Er lehrte Müllern das Handwerk

In einer Serie stellen wir die Handwerksmeister aus dem Regionalverband Saarbrücken mit Eisernen und Diamantenen Meisterbriefen vor. Heute: Müllermeister Carl Kleim aus Völklingen-Heidstock.

Nachdem er als Kind noch die Weimarer Republik erlebte und als junger Mann als Offizier zur See den Weltkrieg überlebte und dann den "totalen Zusammenbruch" mitansehen musste, entschloss sich Carl Kleim, ein Handwerk zu erlernen. Das berichtet er jetzt zuhause im Völklinger Stadtteil Heidstock, im Jahr seines "Eisernen Meisterbriefs" als Müllermeister.

"Mit der Industrie ist es vorbei, dachten wir damals", erinnert er sich. "Und weil meine Großmutter mütterlicherseits eine Mühle betrieb, lag es nahe, auch in diese Richtung zu gehen." Im ostfriesischen Wittmund habe er auch eine Lehrstelle gefunden und sei in die zweijährige Lehre gegangen. Seine Lehrstätte, die Mühle in Wittmund, ist heute ein Museum. Und sein Gesellenstück ist ein Teil davon: "Der alte Mühlstein wurde als Denkmal in den Boden eingelassen, ich musste damals nachweisen, dass ich ihn schärfen kann."

Viele Stationen hat er in der Anfangszeit durchlaufen und er betont, dass die Arbeit des Müllers weit mehr beinhaltet, als die Mehlproduktion. Er erzählt von Schälmüllerei, in der zum Beispiel Haferflocken produziert werden. Carl Kleim erklärt: "Die müssen außerdem gedämpft werden, weil sie sonst wegen ihrer Bitterstoffe ungenießbar wären." Im Sommer 1950 dann die Meisterprüfung in Lübeck.

1953 sah er die Zeit gekommen, selbst eine Mühle zu betreiben, und so kam er ins Saarland, denn in Lisdorf wurde ihm eine Mühle zur Pacht angeboten. "Dazu kam es aber nicht, die Mühle ist abgebrannt", erinnert er sich. "Ausgerechnet am Tag bevor wir den Termin mit dem Versicherungsvertreter hatten", fügt seine Frau Ina-Maria hinzu, mit der er seit 1950 verheiratet ist. Er wurde damals bei einem Gemüsehändler eingestellt, der in Lizenz Futtermittel herstellte: "Denn auch die Futtermittelherstellung ist ein Thema des Müllers."

Ende der 1950er Jahre kam dann das Angebot der Landesregierung, Gewerbelehrer zu werden. "Ich durfte aber nur eine Landesklasse mit fünf Azubis unterrichten", sagt er. Der Müllerberuf entwickelte sich nämlich zum Exotenberuf, der länderübergreifend ausgebildet wird. Für Kleim als Gewerbelehrer war also kein Bedarf mehr, doch das Ministerium vertraute auf sein Wissen, setzte ihn im Bereich Wirtschaft- und Sozialkunde ein, und er wurde in die Neuordnung der Gewerbeschulen eingebunden.

"Ein Müller gehörte früher in jedes Dorf, wie ein Bäcker und ein Schmied." Landesfürsten hätten einst Müller bestellt und herrschaftliche Mühlen installiert: "Es kam ja auch auf das Wasserrecht an, weil man mit Wasser das Mühlrad antreiben musste." Heute gebe es nur noch wenige industrielle Müllerei-Betriebe.

Kleim ist seit 1987 im Ruhestand und widmet sich seitdem umso mehr gemeinsam mit seiner Frau Ina-Maria dem Tanzsport, den er im Tanzsportclub Royal Völklingen auslebt.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie saarländische Handwerkskammer hat vor kurzem wieder Eiserne, Diamantene und Goldene Meisterbriefe verliehen. Im Regionalverband Saarbrücken wurden geehrt: Eiserner Meisterbrief (65 Jahre): Müllermeister Carl Kleim aus Völklingen , Rundfunkmechanikermeister Herbert Weber und Uhrmachermeister Rudolf Henninger (beide Saarbrücken); Diamantener Meisterbrief (60 Jahre): Schlossermeister Franz Willems aus Püttlingen, Malermeister Otmar Barth aus Völklingen , Kraftfahrzeugelektrikermeister Karl-Heinz Adt aus Quierschied, Polsterermeister Hermann Weber aus Sulzbach, Tischlermeister Rudolf Dahlem aus Auersmacher, Fleischermeister Max Schmeer , Polsterermeister Theo Diener, Augenoptikermeister Rudolf Henninger, Zahntechnikermeister Werner Brehmer, Orthopädiemechanikermeister Berthold Kraus und Kraftfahrzeugmeister Heinz Schmeer (alle Saarbrücken). Außerdem wurden 47 Goldene Meisterbriefe (50 Jahre) an Handwerksmeister und -meisterinnen verliehen. dög