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Sulzbacher Schüler ziehen fröhlich an einem Strang
Ein pädagogisch sinnvolles Konzept

Sigrid Weber, die Fördervereinsvorsitzende, mit Jungen und Mädchen der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark bei der Arbeit.
Sigrid Weber, die Fördervereinsvorsitzende, mit Jungen und Mädchen der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark bei der Arbeit. FOTO: Iris Maria Maurer
Sulzbach. Bei gemeinsamer Gartenarbeit erlernen Jungen und Mädchen schneller die deutsche Sprache. Von Patric Cordier

(cor) Die Sonne brennt vom Himmel. Dem Arbeitseifer der Schülerinnen und Schüler tut dies aber keinen Abbruch. Es wird geschraubt, gesägt, manche haben zum ersten Mal in ihrem Leben einen Rechen in der Hand. „Am Anfang der Projekttage brauchte es schon etwas Einweisung, gerade was die Sicherheitsbelange angeht“, sagt Frank Spinner, der an der Gemeinschaftsschule (GemS) im Vopeliuspark Sulzbach Arbeitslehre unterrichtet und für des Projekt „Grünes Klassenzimmer“ Mitverantwortung trägt: „Wir haben sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund und mit geringen Deutschkenntnissen. Hier müssen sie miteinander kommunizieren, sich absprechen, miteinander arbeiten. Es ergeben sich bei diesen praktischen Tätigkeiten oft schnellere Fortschritte als wir sie im normalen Unterricht erleben.“


Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Förderverein Goldene Au. Der hat vor einiger Zeit das Gartengrundstück keinen Steinwurf vom TÜV entfernt von der Stadt Sulzbach übernommen und bislang für die eigene Jugendarbeit im Quartier genutzt. „Der Kontakt mit der Gemeinschaftsschule entstand über sogenannte Schulfriedensgespräche, als wir bei Problemen zwischen deutschen und ausländischen Kindern miteinbezogen wurden“, erzählt Sigrid Weber, eine der Organisatorinnen im Förderverein, „nun laufen drei Projekte. Eben dieses grüne Klassenzimmer, gemeinsame Seniorenbesuche im Altersheim und ein Kunstprojekt an der Fußgängerbrücke zwischen Goldene Au und dem ehemaligen Korzilius-Gelände.“

32 Kinder hatten sich für das Projekt angemeldet, so viele, dass man zwei Gruppen machen musste. „Wir haben die Gruppen gemischt, Deutsche, Ausländer, Jungs, Mädchen“, sagt Deutschlehrerin Christina Kammer, „von Tag zu Tag merkt man, dass die Kinder immer selbstständiger arbeiten.“ Dabei haben nur wenige Erfahrung mit Gartenarbeit. „Ich habe meinem Onkel im Irak immer geholfen“, erzählt der 16-jährige Mohammad Jan, der die achte Klasse besucht, „mir hat das Streichen am meisten Spaß gemacht.“ Der 13-jährige Philipp Schmidt hat sich mehr um den Holzzaun gekümmert: „Wir mussten Nägel rausziehen und neue Latten einschrauben. Zu Hause mach’ ich das aber nie.“



Ein Hochbeet soll noch gebaut werden, ein Flachbeet wurde schon ausgehoben. Darin sollen Kräuter und Tee angebaut werden. Im Biologieunterricht will man Theorie und Praxis verbinden. Das Gelände mit seinem Gerätehaus, einer überdachten Sitzgelegenheit und einer mobilen Toilette soll aber auch als Unterrichtsort für andere Fächer oder einfach mal für ein Grillfest zur Verfügung stehen. „Die Arbeiten sollen im Fach Arbeitslehre fortgeführt werden und dabei möglichst viele Kinder eingebunden sein“, sagt Spinner. Sigrid Weber ergänzt: „Die Begeisterung und Motivation, mit der die Kinder zu Werke gehen, ist beeindruckend. Einige haben schon angekündigt, auch in den Ferien vorbeikommen zu wollen.“

Von der Zusammenarbeit von Förderverein Goldene Au und Gemeinschaftsschule profitieren beide Seiten und vor allem das Miteinander unter den Schülerinnen und Schülern: Integration und Inklusion auf der einfachsten, der zwischenmenschlichen Basis.