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Tausende Paare hat Jürgen Maul feierlich vereint

Saarbrücken. Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hat jetzt den Chef des Saarbrücker Standesamtes, Jürgen Maul (61), in den Ruhestand verabschiedet. Im SZ-Gespräch erzählt er Anekdoten aus seinem langen und erfüllten Berufsleben. Michèle Hartmann

Man könnte meinen, der standesamtliche Dienst sei eine trockene Angelegenheit. Doch Jürgen Maul belehrt uns eines Besseren. 39 Jahre lang war er Standesbeamter im Rathaus St. Johann, seit 1991 Chef dieser Abteilung. Und nun ist der gebürtige Saarbrücker und heute in Püttlingen lebende Mann in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet worden. Eine Herzerkrankung zwang ihn dazu, seinen ,,Traumberuf", wie er ihn nennt, gegen das Pensionärsdasein einzutauschen.

Seit Mai 1976 hat der heute 61-Jährige Tausende von Geburts- und Sterbeurkunden bearbeitet und ausgestellt sowie rund 10 000 Trauungen unfallfrei über die Bühne gebracht - bis auf vier. Da machten kurz vor der höchst feierlichen Zeremonie die Ehepartner in spe einen knallharten Rückzieher und sagten: ,,Nein". ,,Es waren ausschließlich Männer", weiß Jürgen Maul.

Selbst über 38 Jahre glücklich verheiratet, hat er in seiner Amtszeit auch mal ordentlich Gas geben müssen: ,,Mein Rekord liegt bei 13 Eheschließungen an einem Tag", erzählt er und lächelt vergnügt. An Höhepunkten mangelt es ihm in seinem langen Beamtenleben nicht. So erinnert er sich noch gut an den 9.9.1999, als 65 Eheschließungen im beliebten weil schmucken Festsaal des Saarbrücker Rathauses anstanden. Nun denn, Schnapszahlen bleiben Ehepartnern doch besser im Gedächtnis. Und dann war da noch der 1. August des Jahres 2001. Da erlebte die erste gleichgeschlechtliche Trauung ein bundesweit mediales Echo. ,,Ein Riesen-Event", sagt Jürgen Maul, ,,mehr als 200 Leute waren im Rathaus versammelt", und die Kamerateams umschwirrten ihn wie die Motten das Licht.

,,Eine weniger schöne Seite meines Berufs waren die Trauungen im Krankenhaus, bei akuter Lebensgefahr sogar auf der Intensivstation", sagt der heutige Ruheständler, ,,mit Kittel und Mundschutz - das steckt man nicht so leicht weg".

Ähnlich Schlimmes erlebte er im Kreißsaal, wenn der Mutter der Tod bevorstand und die Ehe noch geschlossen werden sollte, um das Sorgerecht fürs Kind zu regeln. Auch im Gefängnis hat er Mann und Frau den standesamtlichen Segen gegeben. Im Gedächtnis blieb ihm ,,eine bedrückende Atmosphäre".

Auch die Vornamenswünsche von Eltern beschäftigten den Standesbeamten ein ums andere Mal. ,,Da war gutes Konfliktmanagement gefragt", sagt er und schmunzelt. So konnte er einem Elternpaar den Vornamen ,,Rolls-Royce" für ihren Jungen ausreden, man einigte sich auf ,,Armani". ,,Auch Vornamenswünsche wie ,Doktor' und ,Drops' habe ich nicht akzeptiert", sagt der Standesbeamte a. D.

Hat er bei einer Eheschließung auch mal das Gefühl gehabt: Das geht nicht gut? Ja, sagt Jürgen Maul, dies sei keine Seltenheit gewesen. Gedacht habe er das schon, aber natürlich nichts gesagt und zur Zeremonie im Festsaal wie immer sein feierliches Gesicht aufgelegt. So also musste er gelegentlich auch als Schauspieler brillieren. Ganz besonders freut sich Maul, der fünf Oberbürgermeister erlebt hat, über die warmen Worte, die OB Charlotte Britz ihm mit auf den Weg in den Ruhestand gab: Sie rühmte nicht nur seine fachliche Qualifikation, sondern auch seine ,,menschlichen Qualitäten", die ihn zu einem ,,hoch geschätzten Kollegen" machten.