Bilanz 2016 der Stadtwerke Völklingen : Ein Optimist berichtet vom Klimawandel

Bilanz 2016 der Stadtwerke Völklingen : Ein Optimist berichtet vom Klimawandel

Im Geschäftsbericht 2016 schildert Stadtwerke-Chef Michael Böddeker die Sanierungs-Mühen –  und internen Wandel.

Michael Böddeker, seit Oktober 2015 Geschäftsführer der Völklinger Stadtwerke, hat ein gutes Gespür für Timing. Gerade hat das Unternehmen seinen Geschäftsbericht 2016 fertig, in diesen Tagen stellt Böddeker ihn vor – für die kommunalen Gremien, für Geschäftspartner, für die Öffentlichkeit. Zeitgleich präsentieren die Stadtwerke Neuerungen, die zeigen, wohin der Weg künftig gehen soll.

Die eine ist klein, dafür symbolträchtig. Auf seiner Internet-Seite informiert der Stadtkonzern, wie bereits kurz gemeldet, jetzt in sieben Sprachen über seine Produkte und Dienstleistungen, auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Italienisch, Türkisch und Bulgarisch. Isabelle Ahr, Leiterin für Kommunikation und Marketing im Unternehmen, erläutert den Hintergrund: Etwa 7000 der rund 40 000 Völklinger haben Zuwanderungs-Hintergrund. Zwar sprächen die meisten von ihnen Deutsch, doch gebe es immer wieder Unsicherheiten beim Verständnis; deshalb kämen die Stadtwerke ihnen nun sprachlich entgegen. Das sei zum beiderseitigen Nutzen, meint Ahr, denn für die Stadtwerke bedeute es weniger Fehlinterpretationen, Änderungen, Widerrufe von seiten der Kunden – also Verwaltungsvereinfachung. Zudem  Image-Verbesserung: Die Kunden sollen „mit den Stadtwerken positive Erfahrungen verbinden“, sagt Ahr.

Punkt zwei für die Zukunft ist der Start in die Elektromobilität (wir berichteten), der nun sichtbar wird. Die angekündigten Strom-Tankstellen für Autos – am Stadtwerke-Bau und auf dem Weltkulturerbe-Parkplatz – stehen inzwischen, wenngleich bis zur Einweihung Mitte September noch verhüllt; Ladeboxen für E-Bikes sind im Bau.

Image, das ist ein zentrales Stichwort auch für den Geschäftsbericht selbst. Böddeker hat dazu ein eigenes Heft herausgegeben, das das Bilanz-Zahlenwerk ergänzt. „Zurück zur Normalität und dann durchstarten in eine erfolgreiche Zukunft“, lautet das Motto. Raus aus der Krise, in die das Meeresfischzucht-Desaster die Stadtwerke geführt hatte – 2016,  liest man, seien die Kosten dauerhaft um 3,5 Millionen Euro pro Jahr gesenkt worden. Und „der Geist des Unternehmens“ habe sich gewandelt, sei „dienstleistungsorientierter, offener, fröhlicher, kreativer und kommunikativer“ geworden – man will näher ran an die Kunden. Und Vertrauen zurückgewinnen, das „durch Missmanagement bei der Konzern-Mutter bis Mitte 2015“ verloren gegangen war.

Der Zahlen-Teil lässt aber keinen Zweifel daran, dass der Rückweg zur Normalität mühselig und langwierig ist. Nach wie vor drücken die aus dem Fischzucht-Abenteuer resultierenden Schulden. Nach wie vor gibt es einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ – aber: Er ist laut Bilanz im Jahr 2016 kleiner geworden, als er noch 2015 war. Nach wie vor lebt der Konzern auf Pump, Banken und die Stadt haben Darlehen gewährt – aber: Die Stadtwerke haben die strengen Bedingungen für den weiteren Geldfluss erfüllt. Übererfüllt sogar: Die so genannte Kapitaldienstfähigkeit – zentrales Kriterium für Kreditwürdigkeit – sollte bis Ende 2016 wiederhergestellt sein, und sie war es schon vier Monate früher, heißt es. Das habe nicht nur die Stadtwerke-Führung so gesehen, es sei auch von externen Fachleuten bestätigt.

Was früher fehlte, wird hier, wie auch schon im Vorjahr, geliefert: Zahlen, Fakten, Fakten, Zahlen. Aber nicht „nackt“, sondern gut verständlich erläutert und aufbereitet. Und auch im Image-Teil wird deutlich, was Michael Böddeker  als „Kulturwandel“ anstrebt und benennt: Er sucht andere mit ins Boot zu nehmen. Voran die MItarbeiter. „Wertschätzung“, sagt er, „bewegt viel.“

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