Völklinger Firma Bernhard Jacob liefert weltweit feuerfeste Baustoffe

Familienunternehmen aus Ludweiler macht von sich reden : Jacobs Produkte gehen weltweit durchs Feuer

Es begann mit einer Sandgrube. Familienunternehmen aus Ludweiler liefert nun Baustoffe für die Stahlindustrie in viele Länder.

„Ich mag es nicht, im Rampenlicht zu stehen“, sagt Bernd-Detlef Jacob (66). Obwohl er bereits rein körperlich über eine stattliche Statur von 1,90 Metern verfügt. Jetzt hat es den Unternehmer aus dem Völklinger Stadtteil Ludweiler trotzdem erwischt. Vor rund 200 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hat er beim Neujahrsempfang in der Stadt die höchste Auszeichnung des Völklinger Wirtschaftskreises, genannt „Völklinger Leuchtturm“, erhalten. Obwohl das, was seine Firma tue, in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sei, gestand Jacob schmunzelnd ein. Um dem ein wenig abzuhelfen, hatte er einen kleinen Imagefilm mitgebracht. Der hat uns nun Appetit auf einen Besuch in der Firma gemacht.

Sie liegt etwas abseits am Rand des 6000-Einwohner-Stadtteils Ludweiler, Adresse Am Sandberg, nahe einer ehemaligen Bergehalde. Das Gelände mit seinen großen Lager- und Produktionshallen schmiegt sich an den Hang einer früheren Sandgrube. Mit dieser Sandgrube hatte auch alles angefangen. Bernhard Jacob, nach dem die Firma auch heute noch benannt ist, eröffnete sie 1950 und versorgte die Menschen, die sich dem Wiederaufbau nach dem Kriege widmeten, mit Sand zum Bauen und Verputzen.

1967, die Firma hatte damals erst eine Handvoll Mitarbeiter, schlug die wirtschaftliche Rezession durch. „Und man hat sich dann überlegt, wie man die Sände veredelt“, erinnert sich Sohn Bernd-Detlef Jacob. Das erste Produkt in dieser Richtung sei 1970 ein Mittel zum Sandstrahlen auf Quarzitbasis gewesen. Der Kurswechsel verlief erfolgreich: Heute leitet Bernd-Detlef Jacob ein Unternehmen mit 85 Mitarbeitern. Es stellt insbesondere feuerfeste Baustoffe her, die unter anderem in der Produktion von Saarstahl in Völklingen Verwendung finden. Und ansonsten an Firmen auch in alle Welt gehen – bis zur Ukraine auf der einen und Marokko und Saudi-Arabien auf der anderem Seite.

Der Nachfolger Bernhard Jacobs wurde 1952 geboren. Sein Elternhaus stand direkt bei der Sandgrube. Bernd-Detlef wuchs sozusagen mit der Firma auf. Er entschloss sich aber zunächst einmal, „Jura zu studieren, weil mir das Spaß machte. Und das nutzt mir auch noch heute im Unternehmen“. Wenn Semesterferien waren, fuhr er für den Vater Laster. Und lernte dann in der Universitätsbibliothek in Saarbrücken seine spätere Frau, eine Studentin aus Idar-Oberstein, kennen: Ille Skaer-Jacob unterstützt ihn heute auch tatkräftig als Prokuristin in dem Unternehmen.

Als der Firmengründer noch lebte, unterhielt das Ehepaar parallel eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in einem Nebengebäude. 2001, nach dem Tod des Vaters, übernahmen dann beide die volle Verantwortung für das Unternehmen. Und ließen die Juristerei sein, „denn man kann nicht zwei Herren dienen“.

Bernd-Detlef Jacob und seine Frau führen uns über das Firmengelände. Lastwagen kommen an, liefern Rohstoffe, die eine weite Reise übers Meer und anschließend per Binnenschiff hinter sich haben. Dazu zählt beispielsweise Magnesit aus China, das dann in riesigen Bergen in einer Halle auf die Weiterverarbeitung wartet. Zur Ausstattung in Ludweiler gehören ein eigenes Mahlwerk und ein Labor, das sowohl die Qualität der Anlieferungen als auch die Qualität der Produkte überprüft, die dann an die Kunden gehen. In der Firma Jacob entsteht unter anderem Material für die Ausmauerung der Torpedowagen, die flüssiges Eisen vom Hochofen in Dillingen bis zum Stahlwerk in Völklingen befördern. Als Spezialität produziert Jacob Fertigbauteile für Verteilerrinnen, die beim Strangguss-Verfahren im Stahlwerk flüssigem Stahl mit Temperaturen von um die 1600 Grad Celsius standhalten.

Die Arbeit ist anspruchsvoll. Doch wo wir auch immer Mitarbeiter antreffen, wirkt der Umgangston mit Chef und Chefin familiär. Jacob versäumt es auch nie, alle einmal pro Jahr mitsamt Familien zu einem großen Fest einzuladen.

Und es gibt Anzeichen, dass die Firma Jacob in der Familie bleibt. Sohn Frederic (22) studiert derzeit Wirtschaft und Recht und zeigt nach Auskunft der Eltern „starkes Interesse“ an dem Unternehmen.

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