Was bei einem Zeckenstich zu beachten ist

Der SZ-Telefondoktor beantwortete Fragen zum Thema Zecken. Wir drucken einen Auszug aus einer Telefon-Beratung.

Anruferin (55): Vor einigen Tagen bin ich bei einer Wanderung im Nordsaarland von einer Zecke gebissen worden. Ich habe die Zecke aber erst entfernen können, als ich nach Hause kam. Wie hoch ist das Risiko, dass ich mir eine Krankheit zugezogen habe, die durch Zecken übertragen wird?

Telefon-Doktor: Zunächst ein Wort der Beruhigung: Man geht davon aus, dass von 100 Zeckenstichen nur einer zu einer Erkrankung des gestochenen Menschen führt. Durch Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen werden, am häufigsten sind in unseren Breiten die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME genannt. Die Borreliose ist in ganz Deutschland verbreitet, während die FSME nur in bestimmten Risikogebieten vorkommt, vor allem im Süden Deutschlands, im Saarland nur im Saar-Pfalz-Kreis. Deshalb erkranken auch nur etwa 300 bis 500 Deutsche pro Jahr an der FSME, während für die Borreliose 60 000 bis 100 000 Neuinfektionen im Jahr gezählt werden.

Auch in der Infektionsart unterscheiden sich die beiden Erkrankungen: Die FSME wird durch Viren übertragen, die in den Speicheldrüsen der Zecken sitzen und somit direkt während des Stichs auf den Menschen übergehen. Ursache der Borreliose sind Bakterien, die im Darm der Zecke leben und deshalb erst 8 bis 12 Stunden nach dem Vollsaugen der Zecke auf den Menschen übertragen werden. Wenn Sie also eine Zecke schnell entdecken und entfernen, ist das Borreliose-Risiko recht gering.

Zecken entfernt man am besten mit Hilfe einer sogenannten Splitterpinzette, mit der man die Zecke direkt an der Einstichstelle packen kann. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, dass der Zeckenkörper zerquetscht wird, weil dabei Krankheitserreger freigesetzt werden können. Das Gleiche gilt für die beliebte Methode, die Zecke mit Klebstoff, Öl oder Nagellack zu beträufeln. Die Zecke gerät dadurch unter Stress und sondert Krankheitserreger in die Stichwunde ab.

Falls es zu einer Infektion gekommen sein sollte, kann sich dies im der Laufe der folgenden Wochen etwa durch grippeartige Beschwerden bemerkbar machen. Bei der Borreliose kann es auch zur Ausbildung einer kreisförmigen Rötung um die Einstichstelle kommen. Weitere mögliche Symptome sind heftige Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteife.

Wird eine Borreliose nicht frühzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, können Zeichen einer chronischen Infektion oft erst Jahre später auftreten und ein sehr wechselndes Bild ergeben, von Gelenkentzündungen, Muskel- und Gliederschmerzen über Herzrhythmusstörungen bis hin zu Darmbeschwerden, Gesichtslähmungen und Depressionen. Der Zusammenhang mit einer länger zurückliegenden Zeckenstichwunde wird häufig nicht mehr hergestellt, was die Diagnosestellung erschweren kann. Deshalb ist es wichtig, bei den beschriebenen Symptomen Ihren Arzt auf eine vorausgegangene Zeckenstichverletzung hinzuweisen, auch wenn diese schon mehrere Jahre zurückliegt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung