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Oberbürgermeisterin sieht keine Zukunft mehr für Schule
Blatt verabschiedet sich vom Mühlgewann

Die frühere Mühlgewannschule, hier vom Neuen Rathaus aus gesehen, prägt das Bild am Hindenburgplatz.
Die frühere Mühlgewannschule, hier vom Neuen Rathaus aus gesehen, prägt das Bild am Hindenburgplatz. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Oberbürgermeisterin Christiane Blatt will einen Schlusspunkt unter den jahrelangen Schulstreit setzen. Sie schlägt dem Stadtrat für seine Sitzung am Donnerstag vor, den Mühlgewann endgültig aufzugeben und die Grundschulen Haydnstraße und Bergstraße auszubauen. Von Bernhard Geber

Nach dem Ja zu einer Sanierung des Neuen Rathauses und dem Nein zu einem Abriss des Rathaus-Turmes steht in in der Stadt eine weitere Grundsatzentscheidung an. Das Problem: Manche Völklinger Grundschulen platzen aus den Nähten. So wurden in der Haydnstraße und in Fürstenhausen bereits Notlösungen mit Containern fällig. Über Jahre hinweg wurde über Lösungen gestritten.


Die SPD Innenstadt machte sich  dafür stark, die alte Mühlgewannschule (siehe Info) erneut zu aktivieren. Diese Maßnahme könne alle Platzprobleme in der Innenstadt lösen, sagte als Wortführerin die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Brunhilde Folz. Klaus Lorig (CDU), noch bis Ende Mai Oberbürgermeister, plädierte hingegen dafür, sich von der Idee mit dem Mühlgewann zu verabschieden und statt dessen die Grundschule Haydnstraße und eventuell auch die Bergstraße kräftig zu erweitern. Das Mühlgewanngebäude sollte in der Hand des Regionalverbandes Saarbrücken bleiben – mit der Perspektive, dort ein Sozialzentrum einzurichten.

Nachfolgerin Christiane Blatt (SPD) hat nachrechnen lassen und ist zu ähnlichen Schlüssen wie Lorig gekommen. Zunächst das Wichtigste: Es dürfte insgesamt um die 6,7 Millionen Euro kosten, den Mühlgewann gemäß den heutigen Anforderungen an eine Grundschule herzurichten. Weil die Stadt bei den Grundschulen laut Gesetz Träger ist, müsste sie diese Kosten stemmen.



Blatt schlägt deshalb dem Stadtrat vor, auf das Gebäude zu verzichten und nicht zu verlangen, dass der Regionalverband Saarbrücken es an die Stadt zurückgibt (siehe Info). Gleichzeitig soll der Rat ausdrücklich befürworten, dass im Mühlgewann unter Regie des Regionalverbandes ein Sozialzentrum eingerichtet wird. Dort könnten dann zum Beispiel die Außenstelle des Jugendamtes, das Awo-Familienzentrum, das Kinderhaus und die Gemeinwesenarbeit zusammengeführt werden.

Die öffentliche Stadtratssitzung beginnt am Donnerstag, 29. November, um 17.30 Uhr im Großen Saal des Neuen Rathauses. Die CDU-Stadtratsfraktion hat inzwischen eine neue Idee ins Spiel gebracht: Die Mühlgewannschule könne auch Standort für eine Förderschule werden – genauer gesagt für eine Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung. Träger dieser Förderschulen sei das Land, und derzeit werde im Bereich des Regionalverbandes ein geeigneter Standort gesucht, erläutert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gisela Rink. Im Landeshaushalt, der im Dezember verabschiedet werde, stehe sowohl Geld für Investitionskosten als auch für Personalkosten bereit. Da eine Förderschulklasse eine wesentlich geringere Schülerzahl als eine normale Grundschulklasse habe, seien auch die Klassenraumgrößen am Mühlgewann passend.

Ansonsten erinnert die CDU erneut an das generelle Raumproblem an Völklinger Grundschulen. Für das Schuljahr 2019/2020 fehlten nach den derzeitigen Anmeldezahlen an der Haydnschule, an der Schule Bergstraße und an der Waldschule in Fürstenhausen je ein Klassenraum. „Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr nach der Anmeldung der Schulneulinge überlegen müssen, wie die Kinder an den einzelnen Standorten beschult werden können“, meint Gisela Rink. Die CDU fordere deshalb die Einsetzung eines Stadtrats-Unterausschusses zur langfristigen Planung. Blatt lässt derzeit nach eigenen Angaben ein „langfristig tragfähiges Organisations- und Baukonzept für die Grundschulstandorte Bergstraße mit Röchlinghöhe und Haydnstraße“ erarbeiten. Amtsvorgänger Lorig verfolgte bereits den Plan, die Grundschule Haydnstraße auf rund das Doppelte zu erweitern. Die dritte und vierte Klassenstufe der Grundschule Bergstraße werden derzeit auf der Röchlinghöhe unterrichtet. Dies bringt aufwendige Bustransporte mit sich. Weil auf dem Gelände kein Platz mehr für Anbauten ist, wäre in der Bergstraße nur eine Aufstockung möglich.

Im Jahr 2016 hatten die Baufachleute im Rathaus schon einmal Schätzungen vorgelegt. Eine Aufstockung des Gebäudes in der Bergstraße mit sechs Klassenräumen hätte nach damaligem Stand rund 1,8 Millionen Euro gekostet. Vier weitere Klassenräume in der Haydnstraße sollten rund 1,4 Millionen Euro kosten.