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Auch Eltern fördern und fordernIst eine Schule für alle das Beste?

Dillingen. Wie kann das Land Kinder nachhaltig fördern? Wie auch weniger begabte Schüler integrieren? Fragen zur Zukunft der Bildung im Saarland stellte sich die "Pädagogische Mairunde" am Donnerstag, im Dillinger Rathaus Von SZ-Mitarbeiterin Jenny Kallenbrunnen

Dillingen. Wie kann das Land Kinder nachhaltig fördern? Wie auch weniger begabte Schüler integrieren? Fragen zur Zukunft der Bildung im Saarland stellte sich die "Pädagogische Mairunde" am Donnerstag, im Dillinger Rathaus. Im Podium saßen die Integrationslehrerin Anett Sasges-Schank, Ikbal Berber von Ramesch, Forum für Interkulturelle Begegnung, Wolfgang Schäfer (Elterninitiative für Bildung), Diethard Geber (Awo-Verbund Integration und Bildung) und die Landtagsabgeordneten Dagmar Heib (CDU) und Petra Scherer (SPD). Acht zu Thesen standen im Raum: "Kinder aus bildungsfernen und armen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund sind eindeutig im Nachteil und werden oft abgehängt", hieß es etwa. Brigitte Bock, Beschäftigte an einer Förderschule geistiger Entwicklung in Neunkirchen und eine von vielen Gästen, die an der Debatte teilnahmen, stimmte zu: "Diese Förderschule ist durch negative Selektion nach und nach zu einer Schule für vom Elternhaus benachteiligte Kinder, etwa von Migranten und Arbeitslosen, geworden." Da der schulische Erfolg eines Kindes durch dessen Elternhaus geprägt sei, forderte Schäfer Ganztagsschulen im ganzen Saarland, "damit die Schüler nicht negativ von dem beeinflusst werden, was zu Hause eventuell los ist", denn: "Die Eltern reproduzieren zum Teil ihre Bildungsferne."Bewirkte Pisa-Schock nichts? Seit dem "Pisa-Schock" nach der ersten Studie im Jahr 2000 seien "in keinem Bereich wesentliche Dinge passiert", meinte Scherer. Aber was ist in einem Land zu tun, dessen letzte Chance, so Schäfer, die Bildung ist? "Wir müssen die Schule den Kindern anpassen und nicht umgekehrt", so Sasges-Schank. Darauf, dass "Chancengleichheit nicht gleich Chancengerechtigkeit" ist, wies Heib hin. Während sie "unterschiedliche Talente unterschiedlich fördern" will, rechtfertigte Berber das Leitbild "Eine Schule für alle": "Wir müssen eine Schule schaffen, die alle Kinder mit ihren Unterschiedlichkeiten fördert statt zu selektieren. Es darf nicht bereits im zehnten Lebensjahr festgelegt werden, welche Schule ein Kind in den nächsten Jahren besucht."Wer die Entscheidung treffen sollte, welche Schule die geeignete ist, wurde ausführlich diskutiert. Für Schäfer ist die Antwort klar: "Wenn man durchsetzen will, was für ein Kind am besten ist, muss man den Eltern die Möglichkeit zur Wahl geben, was mit ihm geschieht." Wahlfreiheit der Eltern sei aber nur gegeben, wenn auf jeder Schule optimale Bedingungen herrschten, erklärte Scherer. Damit auch körperlich benachteiligte Kinder mit gesunden Freunden in eine Klasse gehen können, benötigten alle Schulen einen Fahrstuhl. "Die Eltern müssen sich stärker engagieren, wenn sie mehr Entscheidungsfreiheit haben wollen", ergänzte Geber.