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Der Weg zur Barrierefreiheit ist holprig

Schon kleine Bordsteine wie dieser können für Rollstuhlfahrer große, oft unüberwindbare Hindernisse im Alltag darstellen. Foto: dpa
Schon kleine Bordsteine wie dieser können für Rollstuhlfahrer große, oft unüberwindbare Hindernisse im Alltag darstellen. Foto: dpa
Dillingen. Nicht ganz einfach hat es, wer ein Zwischenfazit für die Barrierefreiheit in Dillingen ziehen will. Einerseits bleiben Betroffene nicht mehr an jedem Bordstein hängen, andererseits gibt es noch vieles, das im Alltag zum Hindernis wird Von SZ-Mitarbeiter Johannes A. Bodwing

Dillingen. Nicht ganz einfach hat es, wer ein Zwischenfazit für die Barrierefreiheit in Dillingen ziehen will. Einerseits bleiben Betroffene nicht mehr an jedem Bordstein hängen, andererseits gibt es noch vieles, das im Alltag zum Hindernis wird. Am Protesttag der Menschen mit Behinderungen kamen rund 30 Personen zu einer Veranstaltung des Sozialverbands VdK auf Kreisebene am Dienstag in den Senioren-Treff im Dillinger Rathaus. Um einen so genannten Teilhabeplan ging es da. In diesem hatte der Arbeitskreis "Barrierefreies Dillingen" Missstände aufgelistet, die zusammen mit der Stadtverwaltung behoben werden sollten. Doch nicht nur behinderte Menschen können von solchen Maßnahmen profitieren, wurde am Dienstag dargestellt. Vielfach sind Wege, Toiletten und Gebäude selbst für Personen ohne besondere Beeinträchtigungen eine Herausforderung.Viele HindernisseContainer stehen quer auf dem Gehweg, anderenorts sind es parkende Autos. Auch Baugruben und Berge an Gelben Säcken mitten im Weg gehörten zu hinderlichen Beispielen, die Hans-Albert Zimmer darstellte, Vorsitzender des VdK-Dillingen. Einiges wurde schon in der Hüttenstadt verbessert, so Zimmer, doch von barrierefreien Zuständen sei auch "Dillingen weit entfernt".Mit immer mehr Menschen mit Behinderung rechnet Bürgermeister Franz-Josef Berg allein durch die demographische Entwicklung. Sie führe zu einem höheren Anteil älterer Personen in der Bevölkerung. Zahlreiche Projekte seien bereits umgesetzt, wie beispielsweise die behindertengerechte Toilettenanlage am Gleisdreieck für rund 130 000 Euro, der neue Eingang am Rathaus für etwa 30 000 Euro und mit zirka 120 000 Euro die Toilette plus Rampe am Kirchplatz in Pachten. Trotzdem habe Dillingen "noch erheblichen Handlungsbedarf".Da sei zum Beispiel das Gemeindehaus in Diefflen. Bei dessen künftiger Sanierung würden auch die Belange behinderter Menschen berücksichtigt, so Berg. Im Stadtgarten gehe es noch in diesem Jahr weiter, auch die Situation an Fußgängerüberwegen werde kontinuierlich verbessert. Bei überwiegend offiziellen Gästen im Senioren-Treff blieb die Diskussion anschließend am Thema Abschleppen von Falschparkern auf Behindertenparkplätzen hängen. Dies sei gar nicht so einfach, erklärte eine Vertreterin der Ortspolizeibehörde. Nicht selten vergesse jemand nur seinen Parkausweis im Auto auszulegen. "Dann schleppen wir den Wagen eines 70-jährigen Behinderten ab, der die 150 Euro dafür bezahlen müsste."


Alle profitieren von Rücksicht



Von SZ-RedakteurHarald Knitter Zwei Missverständnisse lassen das Bemühen um möglichst barrierefreie Städte ein Schattendasein führen. Viele glauben, die Hindernisse behindern nur Menschen mit dauerhaften Einschränkungen, aber jeder, der mit einem Kinderwagen unterwegs oder wegen einer Verletzung kurzzeitig nicht so mobil ist, kann ein Lied von zugeparkten Gehwegen und hohen Bordsteinen singen. Und man denkt zuerst an bauliche Hindernisse, die schwer zu beseitigen sind. Die meisten Hürden sind aber unnötig. Mit etwas Rücksicht müssen Autos, Müllsäcke, -tonnen und ähnliches erst gar nicht im Weg landen.

Schon kleine Bordsteine können große Hindernisse darstellen für Rollstuhlfahrer. Foto: dpa
Schon kleine Bordsteine können große Hindernisse darstellen für Rollstuhlfahrer. Foto: dpa