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Kolumne
Ihr Licht brenne – und heize!

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Was ist nur aus dem guten alten Teelicht geworden? Zum Warmhalten der Tee- oder der Kaffeekanne taugen viele der wächsernen Haushaltshelfer jedenfalls nicht mehr. Von Ruth Rousselange

Können Sie sich erinnern? Es gab eine Zeit, da leuchteten Teelichter hell und klar. Sie brannten und brannten und brannten unermüdlich mit strahlender Flamme. Man konnte sie gut brauchen, etwa um seinen Tee warm zu halten. Dazu setzte man das Teelicht in ein Stövchen, ein kleines Porzellangehäuse mit einer Aussparung, durch das die Kerzenflamme den darüber befindlichen Kannenboden erwärmen konnte. Das Wort Stövchen kommt offenbar aus dem Mittelniederdeutschen von „stöveken“, das ein Gehäuse für eine kleine Feuerstelle meinte und ein Diminutiv, eine Verkleinerung von „stove“, beheizte Badestube, war. Wie man sieht, hat die Benutzung eines Stövchens auf jeden Fall was mit Hitze und Feuer zu tun, bloß Hitze und Feuer wollen sich als Begleiterscheinungen der Entfachung eines Teelichtes heute kaum noch einstellen. Und damit sind alle Teelichter gemeint! Kaum hat man den Docht angezündet, flackert die Kerze genau einmal kurz und zugegebener Maßen auch hell auf, um sich bereits eine halbe Sekunde später


auf ein bedauerlich geschrumpftes Flämmeln mit kaum wahrnehmbarer Leuchtkraft einzuflimmern. Man muss schon recht genau ins Stövchen schauen, um festzustellen, ob das Teelicht überhaupt noch an ist. Auch der Kaffee in der Kanne – bei mir ist es halt nicht Tee, der erwärmt wird – muss all seine Aromen zusammennehmen, um warm zu bleiben und nicht vor lauter Mitleid mit der kleinen Flamme lieber ihr was von seiner Temperatur abzugeben. Davon, dass er durch ihr Licht erhitzt würde, kann wahrlich keine Rede sein.



Dann geschieht Folgendes: Das Teelicht brennt nicht nur sehr verhalten, es brennt auch sehr kurz, sein Docht schmurgelt binnen fünf Minuten bis auf ein verkohltes Fitzelchen weg. Was zur Folge hat, dass das Teelicht, egal wie viel Wachs sich noch im Alurund befindet, nicht mehr entzündet werden kann. Habe ich eine neue EU-Regelung verpasst? Müssen Dochte derart ungefährlich sein, dass sie sich nach Entfachung einfach selbst unschädlich machen und in Windeseile in ein kokeliges Nichts verwandeln, ein kaltes Wachsgrab zurücklassend? Was ist der Sinn einer Kerze, die nicht brennt? Mir bleibt das schleierhaft! Der Kaffee ist inzwischen kalt – dafür koche ich. . .