Bürgerinitiative gibt nicht auf

Der Kampf um ein Rotlicht-freies Fenne ist noch nicht verloren, meinen Gerald Fries und Michael Rausch. So werde die Bürgerinitiative auch zur Eröffnung des Bordells „mit einem Haufen Leute“ aufmarschieren.

Demonstrationen gegen Rotlicht: Auch viele Bürger mit türkischen Wurzeln waren im Februar bei dem Protest vor der ehemaligen Fenner Glashütte dabei. Archivfoto: Jenal. Foto: Jenal

In zwei Hallen der ehemaligen Fenner Glashütte werden derzeit Zug um Zug die 41 Kabinen eingebaut, die dann der so genannten gewerblichen Zimmmervermietung dienen sollen. Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) hat den Umbau zum Bordell erlaubt - wenn auch mit eine Reihe von Auflagen, vor allem der Beschränkung der Öffnungszeit auf täglich sechs bis 22 Uhr. Die Bürgerinitiative (BI), die seit 2013 für ein Rotlicht-freies Fenne kämpft, will sich aber nicht geschlagen geben.

"Ganz gleich, ob das Bordell an Weihnachten oder an Silvester eröffnet wird - wir werden mit einem Haufen Leute vertreten sein", sagen die BI-Sprecher Gerald Fries und Michael Rausch bei einem Gespräch in der SZ-Redaktion Völklingen. Sie reagieren damit auch auf Äußerungen von Grundstückseigentümer Ali Altin ("Fenner Bordell wird in drei Monaten fertig sein", SZ vom 6. Oktober). Die BI hatte schon mehrfach Demonstrationen organisiert, zu denen jeweils 100 bis 150 Leute kamen, und im Lauf der Zeit rund 1100 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Politiker wie Ortsvorsteherin Monika Roth (parteilos), CDU-Fraktionschef Stefan Rabel, SPD-Ortsvereinschef Gerald Zieder gaben lautstark Unterstützung. Und die Vorsitzende des Völklinger Integrationsbeirates, Kiymet Kirtas, stellte sich mit ihrem türkischen Frauenverein mit an die Spitze der Protestbewegung.

"Für uns ist die Sache jedenfalls noch lange nicht erledigt", sagte CDU-Fraktionschef Rabel direkt im Anschluss an Lorigs Genehmigung. Fries und Rausch sehen das genauso. Die Fenner Bürgerinitiative werde "mit legalen Mitteln" weiterkämpfen, kündigen sie an: "Wir wollen die Lust am Bordellbetrieb verleiden, damit wir in unserem schönen Stadtteil in Ruhe und Frieden leben können." Die Art der Aktionen ("es sollen Überraschungen sein") werde man sich je nach Einzelfall überlegen. Wobei man auf die Unterstützung der Stadtverwaltung, der Polizei und sonstigen zuständigen Behörden baue.

Bereits in der jetzigen Bauphase stelle sich so für die BI die Frage, ob die Arbeiter menschenwürdig untergebracht seien und ansonsten alles mit rechten Dingen zugehe. Wenn der Bau fertig sei, sei eine gründliche Abnahme ("auch in Bezug auf Feuerschutz") fällig. Die Einhaltung der Auflagen sei strikt zu überwachen: "Die müssen um 21.30 Uhr das Ding zumachen, und um 22 Uhr darf niemand mehr auf dem Gelände sein. Und zur Hausener Straße hin darf nichts vom Bordell sicht- und hörbar sein", erinnern Fries und Rausch. Verkehrsüberwachung im Umfeld sei angesagt, und auch regelmäßige Überprüfungen im Haus zu Fragen der Art: "Haben alle gültige Pässe, Arbeitserlaubnisse, Gesundheitszeugnisse, sind sie sozialversichert, werden Steuern bezahlt?" Und es könne auch angezeigt sein, dass die Polizei "hier und da eine Razzia" mache.

Fries und Rausch werfen Grundstückseigentümer Ali Altin vor, bei dem Projekt "scheinheilig" zu argumentieren. Er verstecke sich hinter einem "Phantom aus Berlin", das noch kein Bürger in Fenne zu Gesicht bekommen habe. Gemeint ist hier eine Firma mit Adresse in der Bundeshauptstadt, die als Bauherr auf dem Baustellenschild aufgeführt ist.