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Darauf kann Bernhard Hayo stolz sein
Erfolgsgeschichte begann mit „Geigen gegen Pisa“

Dirigentin Viktoria Psota, Nachfolgerin von Bernhard Hayo, leitet das Orchester.
Dirigentin Viktoria Psota, Nachfolgerin von Bernhard Hayo, leitet das Orchester. FOTO: BeckerBredel
GEISLAUTERN. Rund 200 Zuhörer erleben Jubiläumskonzert „Zehn Jahre Junges Philharmonisches Kammerorchester Warndt“. Von Thomas Annen

„Vielen Dank für Ihre Spende“, steht auf dem leeren Geigenkasten am Eingang des Geislauterner Dorfgemeinschaftshauses. Neben Geigen sind Bratschen und Celli im Einsatz. Die Instrumente eignen sich nicht nur für klassische Musik. Die Viertklässler der Schlossparkschule eröffnen den Abend mit dem Steigermarsch und einem Square Dance. Mit einem Jubiläumskonzert feiert das Junge Philharmonische Kammerorchester Warndt am Samstag sein zehnjähriges Bestehen. Die meisten Mitglieder sind ehemalige Schüler der Schlossparkschule. Schon in der Grundschule haben sie begonnen, ein Streichinstrument zu lernen.


Schulleiterin Petra Pitillo erinnert bei ihrer Begrüßung an die Anfänge des Streicherprojekts im Jahr 2004. Viele Sponsoren-Klinken mussten geputzt werden, um das Startkapital von 15 000 Euro zusammen zu bekommen. 25 Erstklässler griffen damals zu einem Streichinstrument. Das Motto: „Mit Geigen gegen Pisa“. Heute werden in dem Projekt 120 Kinder gefördert, insgesamt 136 Instrumente stehen zur Verfügung.

Pitillo erinnert auch daran, wem der Erfolg zu verdanken ist – „unserem lieben und hoch geschätzten Bernhard Hayo“. Nach der Pensionierung des Orchestergründers übernahm Geigenlehrerin Viktoria Psota vor knapp zwei Jahren die Leitung. Sie begleitet das schulische Projekt seit den Anfängen.



Rund 200 Zuhörer sind im Saal, unter ihnen auch Bernhard Hayo. Nach den beiden ersten Stücken wird er auf die Bühne gebeten. Hayo setzt sich ans Piano und musiziert noch einmal mit seinen ehemaligen Schülern. Schnell zeigt sich: Man versteht sich noch immer prima.

Seine Nachfolgerin hat ebenfalls einen guten Draht zu den jungen Leuten. Die rund 30 Mitglieder des Kammerorchesters, die nach den Viertklässlern übernehmen, sind hoch konzentriert. Alle haben ihre Instrumente im Griff und Psota im Blick. Fast alle: Der Mann mit Rauschebart, der beim Triangel-Stück mitmischt, ist nicht richtig bei der Sache. Statt auf die Dirigentin zu achten, gönnt er sich lieber ein Schnäpschen. Immer wieder verpasst er mit seiner Triangel den Einsatz. Dem Publikum gefällt der Gag. Und auch die anderen Stücke – von der Mozart-Sinfonie bis zu John Miles Klassiker „Music“ – kommen gut an. Niclas Michely (Piano) und Deyan Ivanov (Oboe) unterstützen die Streicher.

Die Nachwuchsmusiker sind zwischen 10 und 20 Jahre alt. Die große Altersspanne ist für die Leiterin eine Herausforderung. Psota gelingt es, die unterschiedlichen Talente und Temperamente zu einem harmonischen Klangkörper zu formen. „Sie ist streng, aber herzlich“, verrät die 20-jährige Geigerin Michelle Korn.

Ohne Disziplin und Fleiß lässt sich kein Streichinstrument erlernen. Einmal die Woche wird geübt. In der heißen Phase vor dem Konzert kamen einige Extraproben hinzu. Drei Monate hat sich das Orchester auf den Abend vorbereitet.

Der Applaus und die Bravo-Rufe entschädigen für die Mühen. Von der Chefin gibt es ebenfalls ein dickes Lob. „Ich bin sehr zufrieden und stolz“, sagt Viktoria Psota.

Gegen Ende des ersten Teils stimmen Orchester, Viertklässler und Publikum gemeinsam „An die Freude“ an. Bei der Zugabe wird dann nochmals jubiliert. „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium“, schallt es durch die Halle.

Nach der Pause übernimmt der Gemischte Chor Karlsbrunn. Unter der Leitung von Stefan Zell singt er Gabriellas Song aus dem Film „Wie im Himmel“. Reinhard Mey und die Les Humphries sind ebenfalls zu hören.

Zum Schluss musizieren Chor und Kammerorchester gemeinsam. Bernhard Hayo, der früher auch die Karlsbrunner Sänger dirigierte, greift zur Handy-Kamera: Jetzt hat er seine ehemaligen Schützlinge zusammen im Bild.