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Linke: Meeresfisch für Arme

Völklingen. Die Linken haben bisher die Meeresfischzucht in Völklingen als „Millionengrab“ kritisiert. Doch nun, in der Vorwahlkampfzeit, haben sie eine nützliche Verwendung für die Anlage entdeckt: als Nahrungsquelle für eine Stadtküche für Arme. Von SZ-RedakteurBernhard Geber

Die Pfarrgemeinde St. Eligius hat schon reagiert. Sie bietet in ihrer Emmausstube jeden Donnerstag ein Mittagessen für nur einen Euro für Bedürftige an. Die Völklinger Linken loben dieses Engagement und auch die Lebensmittelausgabe durch die Tafeln, doch bei einer Zahl rund 5000 Hartz-IV-Betroffenen erscheint ihnen das als sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein. "In vielen Familien gehört eine warme Mahlzeit leider nicht mehr zum täglichen Ablauf", meint Fraktionschef Klaus Degen. Stromsperrungen, rund 750 in Völklingen, täten ein Übriges dazu, dass Lebensmittel kalt gegessen werden müssten.

Die Linken haben nun, wie gestern bereits kurz gemeldet, mit der Forderung nach einer "Stadtküche" aufgewartet. Alle Bürger, meinen sie, sollten das Grundrecht auf täglich eine vollwertige warme Mahlzeit erhalten. Es gehe zunächst um eine Grundsatzentscheidung des Stadtrates, damit genügend Zeit sei, Partner an Land zu ziehen und möglichst noch vorm nächsten Winter das Projekt zu beginnen. Eingebunden werden sollten hier auch Parkhotel Albrecht und Fischzucht.

Degen meint, bei der Stadtverwaltung und den Völklinger Stadtwerken seien die grundlegenden Weichen für eine Stadtküchen-Gründung seit Jahren gestellt. Die Meeresfischzuchtanlage mache eine Belieferung dieser Stadtküche mit gesundem Fisch möglich. Die Stadtküche könne mit der Initiative "Völklingen lebt gesund" der Volkshochschule zusammenarbeiten. Dies bilde eine Basis, einfache und gleichzeitig hochwertige Speisen zu realisieren. Den Stadtwerken sei es durch ihr Engagement beim Parkhotel Albrecht gelungen, die Mittelstadt zum Schwerpunkt von Gaumenfreuden zu machen. Eine Stadtküche für finanzschwache Bevölkerungsschichten sei da "bereichernd für das städtische Engagement rund um das Thema Kulinarik, zumal ein solches Projekt deutlich günstiger käme als jede Edelgastronomie", meinen die Linken weiter.

Erik Kuhn, Chef der SPD-Fraktion im Stadtrat, wies gestern solche Überlegungen rund um Fischzucht und Stadtwerke als "Quatsch der Linken" und "puren Populismus" zurück. Klaus Degen gehe es bei diesem Vorstoß nicht um arme Menschen, sondern nur um sein eigenes Wahlergebnis.