| 16:26 Uhr

Schauen und staunen an einem schönen Gewässer
Per Plattform der Natur auf der Spur

Das ist sie, die neue Aussichtsplattform am Kohlbachweiher. 2,5 Tonnen Stahl wurden hier verbaut.
Das ist sie, die neue Aussichtsplattform am Kohlbachweiher. 2,5 Tonnen Stahl wurden hier verbaut. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Die Tier- und Pflanzenwelt am Kohlbachweiher in Göttelborn kann man jetzt ganz ungehindert betrachten.

180 000 Euro hat sie gekostet – die neue Aussichtsplattform am Kohlbachweiher am Fuße der Halde Göttelborn wurde am Freitag im Rahmen einer kleinen Feierstunde eröffnet. „Mit dem Kohlbachweiher verbinden mich zahllose Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend“, sagte Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer, der in seiner Eigenschaft als Verbandsvorsteher der „Landschaft der Industriekultur (LiK) Nord“ das insgesamt gut 20 Meter lange Bauwerk einweihen durfte. „Darum ist das schon ein besonderes Ereignis“, fügte er noch hinzu. 75 Prozent der Investitionssumme stammt nach Angaben Maurers aus Bundesmitteln, 15 Prozent von LiK Nord. Und der Rest wurde von der IKS finanziert.


In vier Meter Höhe bietet sich nun ein Blick über den Weiher, der ansonsten vom dichten Schilfgürtel verwehrt wird. Diese „grüne Wand“ ist aber ein idealer Rückzugs- und Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. So hat sich auch in Folge des Klimawandels die eigentlich sehr viel weiter südlich beheimatete Königslibelle mit einer beachtlichen Population den Kohlbachweiher als Lebensraum ausgesucht. Auch die seltenen Zwergtaucher brüten im geschützten Uferbereich. „Wir haben auf dieser eigentlich sehr kleinen Fläche eine unglaubliche Dichte verschiedener Tier- und Pflanzenarten“, erklärte Uli Heinz, Geschäftsführer der LiK Nord und Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu). Und: „In zwei Wochen wird noch eine solarbetriebene Anlage installiert, die den Besuchern verschiedene Tierstimmen vorspielt.“ Dies dient zum einen der besseren Wiedererkennung, zum anderen hoffen die Experten auch auf eine Interaktion. Die Tiere reagieren auf die Rufe des „mechanischen Artgenossen“ und werden so für Wanderer und Naturfreunde indentifizier- und entdeckbar.

„Genau diese Umweltbildung möchten wir mit der Plattform erreichen“, sagte Roland Krämer, Staatssekretär im Umweltministerium, „früher hat die Industrie die Landschaft erobert, jetzt erobert die Natur das Terrain zurück. Es geht nicht nur um Renaturierung, es geht auch darum, den Menschen zurück in die Natur zu bringen, ihm ihre Schönheit und ihren Wert wieder nahezubringen.“ Das Bauwerk an sich, in dem auch insgesamt 2,5 Tonnen Stahl verbaut wurden, ist – anders als der ursprünglich an dieser Stelle vorgesehene hölzerne Beobachtungsturm – barrierefrei gestaltet, die Zuwegung ist flach über einen Schotterweg möglich. Hingucker ist ein schräg eingebautes, rotes Stahlrohr – ein Pflock für die Natur, eingerammt am Ufer. Interessant ist der neue Aussichtspunkt auch durch die direkte Blickverbindung zum sogenannten Himmelspfeil im oberen Haldenbereich. Dies lädt geradezu ein, das gesamt Areal zu erkunden oder einfach nur die Ruhe in unmittelbarer Ortsnähe zu genießen. Ein Mehrwert, der beim Blick auf die Investitionssumme vielleicht erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.



(cor)