Nichts für Sekt-Schlürfer: Was das 5. Saarbrücker Freez-jazz-Festival im April bietet

Saarbrücker Free-Jazz-Festival : Maximaler Esprit, minimales Budgets, maximaler Einsatz

Nichts für die Fraktion der Sekt-Schlürfer: Ausblick auf die 5. Ausgabe des Saarbrücker Free-Jazz-Festivals, für das Stefan Winkler verantwortlich zeichnet.

„Musikalisch und publikumsmäßig war der Jahrgang ein großer Erfolg und hatte starke mediale Präsenz: Nicht nur europaweit ist das Festival seitdem bei Kennern des Genres ein Gesprächsthema.“ Mit diesem positiven Rückblick auf 2018 kann Stefan Winkler optimistisch in das „5. FreeJazzFestival Saarbrücken 2019“ (3. bis 7. April) starten. Bei dem aktuellen fünftägigen Treffen unter dem Motto „Celebrating the 80th birthday of Charles Gayle, Trevor Watts and Joe McPhee“ zeichnet Winkler erstmals alleine als künstlerischer Leiter verantwortlich.

Seine bisherigen Mitorganisatoren Hans Husel, Thomas Geisler und Christof Thewes stünden nur noch im Rahmen des Zusammenschlusses „FreeJazzSaar (FJS) – Verein für zeitgenössische Musik e.V.“ zur Verfügung, der offiziell für Kuratorium und Organisation des Festivals zuständig ist: Er wurde im Januar 2018 von regionalen Free-Liebhabern aus der Taufe gehoben und zählt derzeit zehn Mitglieder plus „zahlreiche Anwärter“, sagt Winkler – er selbst ist 1. Vereinsvorsitzender und Festivalchef in Personalunion. Jedes Programm- und Organisationsdetail werde „sehr penibel“ mit den FJS-Genossen abgestimmt, das Festival sei eine „gemeinsame Vereinssache“, betont Winkler. Dennoch habe er als exponierter „Aktivposten“ in den vergangenen neun Monaten jede freie Minute in die Vorarbeiten investiert.

Mühsam bei einer solchen Nischenmusik ist nicht zuletzt das Aquirieren von Fördergeldern: Ohne die Unterstützung spendabler privater Enthusiasten wäre das Festival in dieser Form nicht möglich, sagt Winkler. Außerdem wird das Treffen aus dem freigewordenen Etat des ehemaligen Jazz Syndikats mit 5000 Euro durch das Saarbrücker Kulturamt bezuschusst, so Winkler; den gleichen Betrag habe nun zudem das Kultusministerium zugesichert. Trotz schwieriger Finanzierung bleibt der Festival-Häuptling seinem anspruchsvollen avantgardistischen Konzept („Erfüllung eines ambitionierten Traums“) treu: Freejazz nach Winklers Gusto ist nichts für die Fraktion der Sekt-Schlürfer.

Und so nimmt er es auch gelassen, dass als Hauptspielstätte wie bereits 2018 wieder das karge Gemeindezentrum Alte Kirche am St. Johanner Markt herhalten muss – aufgrund fehlender „logistisch machbarer und bezahlbarer Alternativen“, so Winkler. Attraktivere frühere Orte kämen leider nicht mehr infrage: „Das Filmhaus ist für ein komplettes Wochenende für uns nicht mehr zu haben“; das Kleine Theater im Rathaus oder das gleichfalls zentral gelegene Theater im Viertel (TiV) seien zu klein für das gewachsene Festival. Zur Verschönerung des kühlen Gemeindesaals sind also wieder ganz besonders die Künste des Malers und Dauergastes Jorgo Schäfer aus Wuppertal gefragt, der einmal mehr mit Saal-Deko und Actionpainting an allen Tagen zur Stelle sein wird.

Typische, unverzichtbare Festivalkomponenten à la Winkler sind ferner mehrere intime Clubkonzerte, wie die abschließende JamSession („Epilog“) sonntags um 11 Uhr in der Café Bar Zing und sogleich am Mittwoch der „Prolog“ im Kino Achteinhalb: Neben einem Auftritt des Saxofonquartetts „Degrees Above“ gibt’s am Eröffnungsabend Winkler-Favoriten wie eine Filmmusik-Improvisation (unter Leitung von Christof Thewes, diesmal zu einem Medley aus Godzilla-Streifen) und eine Filmdokumentation („Inside Out in the Open“, USA 2001). Am zweiten Clubabend „Auftakt“ (Donnerstag, ebenfalls 19 Uhr; Stiftung Demokratie Eurobahnhof) wird außer dem Live-Highenergy-Freebop von „The Nu Band“ ein – gleichfalls obligatorischer – „multimedialer Vortrag“ zu erleben sein: Der Fotograf und Jazzthing-Autor Arne Reimer feiert die „American Freejazz Heroes“. Jahrelange Recherchen und ein Funken Glück waren nötig, dass Winkler an den beiden Festival-Hauptabenden (ab 19.30 Uhr) im Gemeindezentrum die erwähnten drei Saxofon-Stars begrüßen kann, die 2019 ihren Achtzigsten feiern: Den Briten Trevor Watts aus York verpflichtete er für den Freitag mit einem Quartett mit Veryan Weston (Piano), John Edwards (Bass) und Mark Sanders (Schlagzeug), laut Winkler „eine der besten Rhythmusgruppen der Welt, die den besten Trevor Watts aller Zeiten aus ihm herauskitzelt“.

Saxofonist Charles Gayle aus Buffalo, gleichfalls ein „Gottvater des Freejazz“, so Winkler, habe „einige der intensivsten Alben eingespielt“ und lasse „kompromisslos ekstatisch-freie Improvisation“ erwarten. Am Rand des Treffens wird Gayle obendrein mit dem Saarbrücker Saxofonisten Hartmut Oßwald den bereits traditionellen Freejazz-Workshop für Anfänger und Fortgeschrittene gestalten. Abgerundet wird das Freitagsprogramm vom Duo Sabir Mateen (Saxofon) und Juozas Milasius (Gitarre) mit einem „absoluten Hammerkonzert, bei dem es um Leben und Tod geht“, so Winkler. Als dritten Saxofon-Jubilar mit Geburtsjahr 1939 schickt er schließlich Joe McPhee aus Miami aufs Podium, und zwar zum Samstags-Finale im Verein mit John Edwards (Bass) und Klaus Kugel (Schlagzeug): „Ein Trio, für das man sterben muss“, wie McPhee selbst bereits schwärmte. Außerdem samstags die Gemeindehaus-Bühne entern werden zuvor die Schweizer Formation „Steamboat Switzerland“ um den Hammond-Organisten Dominik Blum (von Winkler als „Neue-Musik-Freejazz-Rock-Metal-Psychedelic-Punk“ etikettiert) und das berlinerisch-saarländische „Kaluza Quartett“ um Saxofonistin Anna Kaluza und Christof Thewes.

Infos, Karten: www.freejazzsaar.de

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