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Abrissarbeiten auf Grubengelände im Völklinger Stadtteil Luisenthal

Ex-Grube Luisenthal : Abbruch läuft – Zukunft ist ungewiss

Für das einstige Luisenthaler Grubengelände gibt es ein Nachnutzungs-Konzept – aber bisher kein Geld. Zurzeit arbeiten dort Abrissbagger.

„Schandfleck“, haben die Bewohner des Völklinger Stadtteils Luisenthal lange geschimpft. Aber jetzt sind die Bauten auf der Tagesanlage der einstigen Grube verschwunden, denen man jahrelang beim Verfallen zusehen konnte: Abrissbagger haben den Berge-Hochbunker und den Rohkohlenbunker dem Boden gleichgemacht (wir berichteten). Und wie geht es nun weiter in Luisenthal, vom Land 2013 zum „Premium-Standort“ des früheren Steinkohle-Bergbaus im Saarland erklärt?

„Wir sind nach wie vor auf dem Stand, dass wir Einzelkämpfer sind und unsere Hausaufgaben machen“, sagt Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien (MI) GmbH) beim Redaktionsgespräch. Im Klartext: Die RAG MI, Tochter des Bergbau-Unternehmens RAG, kümmert sich um die Sanierung des Geländes – doch was danach geschieht, ist weiter unklar.

Mit den Projekten, für die die RAG MI jetzt die Abrissgenehmigung hat, werde man spätestens im dritten Quartal 2019 fertig sein, sagt Krumm: Die Reste der Kohlenwäsche und des Bergehochbunkers sind abzuräumen. Ein Teil des Materials soll an Ort und Stelle neu verbaut werden, um die Stützmauer an der Böschung zur Bahn zu stabilisieren. Ein anderer Teil wird zur Halde Ludweiler transportiert, geschreddert und für die Halden-Sanierung genutzt. Weitere Abrissanträge sollen folgen. Zur Debatte steht auch das denkmalgeschützte Werkstattgebäude, laut Krumm in schlechtem Zustand. Die Frage sei halt, ob es dafür eine Folgenutzung gebe; „wenn ja, bleibt es stehen“.

Frühjahrs-Arbeitsschwerpunkt ist die Luisenthaler Halde: Standsicherheit, Durchsickerung, Entwässerung werden untersucht. Und Naturschutzfragen: Welche Vogelarten und Amphibien leben im Biotop auf der Kuppe? Problem: Die Wasserfläche oben wird gespeist dadurch, dass im weiterhin zur Gasgewinnung genutzten Schacht Richard I noch die Pumpen laufen. „Aber Biotope, die am Tropf hängen, sprich: an der Pumpe, sind das Gegenteil von nachhaltig“, sagt Krumm; auf Dauer wird der Weiher schrumpfen.

Freizeit und Naherholung, Gedenken an die Opfer des Grubenunglücks von 1962, Kultur und Veranstaltungen plus Gewerbe: Diese vier Säulen sah das 2014/ 2015 erarbeitete Konzept für Luisenthals Zukunft vor (siehe Info). Doch passiert ist nichts, für die Standort-Entwicklung fehlt das Geld. Besonders schwierig, berichtet Krumm, sei Gewerbe-Ansiedlung: Zwei interessierte Firmen seien abgesprungen wegen der schlechten Verkehrsanbindung, eine enge Bahnunterführung wirkt als Straßen-Nadelöhr. „Ich find’s auch persönlich unbefriedigend“, sagt Krumm mit einem Seufzer. „Strukturwandel-Projekte gelingen nur, wenn alle mitmachen.“ Nachdenklich fügt er an: „Einen Fall wie Luisenthal gibt es anderswo nicht.“

Und wenn aus der Gewerbeansiedlung nichts wird – wie sieht der Plan B aus? Krumm zögert. Überlegungen gebe es zwar, sagt er, „doch erstmal stehen wir zum Masterplan“. Völklingens Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) ist jüngst bei einer Veranstaltung deutlicher geworden: Das Luisenthaler Gruben-Areal solle genutzt werden, um dort Wohnraum für Familien zu schaffen, erklärte sie. Auch das kaum denkbar ohne finanzielles Engagement des Landes. Darüber spreche sie derzeit mit der Landesregierung, lässt Blatt auf SZ-Nachfrage mitteilen. Ergebnisse? Bisher nicht. Aber die Gespräche seien „konstruktiv“.

Auch zum zweiten Premium-Standort im Regionalverband, der Grube Velsen, hat Krumm nichts Neues im Gepäck. Da sehe es aber besser aus als in Luisenthal. Durchs Engagement des Erlebnisbergwerks-Vereins. Durch die Aufmerksamkeit, die Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) dem Ort widmet. Und durchs Interesse des Zweckverbandes Regionalentwicklung Warndt – der aber auch kein Geld hat, wie der Verbandschef, Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD), betont. Immerhin sei nun eine Untersuchung ausgeschrieben, die bisherige Velsen-Konzepte und -Studien zusammenführen soll. Die Kosten dafür trage das Land, sagt Dreistadt, die Förderzusage sei bereits da.