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Dem Dorfladen Gisingen droht die Schließung

Nahversorgung : Der Dorfladen Gisingen schließt 2020

Treue Kunden, aber auf Dauer zu wenige: Das ist das Problem des Dorfladens Gisingen. Die Betreiberin muss den Laden nun wohl zusperren.

Ein Vorzeigeprojekt, das auch überregionale Medien anzog, das Politiker gern besuchen, als Beispiel, wie auch in kleinen Orten Nahversorgung und das Miteinander am Leben gehalten werden können: Der Saargau-Dorfladen in Gisingen gilt seit seiner Eröffnung vor 14 Jahren als Erfolgsprojekt.

Doch nun hat Betreiberin Kerstin Hector angekündigt, den einzigen Laden auf dem ganzen Saargau schließen zu müssen. Der Grund: Der Umsatz reicht schlicht nicht, um die Kosten für Miete und Aushilfen zu decken. Von ihrem eigenen Einkommen ganz zu schweigen: Sie kommt nicht einmal auf einen Stundenlohn von fünf Euro, kann sie belegen. Urlaub kennt sie nicht, der Laden ist an 363 Tagen geöffnet.

„Ich habe hier ganz viel Herzblut reingesteckt, eine solche Entscheidung trifft man sicher nicht leichtfertig“, sagt die 54-Jährige, „ich kenne ja auch alle meine Kunden, die sind entsetzt. Aber von irgendetwas muss man auch selbst leben.“

Der Umsatz des Lädchens, der auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat, sei zwar nicht gesunken. Aber auch nicht so gestiegen, wie es erforderlich wäre, um die Kosten zu decken, erklärt Manfred Montnacher, der den Dorfladen mit aufgebaut hat. Er wünscht sich mehr Unterstützung von Gemeinde, Kreis oder Land.

Der Dorfladen bietet das Nötigste für den Alltag, von Milch und Salz über Schulhefte bis Shampoo und Zahncreme, im Angebot liegt der Schwerpunkt auf regionalen Produkten; den meisten Umsatz macht Hector mit Waren der Bäckerei Schmitt in Nalbach und Fleisch und Wurst vom Metzger Johannes aus Brotdorf. Und dann ist da noch das täglich gut besuchte Café: Hier treffen sich die Leute aus Gisingen und den umliegenden Orten zum Kaffee, zum Zeitunglesen und Tratschen. „Das läuft auch nur in Kombination“, weiß Hector, „Café und Laden zusammen.“ Hermes-Shop und Lotto gibt es auch noch, Hector macht das alles alleine: Bedienen, Brötchen schmieren, Pakete annehmen, nach Feierabend noch putzen und Ware bestellen. Aber 2020 muss endgültig Schluss sein, hat sie beschlossen.

„Hier wird richtig was fehlen, es gibt ja sonst nichts“, meint eine Stammkundin betrübt. „Ohne Auto bist du hier aufgeschmissen“, ergänzt ein anderer Gast. Zum nächsten Supermarkt sind es rund fünf Kilometer. Für die Älteren ist der Laden Treffpunkt, „aber auch die jungen Familien kommen mal was einkaufen“, sagt Hector. Nur: „70 Prozent sind Noteinkäufe. Aber selbst da meckern manche noch, dass die Milch bei Aldi billiger ist. Da muss man aber auch hinfahren, und mit Preisen vom Discounter kann ich nicht mithalten.“

Schade für Gisingen und die nahe Umgebung, meint der Beigeordnete Stefan Schirra, in Vertretung des Bürgermeisters: „Aber die Gemeinde hat da keine Möglichkeiten, finanziell zu unterstützen, weil der Laden privatwirtschaftlich betrieben wird.“ Auch sehe er kein Zuschussprogramm, das die Gemeinde bemühen könne. Das Grundproblem dürfe man nicht außer Acht lassen: „Alle, die jetzt jammern, müssen sich an die eigene Nase greifen, weil sie eben auch nicht dort kaufen.“ Ortsvorsteherin Ulrike Heffinger betont: „Gisingen braucht einen Dorfladen.“ Ortsrat und der Förderverein Bewahren und Erneuern müssten nun gemeinsam überlegen, was man tun kann.

Umweltminister Reinhold Jost sieht „im Grunde durchaus Fördermöglichkeiten“, etwa im kürzlich vorgestellten Programm für den ländlichen Raum, bei dem das Land 90 Prozent der Kosten übernimmt. Den laufenden Betrieb zu unterstützen, sei schwierig; aber, sagte Jost zu, seine Mitarbeiter prüften nun, inwieweit eine Unterstützung möglich sei. Auch Landrat Patrik Lauer versichert: „Wir wollen da gerne helfen, denn die Nahversorgung gerade im ländlichen Bereich ist immens wichtig.“ Wenn die Gemeinde tätig würde, könne man durchaus eine Mitfinanzierung prüfen.