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Die Lust am Lernen und die Zumutung, belehrt zu werden

Die Lust am Lernen und die Zumutung, belehrt zu werden

Dillingen. Die Gemeinschaftsschule, die neue zweite Säule der weiterführenden Schulen neben dem Gymnasium, steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Sie soll mit einem auf den jeweiligen Schüler zugeschnittenen Lehrangebot neu Wege gehen. Auch um eine Alternative zum alten Bildungsweg im Gymnasium anzubieten

Dillingen. Die Gemeinschaftsschule, die neue zweite Säule der weiterführenden Schulen neben dem Gymnasium, steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Sie soll mit einem auf den jeweiligen Schüler zugeschnittenen Lehrangebot neu Wege gehen. Auch um eine Alternative zum alten Bildungsweg im Gymnasium anzubieten. "Weg von einer belehrenden, programmatischen Schule, hin zu lernenden Organisationen", forderte der Journalist und Erziehungswissenschaftler Reinhard Kahl gestern in der Dillinger Stadthalle am "1. Tag der Gemeinschaftsschule" im Saarland. "Lernen in heterogenen Gruppen", lautete das Thema der Fortbildungsveranstaltung des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV).Im Zentrum der Arbeit von Kahl steht die Lust am Lernen und die Zumutung, belehrt zu werden. Anstatt alle auf einen Stand zu bringen und im Gleichschritt zu lernen, setzt er darauf, Kinder in ihrer Verschiedenheit zu betrachten. Individualisierung sei jedoch ein Kultivierungsprozess. Ein Prozess, den es jetzt an den Gemeinschaftsschulen umzusetzen gilt, wie Bernd Schmitz, der stellvertretende Landesvorsitzende des SLLV, im Gespräch mit der SZ erklärte. "Unsere Einstellung muss sich ändern, das ist das Wichtigste", sagte er. Und: "Die Kollegen müssen es wollen".

Kahl meinte, das Wort "müssen" sei viel zu stark verankert, das Wort "wollen" viel zu schwach. "Beim Dienst nach Vorschrift kann man sicher sein, dass er keinen Erfolg haben wird", sagte Kahl. Die Lehrer sollten mutig ausprobieren, was sie wollen. Und das sieht Schmitz ähnlich. Der Blick müsse sich auf den einzelnen Schüler richten, nicht mehr nur streng auf den Lehrplan. Schule sollte jedem Kind ermöglichen, beim Lernen eigene Wege zu gehen, riet Kahl. Dazu darf es auch Fehler machen. "Gelingen kann schließlich nur das, was auch scheitern darf", sagte Kahl. In Kurzfilmen zeigte der Journalist erfolgreiche Schulen, die sich eigene Profile zulegten.

In den nächsten beiden Jahren pädagogische Konzepte zu entwickeln, um der Schule ein Profil zu geben, ist quasi der Auftrag der Landesregierung an die Gemeinschaftsschulen. Der SLLV-Vorsitzende Herbert Möser sieht in der Kürze der Zeit eine große Herausforderung, ein eigenes Profil zu erschaffen. "Individuelles Lernen ist ein schwerer Punkt dieser Schulform", sagte er. Dazu müsse es kleinere Klassen geben. "Und wenn Schule sich entwickeln und ihr eigenes Profil schaffen soll, brauchen wir Gedankenträger", sagte Möser. Damit sprach er die fehlenden Funktionsstellen an. Funktionsstellen sind Stellen von besonderer Wahrnehmung, wie die Funktion des Schulleiters und Koordinationslehrerstellen für schulfachliche Aufgaben. "Sie sollen noch in diesem Schuljahr auf den Weg gebracht werden", versprach Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). hth