Michael Aitch stammt aus San Diego und lebt heute in Saarbrücken

Saarbrücken : Aus Liebe zur Freiheit nach Saarbrücken

Michael Aitch stammt aus San Diego in den USA. Er kam als Footballspieler vor rund 30 Jahren nach Deutschland und fühlt sich wohl.

Entspannt und mit einer offensichtlichen Leichtigkeit schlendert Michael Aitch durch die Bahnhofstraße in Saarbrücken. Er ist auf dem Weg zu einem Reggae-Konzert in der Nähe des St. Johanner Marktes. Der 55-Jährige ist Reggae-DJ und hat in London schon mit namhaften Produzenten zusammengearbeitet.

„Das Musikgeschäft ist sehr schwierig, und es ist nicht meine Welt. Die großen Unternehmen wollen immer mehr Geld und beuten die Künstler regelrecht aus. Da bleibe ich lieber in Saarbrücken, genieße meine Freiheit und lege hier und da mal ein paar Platten auf“, erklärt Michael Aitch.

Apropos Freiheit: Aitch stammt aus San Diego in den USA und ist seit rund 30 Jahren in Deutschland. Doch wieso um Himmels Willen kommt man als freiheitsliebender Mensch nach Deutschland mit all seinen Regeln? Die USA sollen doch das Land mit den unbegrenzten Möglichkeiten sein.

Michael Aitch lacht. „Das ist ein Märchen“, sagt der 55-Jährige. „Viele Familien ab der Mittelschicht abwärts führen kein gutes Leben. Der Vater oder die Mutter haben drei Jobs und arbeiten von morgens bis spät abends. Trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht. In Amerika musst du für alles viel Geld bezahlen“, berichtet der Reggae-DJ aus seinem Heimatland.

Die Sicherheit war Hauptgrund für seine damalige Flucht nach Deutschland. „In den Vorstadtstraßen der großen Städte herrschen teilweise Kriegszustände. Dort regieren die Banden. Pistolenschüsse, Verletzte und auch Tote sind keine Seltenheit. Das muss man erlebt haben, sonst glaubt man es nicht“, sagt der ehemalige Footballspieler.

Als er Ende der 1980er Jahre nach Deutschland kam und zuerst in Nürnberg landete, waren die Nürnberg Rams sein erstes Team, für das er spielte. Er schaffte mit den Nürnbergern den Aufstieg bis in die erste Bundesliga.

„Football ist in den USA so etwas wie eine Religion. Die ganze Stadt ist unterwegs, wenn ihre Mannschaft spielt. Ich verfolge jede Woche die Spiele in den USA. Es ist super, dass die Spiele sonntags auch im deutschen Fernsehen übertragen werden“, sagt der 55-Jährige.

Um selbst noch zu spielen, ist er bereits zu alt, da machen die Knochen nicht mehr mit. Ein bisschen Sport macht er noch, wenn er fertig ist mit seiner Arbeit. Michael Aitch ist Gabelstaplerfahrer. Er liebt seinen Job. „Ich arbeite gerne und kann mir damit das Geld verdienen, das ich zum Leben brauche. Mehr brauche ich auch nicht“, sagt der Reggae-Fan, der in bester Bob Marley-Manir natürlich Dreadlocks auf dem Kopf trägt.

Seine Glaubensrichtung ist Rastafari. Sie ist weltweit verbreitet und stammt aus dem Christentum. Es geht bei ihr um den Kampf für die Gleichberechtigung der Menschen und gegen Diskriminierung und Korruption. Es geht eben um Freiheit, und das ist das höchste Gut für Michael Aitch. „Deutschland ist wunderbar. Hier ist man wirklich frei. Es gibt Regeln, aber genau deshalb ist man frei. Wenn man krank ist, kann man einfach zum Arzt gehen und wird behandelt. Mir kommt es sehr oft so vor, als wissen die Deutschen selber gar nicht, in was für einem wunderbaren Land sie leben“, sagt der Reggae-DJ, bevor er völlig gelassen und frei mit entspanntem Schritt zu seinem Konzert weiterschlendert.

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