Ein bunter Ideen-Strauß für das Leben im Alter

Er hat reichlich Lebenserfahrung und einen gesunden Humor: Henning Scherf, ehemals Regierungschef in Bremen und heute Autor eines beliebten Buches mit Tipps fürs Leben im Alter, begeisterte seine Zuhörer im Rathaus St. Johann.

"Wir müssen in der Mitte der Gesellschaft leben, nicht am Rande der Gesellschaft." Im übervollen Rathaus Festsaal saßen und standen am Montagabend fast 200 Senioren und hörten Henning Scherf zu. Der Buchautor und ehemalige Bürgermeister der Stadt Bremen eröffnete mit seinem humorvollen Referat die Saarbrücker Seniorentage - organisiert vom Saarbrücker Seniorenbeirat, der Landeshauptstadt und dem Verein Senioren in der Kommune Saarbrücken.

"Grau ist bunt - was im Alter möglich ist" heißt das Buch von Scherf, das bei den Besuchern so gut ankommt - und dieser Satz ist gleichsam auch das Motto des 77-jährigen Henning Scherf .

Wie ein Wasserfall erzählte er im Rathausfestsaal von seinen Erfahrungen in einer Wohngemeinschaft mit zehn Leuten, davon sechs Rentner. Dabei lief er durch die Reihen und nahm Kontakt mit dem Publikum auf. "Ich bin kein Fan von einseitigen Vorträgen", erklärte er dem Publikum und forderte dazu auf, Fragen zu stellen. Er neige dazu, sehr viel zu reden und freue sich über Unterbrechungen.

Und tatsächlich zog er das Publikum mit seinen Geschichten einige Zeit in seinen Bann. Tipps , wie man im Alter leben kann und was es für Alternativen zu dem einsamen Leben in der eigenen Wohnung gibt, hatte er zur Genüge. Es habe einige Vorteile, enger zusammenzurücken, zu teilen und sich gegenseitig zu helfen, davon ist er überzeugt. Trotzdem brauche jeder seinen Freiraum, um Individualität zu bewahren - so gestalte sich das auch in seiner eigenen Wohngemeinschaft.

"Wir frühstücken alle zu unterschiedlichen Zeiten, anders ist das nicht möglich", erzählte er. Einer seiner Mitbewohner wolle um halb fünf frühstücken, berichtete Scherf amüsiert und brachte das Publikum nicht zum ersten Mal zum Schmunzeln.

Vier- oder fünfmal die Woche würden sie zusammen kochen. Das riet er auch dem Publikum: Sich mit anderen Leuten verabreden zum Kochen, Kontakte aufrechterhalten, das sind Banalitäten, die in der Eintönigkeit des Alltags irgendwann untergehen.

Im Alter müsse man sein Leben neu strukturieren. Das beginne schon bei der Wahl des Wohnortes, der Barrierefreiheit der Wohnung und den praxistauglichen Möbeln. Alles müsse altersgerecht eingerichtet sein. "Die Designermöbel sehen oft gut aus, aber wir können nicht mehr von dem schicken Sofa aufstehen", erklärte Scherf und fand im Publikum Zustimmung. Dabei sprach er immer von "wir" und "uns" und nahm sich nicht heraus aus den Problemen, die man als Senior irgendwann bekommt. Auf alle Fragen hatte der Autor eine Antwort und die Besucher gingen mit neuen Ideen und Anreizen nach zwei Stunden aus dem Rathaussaal.