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Rund 13 Prozent der Menschen im Regionalverband Saarbrücken sind überschuldet

Schuldnerberater und ihr Alltag : Sie helfen beim Weg aus den Schulden

Rund 13 Prozent der Menschen im Regionalverband haben große Geldsorgen: Sie sind überschuldet. Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen bieten Beratung und Hilfe – etwa in Völklingen.

Manche horten die Briefe ihrer Gläubiger ungeöffnet in Schubladen und Tüten. „Das ist kein Klischee, sondern eine Tatsache“, sagen Beate Heinz und Gerhard Weber. Sie erleben, dass sich bei einigen Menschen Furcht breit macht, wenn die Schreiben dann geöffnet werden. „Wir versuchen, den Leuten diese Angst zu nehmen, Transparenz zu schaffen“, sagen die beiden Berater der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle im Haus der Diakonie in Völklingen. Dann sehe man beispielsweise, dass es für eine Forderung mehrere Briefe gebe. Oder dass die Schulden auch mal geringer sind als befürchtet.

Etwa 13 Prozent der Menschen im Regionalverband Saarbrücken sind überschuldet, das zeigt der Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform (siehe Infokasten). Hinter der Zahl stehen Schicksale. Die Diplom-Sozialarbeiter haben zum Beispiel einen jungen Mann, Mitte 20, Vater, ohne Ausbildung und ohne Job kennen gelernt, den die Schulden bei Telefonanbieter, Vermieter, Bank und Pay-TV-Sender, gesamt etwa 3400 Euro, sehr drückten. Da war der Mann Anfang 60, ehemals selbstständig, aber durch eine Krankheit nur eingeschränkt erwerbsfähig, mit fünfstelligen Schulden bei Krankenversicherung, Gewerbesteuer, Telekom. Oder auch die vierköpfige Familie, vor einigen Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. 1700 Euro, gefordert von drei Gläubigern, bereiteten Kopfzerbrechen.

Die Lösungen sahen unterschiedlich aus. Es gab Vergleichsvereinbarungen, es wurden Ratenzahlungen vereinbart, und in einem Fall halfen die Berater beim Schritt in die Privatinsolvenz. Die Experten unterstützen Hilfesuchende außerdem auch dabei, einen Haushaltsplan zu erstellen; sie verhandeln mit den Gläubigern oder stehen bei der Beantragung des Insolvenzverfahrens zur Seite.

Das Ganze ist kostenlos, vertraulich – und sehr gefragt. „Es ist immer mehr geworden“, sagt Beate Heinz, seit 26 Jahren hier im Einsatz. Weber ist seit 1995 dabei. Die Wartezeit in der Beratungsstelle, die für Völklingen, Püttlingen und Großrosseln zuständig ist, beträgt ungefähr ein Jahr. Wobei die Berater aber betonen, dass ein erstes Gespräch immer zeitnah erfolge. Während einige über Jahre begleitet werden, reicht anderen ein Termin, um, so Weber, „die Selbsthilfekräfte zu aktivieren“. 2018 wurden in der Völklinger Beratungsstelle 270 Menschen betreut und 115 Fälle abgeschlossen. 336 Beratungsanfragen gab es.

Warum gerät jemand in die Schuldenfalle? Zu den Hauptgründen zählen die Fachleute Arbeitslosigkeit, Trennung, Scheidung, Tod, Krankheit, Unfall, Sucht, eine unwirtschaftliche Haushaltsführung (gerade bei jungen Menschen) oder auch eine gescheiterte Selbstständigkeit. Waren Schuldner früher vor allem im mittleren Alter, habe sich das Ganze verlagert auf die Ebene der Rentner. „Zusätzlich kommen auch ganz Junge.“ Oft seien Schuldner arbeitslos oder prekär beschäftigt. Aus der Beobachtung heraus, dass viele „erst kommen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, wenn etwa eine Lohnpfändung droht, raten die Experten, sich früh Rat zu holen. Säßen viele Leute anfangs „wie gelähmt“ in den Büros in der Gatterstraße, ändere sich das Bild schnell, wenn sich etwas tue: „Wenn Perspektiven da sind, setzt das Kräfte frei“, sagt Beate Heinz. Der eingangs erwähnte junge Vater beispielsweise absolvierte eine Ausbildung und begann zu arbeiten.

Eine Vertrauensbasis zu schaffen, sei wichtig, sagen beide. Niemandem werde etwas aufgezwungen. Und: „Wir definieren nicht die Ziele, wir zeigen die Wege.“