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Freiwilliges Soziales Jahr
„Und dafür verdient ihr unsere Hochachtung“

Die 45 Absolventen des Freiwilligendienstes der Diakonie Saar wurden im Gemeindezentrum Sulzbach für ihr soaziales Engagement geehrt.
Die 45 Absolventen des Freiwilligendienstes der Diakonie Saar wurden im Gemeindezentrum Sulzbach für ihr soaziales Engagement geehrt. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. 45 Jugendliche aus dem Saarland wurden am vergangenen Dienstag in Sulzbach für ihr freiwilliges, soziales Engagement geehrt. Von Stephanie Schwarz

Krankheit, Tod und Einsamkeit, aber auch Dankbarkeit und Freude – diese Grenzerfahrungen haben 45 Jugendlichen aus dem Saarland in ihrem einjährigen Freiwilligendienst (FSJ) der Diakonie und der Kirchengemeinden Saarland gemacht. „Ihr wurdet in Krankenhäusern mit Krankheiten, in Altenheimen mit dem Tod und in Flüchtlingseinrichtungen mit Geschichten konfrontiert, die den Atem stocken lassen“, sagte Diakonie-Pfarrer Udo Blank bei der Abschlussfeier am vergangenen Dienstag im Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Sulzbach.


Durch diese Erfahrungen in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr haben die Jugendlichen nicht nur vieles über sich selbst gelernt, sondern auch Einsatz und Bereitwilligkeit in sozialen Bereichen gezeigt, die unter starkem Fachkräftemangel leiden. Sie arbeiteten in Krankenhäusern, in der Kinder- und Jugendbetreuung und in Einrichtungen für Migranten oder Menschen mit Behinderungen und packten freiwillig dort an, wo Not am Mann war. „Und dafür verdient ihr unsere Hochachtung“, sagte Blank den Absolventen. Denn durch ihr Engagement hätten sie viel bewirkt: Sie haben Menschen Zeit geopfert, sind auf sie zugegangen und haben zugehört. „Am Anfang des FSJ haben sich viele von euch wahrscheinlich gefragt: ‚Kann ich überhaupt etwas bewirken oder ändern?’. Heute wisst ihr: Ja ich kann“, sagte Blank an die Absolventen gerichtet.

Auch Alexandra Heinen, Leiterin der Abteilung Jugend, Senioren, Familie und Frauen im Sozialministerium, dankte den Jugendlichen: „Sie können mit Recht stolz auf sich sein, denn das FSJ macht nicht jeder. Man verlässt dabei seine Komfortzone und sieht Hilflosigkeit und Einsamkeit:“



Einigen der Absolventen hat das FSJ die Augen vor allem für die Berufswahl geöffnet – sowohl im positiven als auch negativen Sinn. Denn für den 19-jährigen Andreas Berger aus Heusweiler wäre eine Stelle als Erzieher im sozialen Bereich eigentlich ein Traumjob, sagt er. Aber: „Das Gehalt von Erziehern ist einfach zu niedrig. Wenn man dort mehr verdienen würde, wär’ dieser Job meine erste Wahl“, meinte er betrübt. Bereits in der Schulzeit hat der 19-Jährige ein Praktikum im Kinderhaus in Malstatt gemacht. „Damals ist mir der Abschied von den Kindern schwer gefallen“, sagte Berger. In seinem FSJ wollte er unbedingt dorthin zurück. „In solchen Einrichtungen wird einem bewusst, dass die Armut größer ist, als man sich das vorstellt.“ Er empfiehlt den Freiwilligendienst jedem weiter: „Man lernt viel über sich selbst und sieht, wo die Probleme sind.“

Die 19-jährige Julia Mohr aus Steinberg-Deckenhardt wusste schon vor dem Freiwilligendienst, dass sie in einem sozialen Bereich arbeiten möchte. Ihre FSJ-Station war in der Kinder- und Jugendarbeit in der Kirchengemeinde Wolfersweiler. „Wenn man mit Menschen arbeitet, bekommt man einiges mit, das einen nicht kalt lässt. Zum Beispiel, wenn Kinder Probleme zu Hause haben“, sagte  Mohr. Nun strebt die 19-Jährige eine Erzieherausbildung an. Sie empfiehlt das FSJ allen, die sich nicht sicher sind, ob ein Job im sozialen Bereich für sie das Richtige ist. „Und wenn man nach einem Jahr merkt, es passt nicht, dann ist das auch in Ordnung“, sagte Mohr: „Dann weiß man es wenigstens.“