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10 000 Paare hat er getraut

Die Hochzeit: der schönste Tag des Lebens vieler Paare. Der ehemalige Saarbrücker Standesbeamte Jürgen Maul war 10 000-mal dabei. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Die Hochzeit: der schönste Tag des Lebens vieler Paare. Der ehemalige Saarbrücker Standesbeamte Jürgen Maul war 10 000-mal dabei. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa
Saarbrücken. OB Charlotte Britz hat jetzt den Chef des Saarbrücker Standesamtes, Jürgen Maul, in den Ruhestand verabschiedet. Mit der Saarbrücker Zeitung sprach Maul über Höhepunkte und Kuriositäten seines Berufslebens. Michèle Hartmann

Man könnte meinen, dass der standesamtliche Dienst eine trockene Angelegenheit sei. Doch Jürgen Maul belehrt uns eines Besseren. 39 Jahre lang war er Standesbeamter im Rathaus St. Johann, seit 1991 Chef dieser Abteilung. Und nun ist der in Püttlingen lebende Mann in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet worden.

Eine Herzerkrankung zwang ihn dazu, seinen "Traumberuf", wie er ihn nennt, gegen das Pensionärsdasein einzutauschen.

Seit Mai 1976 hat der heute 61-Jährige Tausende von Geburts- und Sterbeurkunden bearbeitet und ausgestellt, rund 10 000 Trauungen unfallfrei über die Bühne gebracht - bis auf vier. Da machten kurz vor der feierlichen Zeremonie die Ehepartner in spe einen knallharten Rückzieher und sagten: "Nein". ,,Es waren ausschließlich Männer", sagt Maul.

Selbst über 38 Jahre glücklich verheiratet, hat er in seiner Amtszeit auch mal ordentlich Gas geben müssen: "Mein Rekord liegt bei 13 Eheschließungen an einem Tag", erzählt er und lächelt vergnügt.

An persönlichen Highlights mangelt es ihm in seinem langen Beamtenleben nicht. So erinnert er sich noch gut an den 9.9.1999, als 65 Eheschließungen im beliebten, weil schmucken Festsaal des Saarbrücker Rathauses anstanden. Nun denn, Schnapszahlen bleiben Ehepartnern doch besser im Gedächtnis.

Und dann war da noch der 1. August des Jahres 2001. Da erlebte die erste gleichgeschlechtliche Trauung ein bundesweites mediales Echo. ,,Ein Riesen-Event", sagt Jürgen Maul, "mehr als 200 Leute waren im Rathaus versammelt", und die Kamerateams umschwirrten ihn wie die Motten das Licht.

"Eine weniger schöne Seite meines Berufs waren die Trauungen im Krankenhaus, bei akuter Lebensgefahr sogar auf der Intensivstation", erzählt der heutige Ruheständler, "mit Kittel und Mundschutz - das steckt man nicht so leicht weg". Ähnlich Schlimmes erlebte er im Kreißsaal, wenn der Mutter der Tod bevorstand und die Ehe noch geschlossen werden sollte, um das Sorgerecht fürs Kind zu regeln.

Auch die Vornamenswünsche von Eltern beschäftigten den Standesbeamten ein ums andere Mal. "Da war gutes Konfliktmanagement gefragt", ergänzt er und schmunzelt. So konnte er einem Elternpaar den Vornamen ,,Rolls-Royce" für einen Jungen ausreden, man einigte sich schließlich auf "Armani". "Auch Vornamenswünsche wie ,Doktor' und ,Drops' wurden von mir nicht akzeptiert", sagt der Standesbeamte a. D..

Kleine Frage zwischendurch: Hat er bei einer Eheschließung auch mal das Gefühl gehabt: Das geht nicht gut? Ja, sagt Jürgen Maul, dies sei auch schon vorgekommen. Gedacht habe er das schon, aber natürlich nichts gesagt und zur Zeremonie im Festsaal sein feierliches Gesicht aufgelegt.

Besonders freut sich Jürgen Maul, der fünf Oberbürgermeister erlebte, über die Worte, die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ihm mit auf den Weg in den Ruhestand gab: Sie rühmte seine fachliche Qualifikation, vor allem aber seine "menschlichen Qualitäten", die ihn zu einem "hoch geschätzten Kollegen" machten.