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Locken Freibäder nur bei Hitze?

Am Freitag im Völklinger Freibad: Sommersonne – also Hochbetrieb. Foto: Becker & Bredel
Am Freitag im Völklinger Freibad: Sommersonne – also Hochbetrieb. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Völklingen. Planschverbot für Kinder mit Sonnenschutz-T-Shirts? Nach der Beschwerde einer Mutter hat Völklingen klargestellt: Wasser-Textilien müssen nur aus speziellem Stoff sein, der Schnitt ist egal. Saarbrücken verfährt schon länger so. Patricia Heine

Die Rückkehr des Hochsommerwetters hat seit Donnerstag wieder für enormen Ansturm im Völklinger Freibad gesorgt. Und nebenbei einen Konflikt um die "Kleiderordnung" heraufbeschworen: Mit welchen Textilien darf man ins Wasser?



Zornig berichtete die Mutter eines vierjährigen Jungen auf Facebook von ihrem Bad-Besuch am Donnerstag. Das Kind sei sehr sonnenempfindlich. Deshalb habe sie ihm ein spezielles T-Shirt besorgt, das gegen UV-Strahlung schütze. Jedoch habe die Bademeisterin sie freundlich darauf hingewiesen, der Junge dürfe damit nicht ins Wasse; solche Shirts seien nur für Kinder bis zum Alter von drei Jahren zulässig. Die Mutter, empört, fragte nach den Frauen im Burkini: Wieso dürfen die eine Menge Textil tragen, ihr Söhnchen aber nicht?

Die Burkini-Frage ist in Völklingen seit 2013 beantwortet. Burkinis sind Badekleidung , sie werden aus denselben Materialien gefertigt wie knappe Bikinis und Badehosen . Diese Materialien fusseln nicht. Alltagskleidung und normale Unterwäsche hingegen hinterlassen feine Flusen im Wasser. Und die können die Filtertechnik von Bädern enorm stören; deshalb sind sie dort streng verboten.

Nicht nur in Völklingen. Der Saarbrücker Bäderbetrieb handhabt das ebenso, sagt Geschäftsführerin Gabriele Scharrenberg-Fischer. Aber, fügt sie hinzu, man erlaube auch UV-T-Shirts; auch die seien aus Stoffen gefertigt, die nicht fusseln.

Völklingen will jetzt nachziehen, sagt Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ) auf SZ-Nachfrage. Noch am Freitag habe er das Bad-Personal angewiesen, ab sofort auch UV-T-Shirts zu dulden. Die Bademeisterin, sagt er, habe korrekt nach der Völklinger Bäder-Ordnung gehandelt. Aber deren Regeln müsse man angesichts neuer Materialien wohl mal überarbeiten. Da müsse dann der Stadtrat ran.

Erstmal gilt Bintz' Anweisung. Das Problem mit dem UV-T-Shirt, das die Mutter beklagt hatte, ist damit aus der Welt. Der Sommer will es auf seine alten Tage nochmal wissen. Selten hat er uns mehr zum Schwitzen gebracht als in dieser Woche. Da hilft nur noch das Freibad. 11 000 Badegäste haben die vier Saarbrücker Schwimmbäder alleine am Donnerstag gezählt. Und die Bäderbetriebsgesellschaft rechnet damit, dass die Zahl am Wochenende noch getoppt wird. Aber stürzen sich die Leser im Regionalverband immer so gerne in die gechlorten Becken? Wir haben sie online befragt. 438 haben teilgenommen. Damit ist die Umfrage nicht repräsentativ. Aber wir haben Interessantes erfahren.

Die meisten gehen nämlich gar nicht so oft ins Freibad. 47 Prozent der Befragten geben an, nicht regelmäßig einer Einrichtung zum Baden einen besuch abzustatten. Das scheint aber nicht daran zu liegen, dass es nicht genug Bäder in der Region gäbe. Das Angebot in der Umgebung halten 65 Prozent für ausreichend. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten geht am liebsten in "ihrem" Bad, nah am eigenen Wohnort, schwimmen. Kurze Wege zum kühlen Nass. Das scheint vielen Lesern im Regionalverband wichtig zu sein. Die große Mehrheit von 90 Prozent sagt, dass die Kommunen ihre Bäder weiter betreiben sollten. Das ist jedoch kostspielig. Und darunter müssen wohl die Bäder leiden, so die Meinung einiger Befragten. Viele wünschen sich Modernisierungen. Neue Umkleidekabinen, beheizte Becken, größere Liegewiesen, Renovierungen. Weil Schwimmen und Planschen durstig und hungrig macht, könnten nach Meinung unserer Leser auch die Kiosk-Angebote ausgebaut werden.

Nicht jede Familie kann sich einen Sommerurlaub am Meer leisten. Der Freibadbesuch, ein guter Ersatz. Über 60 Prozent der Befragten finden, dass die Freibäder in der Region vor allem für Familien und Kinder attraktiv sind. Es gibt aber auch die andere Seite unter den Lesern. Die Schwimmer . Sie ärgern sich über zu kurze und zu wenige Bahnen.

Außerdem sollten, nach Meinung vieler Befragten, die Freibäder ihre Öffnungszeiten überdenken. Maximal drei Monate im Jahr offen zu sein, reiche nicht aus. Im Nachteil fühlen sich berufstätige Schwimmer . Viele Freibäder öffneten erst um 9 Uhr. Zu spät für die, die zur Arbeit müssen.

Und wer dann noch mit dem Auto zum Freibad kommt, der hat wohl oft ein Problem, es abzustellen. Viele Befragten beklagen sich über die oft "katastrophale" Parksituation. Wer es dann aber bis auf die Liegewiese und an den Beckenrand geschafft hat, ist meist mit dem zufrieden, was die Bäder in der Region so bieten.

Zum Thema:

Auf einen Blick SZ-Umfrage-Center: Es gibt viele Themen, die die Saarländer bewegen und die intensiv diskutiert werden. So stimmten Leser über freies Internet oder Zeitumstellung ab. Damit die Meinung der Leser zukünftig noch größere Beachtung findet, hat die Saarbrücker Zeitung ihr Umfrage-Center neu gestaltet. Wer da mitmachen möchte, muss sich einmalig registrieren. Und wer schon an Befragungen unter sz-umfrage.de teilgenommen hat, nutzt seine Login-Daten weiter. Umfrage-Teilnehmer werden mit Punkten belohnt. Ab 20 Punkten können diese in verschiedene Einkaufsgutscheine umgewandelt werden. klö