Theater in Walhausen : Corona-Märchen aus Kinderhand

Schüler der Freien Walddorfschule Walhausen setzen mit Norman Liebold ein Theater- und Schreibprojekt um.

Die Freie Waldorfschule Walhausen stellt aktuell – unter herausfordernden Corona-Bedingungen – ein groß angelegtes Theaterprojekt mit dem Künstler, Schauspieler und Schriftsteller Norman Liebold auf die Beine. Ende 2019 konzeptioniert, sollte es wegen der Corona-Pandemie zunächst ausgesetzt werden. Denn die Bedingungen waren und sind äußerst schwierig, teilt ein Schulsprecher mit: Die Schüler der siebten Klasse können jeweils nur in halber Klassenstärke in den Unterricht kommen, da sonst die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Liebold und Klassenlehrer Andreas Kött waren daher vor die Aufgabe gestellt, in zwei Gruppen zu arbeiten, die abwechselnd einen Tag zur Schule kommen und einen nicht. Das halbiert den noch zu Nichtcorona-Zeiten gestrickten Ablaufplan.

Das Projekt ist dreistufig. Im ersten Schritt findet eine Schreibwerkstatt mit dem Autor Norman Liebold statt. Die Schüler erfinden und schreiben in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Personen je eine märchenhafte, im Hunsrück angesiedelte Geschichte. Diese sollen je eine ungefähre Länge von zwölf bis 15 Minuten haben. Im zweiten Schritt erarbeiten die Gruppen gemeinsam eine Bühnenbearbeitung der Geschichten. Im dritten Schritt werden die Einakter mittels der Marionetten, die die Schüler im vergangenen Jahr selbst gebaut haben, auf die Bühne der Aula gebracht. Liebold hat drumherum eine seiner „magisch-verträumten Geschichten“, wie er sagt, um einen uralten Erzähler gewebt, der seit der Keltenzeit durch den Hunsrück wandert, um Geschichten zu sammeln und zu erzählen. Seine magische Gabe ist es, seine Märchen im Erzählen für alle sichtbar entstehen zu lassen.

Insgesamt sind es sechs Marionettenstücke, eingeflochten in die Handlung zu einem Gesamtstück von gut 90 Minuten Länge. Die Uraufführung findet am kommenden Mittwoch, 1. Juli, um 16 Uhr statt.

Liebold begann in engem Austausch mit Handarbeitslehrerin Christine Koenen, die mit den Schülern die Marionetten erschafft hat, und dem Klassenlehrer die konkrete Arbeit mit den Kindern am 10. Juni. In drei Wochen unter Coronabedingungen ein 90-Minuten-Marionettentheater mit 23 Schauspielern auf die Bühne zu bringen, kann durchaus als sportlich betrachtet werden, so ein Schulsprecher. „Wir können den Schülern das nicht nehmen. Sie brauchen jetzt etwas, das sie fordert, etwas, womit sie sich kreativ ausdrücken können“, bekräftigt Christine Koenen.

Liebold wird in seinem Umfeld „der große Zampano“ genannt, was ihn zum Grinsen bringt. „Stimmt ja auch“, erwidert dieser. Und weiter: „Ich springe wie ein Kastenteufel auf Speed umher, die Gruppen sind in unterschiedlichen Räumen, und wir müssen ja auch eine Aufführungssituation schaffen, die die Abstandsregeln beachtet. Im Grunde ist das völliger Wahnsinn. Ich muss hetzen und drängen, manchmal herumkommandieren, aber es macht wirklich großen Spaß mit den Jungs und Mädels, und die Geschichten, die sie schreiben, sind einfach großartig. Da kommt ganz viel raus, und rauslassen müssen sie in diesen Zeiten, wo überall Angst herrscht und Leute sich scheu und vermummt über Masken ansehen. Da muss man auch mal so richtig schreien können und lachen.“

Diesen Montag atmeten Kött und Liebold auf und saßen, ein wenig müde aber glücklich lächelnd, auf dem Rand der jetzt leeren Bühne. Früher als erwartet stehen alle Geschichten und sind sogar schon für die Bühne dramatisch bearbeitet. Und gerade noch stand die erste Gruppe aus drei Jungs auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ihre Marionetten in der einen Hand und den Text – noch – in der anderen. Ein Schüler geht ganz aus sich heraus und lacht irre als dunkler Magier, der einen alten Zwerg verflucht, damit ihm Stück für Stück alle Gliedmaßen abfaulen. Fast kann man sich ein wenig gruseln bei diesem Lachen. Und man denkt an Infektionen, Zombies und Krankheiten. Und dass die anderen Schüler mit Masken vor dem Gesicht zuschauen, lässt das Grauen ahnen, das unsere Jüngsten jeden Tag auszuhalten haben, in einer Welt, die sich plötzlich und unverständlich in etwas Bedrohliches verwandelt hat, so der Sprecher der Schule  weiter.