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Stefan Winkler ist der Organisator des Freejazz-Festivals Saarbrücken

Freejazzfestival Saarbrücken : Der Macher des Freejazz-Festivals

Damit Kultur die Menschen überall erreicht, braucht es Begeisterte, die sich für sie einsetzen. Einer von ihnen ist Stefan Winkler, Organisator des überregional beachteten Freejazz-Festivals in Saarbrücken.

„Es gibt soviel geniale Musik auf der Welt, dass keine Zeit ist, schlechte Musik zu hören“, sagt Stefan Winkler: Die Musik, für die er brennt, muss authentisch und „mit Herz und Seele“ gemacht sein. Besonders treffe das auf den Freejazz zu: „Er ist für mich ein Statement für einen mit äußerstem Risiko gelebten Individualismus, der gleichzeitig ein sensibles Kollektivbewusstsein verlangt“, so Winkler. Dem Genre möchte der passionierte Avantgardist bei uns ein gebührendes Podium verschaffen: Stefan Winkler ist künstlerischer Leiter und Organisator des 5. FreeJazzFestivals Saarbrücken 2019. Von Mittwoch, 3. April, bis Sonntag, 7. April, schickt er eine ganze Armada von Saxofonisten aufs Podium. Unter der Überschrift „Celebrating the 80th Birthday of Charles Gayle, Trevor Watts & Joe McPhee“ rücken drei Saxofon-Stars, die in diesem Jahr ihr 80. Wiegenfest feiern, ganz besonders in den Fokus – sie werden freitags und samstags am Hauptspielort des Treffens, im Gemeindezentrum Alte Kirche am St. Johanner Markt, zu hören sein.

Das Saxofon ist eines von Stefan Winklers Lieblingsinstrumenten, das er schon in jungen Jahren ausprobierte. Ebenso versuchte sich der 1967 geborene Saarbrücker an der E-Gitarre und genoss bereits als Knabe Blockflöten-Unterricht. „Elterlicherseits wurde Klassik gehört, sogar Neue Musik tönte aus dem Radio“, erinnert sich Winkler, „bei Familienzusammenkünften wurde musiziert“. Als er später am Deutsch-Französischen Gymnasium in der Oberstufe Harmonielehre und Kontrapunkt lernte, erkannte Winkler, „dass Musik auch ein Handwerk ist“ und war geradezu erschrocken darüber, „dass man ohne emotionalen Bezug Musik komponieren kann, die zudem auch noch gut klingt“. Das habe zu „einer inneren Revolte gegen traditionelle Musik“ geführt und sei einer der Gründe gewesen, warum Musik beim anschließenden Studium nicht auf der Fächerliste stand. Statt dessen machte Winkler seinen Magister in Vergleichender Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft und Philosophie. Außerdem darf er sich zertifizierter Computerfachmann für Hard- und Software nennen und konnte schon manchen maladen PC reanimieren.

Musikalisch prägend war für den erklärten Reise-Fan und Liebhaber fremder Kulturen mit 23 Lenzen ein Jahr in Indien, wo ihm die klassische indische Musik „ganz andere Klangwelten eröffnete“. Lang ist Winklers Favoriten-Liste all dessen, „was avantgardistisch ist“. Das reicht vom Freejazz und der nahe verwandten improvisierten Musik bis in den Rock- und Popbereich, bis hin zu sogenannter Weltmusik  und der Neuen Musik im Klassiksektor. Bevorzugte Aufenthaltsorte seit Teenager-Tagen waren Musikclubs und andere Veranstaltungslokalitäten. Im damals legendären Saarbrücker Jazzkeller Gießkanne lauschte Winkler Freigeistern wie Albert Mangelsdorff, Peter Kowald und Peter Brötzmann: „Das war ein megawichtiger Einstieg“; geradezu „überlebenswichtig“ seien auch die Improvisationskonzerte in der Stadtgalerie gewesen. Häufiger Gast war Winkler ferner im Ballhaus, in der Haifischbar und im Kurzen Eck, wo sich Punk- und Indie-Bands ein Stelldichein gaben.

Die damalige Kneipe „Tote Hose“ in Rohrbach nennt er den einst „legendärsten Punkclub weit und breit“; kaum minder spannend fand er die Jugendzentren in St. Ingbert und Homburg: „Alle Legenden der Hardcore-Szene der 80er und 90er aus New York und Boston konnte man dort treffen.“ In der Konzert-Landschaft lernte Stefan Winkler auch Hans Husel, ehemaliger Gastgeber in der Stadtgalerie, den Jazzfanatiker Thomas Geisler und den Musiker Christof Thewes kennen. In jahrelangen Diskussionen entwarf die „Gründerrunde der magischen Vier“, so Winkler, ihren Plan eines Saarbrücker Freejazz-Festivals, das sie auch bis einschließlich 2018 gemeinsam kuratierte. Um eine juristisch und veranstaltungstechnisch praktikable Form der Festivalleitung zu finden, wurde im Januar 2018 FreeJazzSaar (FJS) – Verein für zeitgenössische Musik e.V. aus der Taufe gehoben; diesem Zusammenschluss gehören auch Husel, Geisler und Thewes an. Winkler ist 1. Vereinsvorsitzender und Festivalchef in Personalunion, der freilich jedes Programm- und Organisationsdetail mit den FJS-Genossen abklärt.

Eine hausgemachte Winkler-Idee zur aktuellen 5. Festivalausgabe ist nun das Dreigestirn der betagten Saxofon-Jubilare. Für den Freitag (19.30 Uhr; Gemeindezentrum) verpflichtete Winkler den Briten Trevor Watts mit seinem Quartett und ein Trio um Charles Gayle aus Buffalo. Komplettiert wird der Abend vom Duo Sabir Mateen (Saxofon) und Juozas Milasius (Gitarre). Saxofon-Jubilar Nummer drei, Joe McPhee aus Miami, entert samstags mit einem Dreier die Bühne des Gemeindesaals. Außerdem freejazzt das berlinerisch-saarländische Kaluza Quartett um Saxofonistin Anna Kaluza und Christof Thewes (Posaune). Einzige Band ohne Saxofon ist Steamboat Switzerland um den Hammond-Organisten Dominik Blum. Eingerahmt werden die beiden zentralen Festivalabende von einem Prolog am Mittwoch im Kino Achteinhalb mit einer Live-Improvisation zu einem Film und einer Film-Doku, ferner einem Donnerstags-Auftakt (ebenfalls 19 Uhr; Stiftung Demokratie, Europaallee 18) mit einem multimedialen Vortrag und schließlich als Epilog einer Jam-Session am Sonntag um 11 Uhr in der Café Bar Zing. Begleitet werden die Jazztage einmal mehr vom Action-Painting des Wuppertaler Künstlers Jorgo Schäfer, und im Rahmenprogramm gibt es wieder einen Freejazz-Workshop.

Die Gitarristin Ava Mendoza aus den USA spielte vergangenes Jahr auf dem Freejazz-Festival. Foto: Freejazz Festival

Infos und Karten gibt es unter
www.freejazzsaar.de