Unterbewusstsein trifft Figurentheater im Kleinen Theater Saarbrücken

Saarbrücken : Unterbewusstsein trifft Figurentheater

In der Spielzeit 2019 im Kleinen Theater im Rathaus geht’s um „Phantasien, die uns antreiben, aber auch ängstigen“.

Gespenster, Wahn und Träume stehen im Kleinen Theater im Rathaus im Mittelpunkt der Spielzeit 2019. Ein Schwerpunkt, wie er typischer nicht sein könnte für Thomas Altpeter, den künstlerischen Leiter der renommierten Figurentheater-Bühne: Hat er doch ein Faible für jeglichen Grusel, der aus dem Unbewussten, Irrationalen und Dunklen erwächst.

„Phantasien, die uns antreiben, aber auch ängstigen, und die Projektionen dieser Vorstellungen ins Unbewusste: Das sind Kausalitäten, die in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Welt eine große Rolle spielen“, sagt Altpeter:  „Sie haben bedeutende Stoffe für die Literatur geschaffen und bewegen natürlich auch das Figurentheater.“

Auch in der Herbstspielzeit sollen nun solche Gedanken im Zentrum stehen. Und weil Altpeter seiner Programmgestaltung gerne literarische Zitate zugrunde legt, darf als Mottogeber diesmal kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe herhalten: „Die Menschen lieben die Dämmerung mehr als den hellen Tag, und eben in der Dämmerung erscheinen die Gespenster.“

Altpeter will die Zuschauer also mit ihren (Alb-)Träumen konfrontieren, und es versteht sich, dass es dabei nicht immer mit ernsten Dingen zugeht. „Es gehört zum Wesen des Figurentheaters, dass es stets auch seinen ganz eigenen Witz entfaltet“, meint Altpeter.

Dem Publikum drohen unter anderem Begegnungen mit tyrannischen Kindern, überforderten Eltern, psychiatrischen Diagnosen und Frankenstein und seinem Monster. Und weil Altpeter, unabhängig vom jährlich wechselnden Schwerpunkt, außerdem das ganze Spektrum des Figurentheaters zeigen will, wird er auch wieder verschiedene Spielformen präsentieren.

„Die Stilistik reicht vom klassischen Marionettenspiel oder Handpuppentheater bis hin zum Schattenspiel oder der offenen Spielweise, in der sich Mensch und Puppe gleichrangig begegnen“, erläutert er. Und selbstverständlich hält Altpeter wie gewohnt das Niveau hoch: Die zu Gastspielen eingeladenen Theatergruppen und Figurenspieler treten häufig bei internationalen Festivals auf; diesmal kommen sie aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz.

Zum ersten Mal dabei ist nun das Theater „Salz & Pfeffer“ aus Nürnberg: Seine aufwendige Produktion „Frankenstein“ (in Kooperation mit dem Studiengang Regie der Theaterakademie August Everding, München) wird am 2. November aus Platzgründen allerdings im Theater im Viertel (TiV) laufen – die logistische Zusammenarbeit mit dem TiV existiert schon lange.

Wie gehabt bietet das Kleine Theater an den Sonntagnachmittagen um 15 Uhr Familienvorstellungen an. „Gerade für Kinder bietet das Figurentheater einen idealen Einstieg in das Genre, weil es, viel mehr noch als das ‚große‘ Theater, mit der Vorstellungskraft der Kinder spielen kann“, erläutert Altpeter. Da wird sich beispielsweise am 24. November beim „Figurentheater Unterwegs“ (Bad Waldsee) Schneewittchen ein Monster stricken.

Die Samstage ab 19.30 Uhr gehören weiterhin dem Abendprogramm, das Figurentheater als ambitionierte, zeitgenössische Bühnenkunst heraus stellen will. Dazu zählt etwa das Herbst-Eröffnungsstück „Guten Abend, gut Nacht“ des „Figurentheaters Maren Kaun“ aus Mannheim (26. Oktober): Regisseur Frank Soehnle ist international bekannt für seine innovativen Inszenierungen, die gerne die phantastischen Aspekte des Puppentheaters hervorheben.

Das gilt auch für die Produktion „Das Bootshaus“ (7. Dezember, Theater im Wind/Theater Miamou, Berlin), bei der Soehnle beratend mitgewirkt hat. „Auch hier“, verheißt Altpeter, „verschwimmen Traum und Wirklichkeit mit einer ganz eigenen Poesie.“

Die Herbstspielzeit startet am Samstag, 26. Oktober, 19.30 Uhr mit bösen Märchen für Erwachsene: Das Figurentheater Maren Kaun (Mannheim) spielt „Guten Abend, gut Nacht“.

www.kleines-theater-rathaus.de

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