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Sparkasse Südwestpfalz zu Corona-Folgen und Jahresbilanz 2019

Südwestpfalz-Institut hat wegen Corona-Lockdown bereits 200 Förderdarlehen über 65 Millionen Euro vergeben : Sparkasse kommt gut durch die Corona-Krise

Das Finanz-Polster wurde durch das Geschäftsjahr 2019 weiter gestärkt. 380 Kunden hat das Institut wegen der Pandemie Kreditzinsen gestundet. Schlechte Nachrichten gibt es nur für Stadt und Landkreis.

Erstmals in ihrer Geschichte hat die Sparkasse Südwestpfalz ihre Jahresbilanz nicht bei einer Pressekonferenz, sondern nur per E-Mail vorgestellt. Grund: Corona-Schutz.

Das für die Gesundheit gefährliche Virus ist für das Geschäft der Sparkasse allerdings wenig gefährlich, kann aus der Pressemitteilung von Dienstagnachmittag geschlossen werden. Zwar rechnet der Vorstand für 2020 „Corona-bedingt mit niedrigeren Erlösen, die dazu führen könnten, dass das Betriebsergebnis vor Bewertung das Niveau von 2019 nicht erreichen wird“. Doch Vorstandsmitglied Jürgen Keiper betont: „Aktuell haben wir keinen erhöhten Wertberichtigungsbedarf im Kreditgeschäft.“ Auch wenn solche Fälle eintreten sollten, komme die Sparkasse jedoch nicht in Verlegenheit: „Wir haben hinreichend Reserven, die wir in guten Jahren gebildet haben.“ Dazu trage auch das zufriedenstellende Ergebnis des Geschäftsjahres 2019 bei.

„Die Auswirkungen der Corona-Krise auf das öffentliche, vor allem aber auch auf das wirtschaftliche Leben sind immens“, schreibt das Institut: „Umso wichtiger ist es, dass sich die Sparkasse schon von Beginn an ihrer Verantwortung für die Versorgung der Bevölkerung und Unternehmen mit Finanzdienstleistungen, insbesondere in dieser schwierigen Zeit, bewusst war. So blieben, im Gegensatz zu allen anderen Kreditinstituten in der Region, die drei größeren Geschäftsstellen der Sparkasse durchgängig geöffnet und die Mitarbeiterkapazitäten des Kunden-Servicecenters wurden kurzfristig weiter ausgebaut.“ Obwohl zum Schutz der Mitarbeiter viele nun hinter Schutzglas oder von zuhause arbeiten, sei man trotz teils „anderer Kontaktqualität weiterhin nah am Kunden“.

Die Firmen- und Privatkundenberater hätten bereits seit Beginn der Krise aktiv Kontakt zu ihren Kunden aufgenommen, um zeitnah das weitere Vorgehen besprechen zu können. „Wir haben bereits sehr früh entsprechende Maßnahmen umgesetzt, um unsere Kunden so schnell wie möglich zu unterstützen“, berichtet Peter Kuntz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Südwestpfalz. „Es war uns von Anfang an bewusst, dass diese Krise nur mit Unterstützung staatlicher Liquiditätshilfe-Programme bewältigt werden kann. Nach unseren Erfahrungen dauert es aber immer eine gewisse Zeit, bis diese auch bei den Unternehmen ankommen, daher haben sehr schnell mit der Beantragung begonnen. Vor diesem Hintergrund erklären sich auch die hohen Volumina der KfW-Kredite für unser Geschäftsgebiet. Derzeit sehen wir, dass in anderen Regionen die Kreditvolumina weiterhin ansteigen, während unsere Kunden bereits komplett versorgt sind.“ Seit Beginn der Krise seien rund 200 Förderdarlehen mit einem Volumen von insgesamt 65 Millionen Euro vergeben worden. Kuntz ist überzeugt davon, dass die Kunden, an die bisher diese Kredite vergeben wurden, die Corona-Krise gut überstehen werden.

Zusätzlich habe die Sparkasse Südwestpfalz „sehr früh beschlossen, ihren Kunden bei Bedarf eine kostenfreie Aussetzung von Zins- und Tilgungsraten anzubieten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Voraussetzung seit, dass die betroffenen Kreditnehmer Corona-bedingt Zahlungsengpässe haben und ihnen eine Zahlung der fälligen Kredittilgungen aktuell wirtschaftlich nicht möglich ist. „Diese Stundung nutzen bereits viele Kunden“, schreibt die Sparkasse: „Bislang sind so bereits bei rund 380 Kunden Stundungen gewährt worden. Dies betrifft überwiegend die Monate April bis Juni. Derzeit zeigt sich bei der überwiegenden Anzahl der gestundeten Kredite, dass eine Verlängerung der Stundungen nicht notwendig ist.“

Jahresbilanz 2019: Zum Endes des Jahres 2019 konnte die Sparkasse ihre Bilanzsumme von 2,3 auf 2,4 Milliarden Euro steigern. Die gewährten Kredite an Kunden erhöhten sich um 7,3 Prozent von 1,6 auf 1,7 Milliarden Euro. Der Großteil des weiter prosperierenden Kreditgeschäfts entfiel, wie auch schon in den Jahren zuvor, auf den Firmenkundenbereich mit einem erfreulichen Zuwachs von rund zehn Prozent auf 769 Millionen Euro. Auch das Kreditgeschäft im Privatkundenbereich nahm 2019 weiter zu und erhöhte sich um rund vier Prozent auf einen Bestand von 760 Millionen Euro.

„Derzeit bemerkt der Vorstand wegen der Corona-Krise dagegen eine Zurückhaltung bei den Privatkunden“, berichtet die Sparkasse. Viele seien von Kurzarbeit betroffen oder unsicher, ob der Arbeitsplatz erhalten bleibe. Deshalb sei „gegenwärtig im Privatkundenbereich eher ein Trend zum Sparen spürbar“.

Im Geschäftsjahr 2019 stiegen auch die Kundeneinlagen. Hier wurden insgesamt 1,9 Milliarden Euro und damit ein Zuwachs von 4,5 Prozent erreicht. Schon bei den Bilanzpressekonferenzen der vergangen Jahre hatte die Sparkasse immer wieder berichtet, dass sie vielen Kunden empfiehlt, in absehbarer Zeit nicht benötigtes Geld gewinnbringender anzulegen. Damit teils verbundene höhere Risiken scheuen viele Kunden aber offensichtlich weiter, ist aus den folgenden Worten von Vorstandschef Kuntz zu schließen: „Bei den Kundeneinlagen ist nach wie vor festzustellen, dass der Anteil der täglich fälligen Gelder weiter zunimmt. Unsere Berater zeigen den Kunden sinnvolle Alternativen auf, denn es rechnet sich langfristig nicht, insbesondere im Hinblick auf das Thema Inflation, Gelder nur auf den Geldmarkt- oder Girokonten zu parken.“

Zufrieden zeigt sich der Vorstand mit der Ertragslage der Sparkasse 2019: „Eine Steigerung konnte sowohl beim Zinsüberschuss (Ergebnis aus Zinsertrag und Zinsaufwand) als auch beim Provisionsergebnis erzielt werden. Demgegenüber standen die nahezu konstanten Aufwendungen sowohl im Personal- als auch Sachkostenbereich. Im Ergebnis konnte somit ein Betriebsergebnis 1 (Betriebsergebnis vor Bewertung und Steuern) von rund 19 Millionen Euro erzielt werden. „Mit diesem Ergebnis sind wir in der Lage unser Eigenkapital und unsere Reserven weiter zu stärken, was wichtig für uns ist, denn nur so können wir die Unternehmen der Region mit Kreditzusagen weiter unterstützen“, beschreibt Kuntz die Situation. „Dass dies von zentraler Bedeutung ist, zeigt sich nicht nur in dieser besonderen Zeit.“

In den vergangenen Jahren hatte die Sparkasse statt des Betriebsergebnisses 1 gegenüber der Presse den Bilanzgewinn kommuniziert. Auf Merkur-Anfrage ergänzte die Sparkasse am Dienstagabend, der Bilanzgewinn habe 2019 bei 5,9 Millionen Euro gelegen, 2018 seien es 6,0 Millionen gewesen.

Von dem stabilen Gewinn allerdings werden die Stadt Zweibrücken und der Landkreis Südwestpfalz diesmal weniger – oder sogar überhaupt nicht – profitieren. Die Sparkasse schreibt: „Ob es eine Ausschüttung an die Gewährträger geben wird, ist noch offen. Hintergrund ist die Erwartung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), bis mindestens Oktober 2020 auf Ausschüttungen zu verzichten. In ihrer Erklärung betont die Aufsicht, dass die Banken bei der Bewältigung der Corona-Krise eine zentrale Aufgabe hätten, der sie nur dann nachkommen können, wenn sie gut kapitalisiert seien.“ Bereits vergangenen Oktober hatten die Träger vor dem Hintergrund des Kunden-Trends zum Online-Banking, Filialschließungen, Gebühren-Erhöhungen und dem Fokus auf Verstärkung des Beratungsgeschäfts ihren „klaren Willen erklärt“, sich künftig mit niedrigeren Ausschüttungen zufriedenzugeben, um einen Beitrag zur Neuausrichtung der Sparkasse zu leisten .

Ende 2019 hatte die Sparkasse 438 Mitarbeiter, im Vorjahr waren es 462.

Bis Mai 2020 zeichnet sich, auch ohne die Corona-Kredite, ein weiteres Kreditwachstum ab, berichtet die Sparkasse zum laufenden Jahr. Der Trend aus 2019, dass Kunden Liquidität auf Geldmarkt- und Girokonten halten, setze sich auch in 2020 fort. „Insbesondere auf der Provisionsseite rechnet der Vorstand Corona-bedingt mit niedrigeren Erlösen, die dazu führen könnten, dass das Betriebsergebnis vor Bewertung das Niveau von 2019 nicht erreichen wird.“