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Viel Lärm um ein kleines Brotkörbchen

Im Mundart-Sketch der LiGeKa streiten zwei Familien über ein Brotkörbchen. Foto: Johannes A. Bodwing
Im Mundart-Sketch der LiGeKa streiten zwei Familien über ein Brotkörbchen. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
LISDORF. Auch deftigster Streit bekommt auf Platt eine humoristische Facette. Den Zwist um ein simples Brotkörbchen probt derzeit die LiGeKa für den Mundartabend „Mir schwätzen Platt“ am 4. Juni im Theater am Ring. Johannes A. Bodwing

Wenn es auch bloß eine Bagatelle ist, darüber muss gestritten werden, als ginge die Welt zugrunde. Im Zwist um "Die Kurwel" schenken sich die Damen zweier Familien nichts, bis zum drohenden Scheitern der Liebesbeziehung ihrer Kinder.


Aber was ist eigentlich eine Kurwel? Nein, es ist keine Kurbel zum Drehen. "Eine Kurwel ist ein Brotkorb", erklärte Bernd Hawner, Vorsitzender der LiGeKa, bei der Probe im Lisdorfer Gasthaus "Schulden". In solch ein hölzernes Körbchen, zum Beispiel aus Weideästen, kam der Brotteig. Dadurch erhielt er seine Form vor dem Backen. So ein Körbchen von der Gret soll deren Nachbarsfrau, et Lies, nicht mehr zurückgegeben haben. Und schon kommen die Damen in Wallung, die Männer sind fassungslos, und das junge Liebespaar ist kurz vor dem Verzweifeln. Damit die Streitereien auch wirkungsvoll in Szene gesetzt werden, dafür sorgt Spielleiterin Christine Hawner. Entsprechend turbulent ging es bei den Proben zu.

"Zweimal die Woche", sagte Bernd Hawner. "Montag und Dienstag, seit vier Wochen." Ein Dutzend Darsteller werden dann jeweils zu Familien aus den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Wir haben originale Sachen hier", stellten die dar. Darunter einen eisernen Dreifuß aus einer Lisdorfer Schusterei sowie eine Blechwanne zum Teigkneten.



"Da gibt es ganz viele Sachen drin, die kannst du gar nicht lesen", sprach Hawner den Text an. Der ist in Moselfränkisch. Beispielsweise taucht da "Kouchenfurmschdreppersch" (Kuchenformklauerin) auf und "Kaddo" (eine Holzkiste mit nur drei Seiten, in die sich Waschfrauen im Schlamm des Saarufers knieten).

Verfasst wurde "Die Kurwel" von dem in Roden lebenden Mundartautor Nikolaus Fox (1899 bis 1946). Als Aufführung dauert das Stück etwa 45 Minuten, in denen zwischen den Wohnungen beider Familien gewechselt wird.

Gespielt wird "Die Kurwel" zum 50. Jahrestag der Saarlouiser Woche bei einem Mundart-Abend im Studio des Theaters am Ring. Zu "Mir schwätzen Platt" kommen auch die Autoren Jean-Louis Kieffer, Karin Peter, Luise Luft, Marianne Faust und Harald Ley, Musikbegleitung von Herbert Germann. Die Veranstaltung ist eine Zusammenarbeit des Verbandes der heimatkundlich-historischen Vereine Saarlouis und der Kreisstadt Saarlouis. Beginn ist am Sonntag, 4. Juni, um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.