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Musikschule: In der „Salle Gouvy“ gibt es grenzenlose Konzerte

Sylvain Deutsch und Thomas Kitzig (v.l.) vor Gouvy-Porträts, die Schüler des Schloss-Gymnasiums gemacht haben. Foto: Krämer
Sylvain Deutsch und Thomas Kitzig (v.l.) vor Gouvy-Porträts, die Schüler des Schloss-Gymnasiums gemacht haben. Foto: Krämer FOTO: Krämer
Saarbrücken. Volles Haus bei der Eröffnung: Die Musikschule Saarbrücken hat einen zusätzlichen, repräsentativen Raum, die „Salle Gouvy“. Kerstin Krämer

Was der schöne neue Raum mit dem klangvollen Namen nicht alles leisten soll: repräsentativ sein soll er und, wenn es nach dem Wunsch von Kulturdezernent Erik Schrader geht, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit nicht zuletzt dadurch befeuern, dass er deutsche und französische Musikschüler zum gemeinsamen Konzertieren einlädt.

Hohe Erwartungen an die "Salle Gouvy", die am Dienstag in der Musikschule Saarbrücken vor viel Publikum eingeweiht wurde. Benannt ist der Saal nach dem in Schafbrücke geborenen und später in Frankreich wirkenden Komponisten Louis Théodore Gouvy (1819-1998). Nach jahrelangem Leerstand wurde der vom städtischen Gebäudemanagement (GMS) zur Verfügung gestellte Raum im zweiten Stock der Musikschule im vergangenen Jahr vom Förderverein der Musikschule mit Unterstützung der GMS renoviert, was Schrader auch als Akt der Bestandswahrung würdigte.

Gouvy war lange vergessen





"Ein Preuße in Frankreich mit belgischen Wurzeln", so hatte Schrader Gouvy kurz skizziert. Friedrich Spangemacher (SR) holte als Vorsitzender des Fördervereins etwas weiter aus und beleuchtete Leben und Werk des Komponisten , der "den Deutschen zu französisch und den Franzosen zu akademisch" war. Tatsächlich traf Gouvy mit seiner Instrumental- und Chormusik nicht den Geschmack des Pariser Publikums und fand nur zögerlich Anerkennung. Nach seinem Tod geriet sein Werk ein Jahrhundert lang fast vollständig in Vergessenheit; als Grund hierfür wird Gouvys Stellung zwischen den Kulturen in einer Zeit großer Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich diskutiert. Letzter Wohnsitz Gouvys war die Villa seines Bruders Alexandre im lothringischen Hombourg-Haut, wo 1995 das "Institut Gouvy" gegründet wurde. Dessen Leiter Sylvain Teutsch war bei der feierlichen Eröffnung ebenfalls anwesend.

Recht schmuck kommt die Salle Gouvy übrigens daher: Die Wände sind dekoriert mit fünf Gouvy-Porträts von Schülern des Schlossgymnasiums als Ergebnisse eines Kunstprojekts, in dem es galt, den Komponisten gezeichnet, gemalt, als Textilcollage oder mittels Computergrafik zu konterfeien. Musikschulchef Thomas Kitzig dankte allen Unterstützern und seinen Lehrkräften, von denen einige den Abend musikalisch umrahmten und andere die Gelegenheit nutzten, auf Projekte und neue Unterrichtsangebote hinzuweisen.

Ehrensache, dass neben Noten von Brahms (Anne-Kathrin Fetik, Sopran) und Mendelssohn-Bartholdy auch Werke Théodore Gouvys erklangen: Anne Borg und Ivette Kiefer spielten die Aubade aus Gouvys "Suite Gauloise" für Klavier zu vier Händen, und Wolfram Hertel (Cello) brachte mit Ivette Kiefer Gouvys "Hongroise" zu Gehör.