| 18:38 Uhr

Blinder Riese mit Querstreifen

Frisch verputzt, frisch gestrichen – aber beinahe fensterlos: So sah das Woolworth-Gebäude am Donnerstag während der Gerüst-Demontage aus. Inzwischen ist das Gerüst weg. Die Querstreifen betonen noch die Massigkeit des Baus. Foto: Jenal
Frisch verputzt, frisch gestrichen – aber beinahe fensterlos: So sah das Woolworth-Gebäude am Donnerstag während der Gerüst-Demontage aus. Inzwischen ist das Gerüst weg. Die Querstreifen betonen noch die Massigkeit des Baus. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Völklingen. Gut zwei Jahre lang war das Gebäude, in dem das Völklinger Woolworth-Kaufhaus residiert, zur Rathausstraße hin eingerüstet und verhüllt. Jetzt ist das Gerüst abgebaut, man hat freien Blick auf die neue Front. Doris Döpke

Am Donnerstagmorgen kamen die Gerüstbauer. Zuerst nahmen sie die feinen Netze ab, die seit Juni 2014 die Fassade des Völklinger Woolworth-Gebäudes verschleierten, teils blickdicht, teils transparent. Mittags war der Eindruck, Verhüllungskünstler Christo habe sich des Baus in der Rathausstraße angenommen, bereits Geschichte. Da waren die Schaffer längst dabei, das Gerüst in seine Einzelteile zu zerlegen. Sorgsam reichten sie die stählernen Elemente etagenweise nach unten, packten sie auf einen Lastwagen. Abends war der Trupp fertig.


Seither hat man freien Blick auf die nunmehr sanierte Fassade. Auf eine riesige, senkrechte Putz-Fläche in Gelb, gegliedert einzig durch drei rote Querstreifen und fünf Fensterchen im obersten Geschoss. Die übrigen Fenster - ursprünglich eine ganze Reihe in jedem Stockwerk - wurden während der Sanierungsarbeiten zugemauert.

Die Stadt, sagt Jürgen Manz, persönlicher Referent von Oberbürgermeister Klaus Lorig , auf SZ-Nachfrage, "ist mit dieser Fassadengestaltung eigentlich nicht zufrieden. Aber es gab (und gibt) kein planungsrechtliches Instrument, dies zu verhindern."

Das hatte sich schon im Juli abgezeichnet. Da hatte Uwe Hölzer von der in Karlsruhe ansässigen Kreisel GmbH, der der Bau inzwischen gehört, dem zuständigen Ausschuss des Völklinger Stadtrats über den Stand der Dinge berichtet. Die alte, vorgehängte Fassade - dunkelrote Glasscheiben auf Alu-Rahmen - musste saniert werden, nachdem im Juni 2014 eine Scheibe auf den Bürgersteig gestürzt war. Die Konstruktion, erläuterte Hölzer, sei statisch nicht mehr intakt gewesen. So habe man sie demontiert. Und wolle, der Kosten wegen, einfach verputzen und streichen - der Ausschuss diskutierte über eine Gestaltungssatzung.

Anfang Juli waren die Verputzer da. Dann tat sich eine Weile nichts. Der Putz müsse trocknen, sagte Hölzer, das dauere. Denn man habe ihn stellenweise sehr dick auftragen müssen, um Unebenheiten der Wand auszugleichen. Ende Juli kamen die Anstreicher. Hinter der Netz-Verhüllung gingen sie mit großen Spachteln ans Werk und brauchten nur wenige Tage. Jetzt ist die Sanierung offenbar abgeschlossen. Noch im August solle das Gerüst verschwinden, hatte Hölzer im Juli gesagt; ihren Zeitplan hat die Kreisel GmbH also eingehalten.



Die nächsten Schritte? "Der Stadtverwaltung liegen zurzeit keine Informationen bezüglich der weiteren Gestaltung des Gebäudes vor", sagt Manz. Fenster, hatte Hölzer im Ausschuss erklärt, könne man jederzeit wieder öffnen. Das werde man aber erst tun, wenn man die Bedürfnisse und Wünsche künftiger Mieter kenne.

Zum Thema:

Hintergrund Der Woolworth-Bau in der Rathausstraße wurde in den 1960er Jahren errichtet. Das Kaufhaus nahm ihn ursprünglich komplett in Anspruch, mit Verkaufsräumen auf mehreren Etagen, einem Friseursalon und einem Restaurant ganz oben. In den 2000er Jahren zog sich Woolworth Stück um Stück zurück: Restaurant und Friseursalon machten dicht, man verkaufte nur noch im Erdgeschoss. Hintergrund: Der Konzern kriselte, schloss viele Filialen. Der Völklinger Standort blieb. Das Gebäude , nicht im Woolworth-Eigentum, wurde mehrmals verkauft und gehört jetzt der Kreisel GmbH. dd

Ende Juli 2016: Hinterm Gerüstnetz tragen Maler mit großen Spachteln Farbe auf. Foto: Döpke
Ende Juli 2016: Hinterm Gerüstnetz tragen Maler mit großen Spachteln Farbe auf. Foto: Döpke FOTO: Döpke
Juni 2014: Eine Glasscheibe hat sich von der Fassade gelöst (oben). Archivfoto: Jenal
Juni 2014: Eine Glasscheibe hat sich von der Fassade gelöst (oben). Archivfoto: Jenal