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Leser brechen Lanze für St. Martin

Regionalverband. „St.-Martins-Umzug“ oder lieber „Lichterfest“? Von den 956 Bürgern aus dem Regionalverband, die sich bei der SZ als potenzielle Teilnehmer an Online-Umfragen registrieren ließen, machten 487 bei der – nicht repräsentativen – Umfrage zum Thema mit. Die sehr deutliche Mehrheit plädierte dabei für „St. Martin“. Marco Reuther

St. Martin hat eindeutig die Nase vorne in unserer Internetumfrage, an der sich 487 Bürgerinnen und Bürger aus dem Regionalverband Saarbrücken beteiligten: 94 Prozent der Befragten wünschen sich, dass der Name "Martinsumzug" auch weiterhin für alle Laternenumzüge genutzt wird, nur vier Prozent treten für einen anderen Namen für die nicht kirchlich organisierten Umzüge ein, wie etwa "Lichterfest" oder "Laternenumzug".


Am 11. November ist Martinstag, und um diesen Tag herum ziehen des Abends wieder Scharen von meist kleineren Kindern und ihre Eltern mit Laternen durch die Straßen.

Die meisten der größeren Umzüge werden von den Pfarreien der katholischen Kirche ausgerichtet und heißen dann auch - ganz klar - Martinsumzug. Doch es gibt darüber hinaus viele kleinere nicht kirchliche Laternenumzüge, insbesondere von Kindergärten . Und dann kann der Umzug auch schon mal schlicht "Laternenumzug" heißen, oder es ist von einem "Lichterfest" die Rede. Das soll nicht christlichen Kindern und Eltern die Teilnahme erleichtern - wobei man hier automatisch an Flüchtlingskinder denkt, allerdings gehören auch viele Deutsche keiner Kirche mehr an: Insgesamt sind in Deutschland knapp 30 Prozent der Bevölkerung konfessionslos. Im Saarland sind etwa 62 Prozent der Bevölkerung in der katholischen, 19 Prozent in der evangelischen Kirche organisiert. Zur exakten Aufteilung der übrigen 19 Prozent gibt es keine verlässlichen Daten. Der deutlich größere Teil dürfte jedoch konfessionslos sein.



Dass es inzwischen auch andere Namen für den Martinsumzug gibt, hatte die saarländische CDU zu einem Aufruf unter dem Titel "St. Martin soll St. Martin bleiben" veranlasst, was von anderen Parteien als "Propaganda" gewertet wurde, da ja niemand ernsthaft St. Martin abschaffen wolle. Die CDU im Püttlinger Stadtrat will in der nächsten Sitzung am 16. September sogar eine Resolution verabschieden lassen, die Kindergärten und Schulen auffordert, an der "St.-Martin-Tradition" festzuhalten, zumal sie ja auch grundsätzlich für ein gute Sache stehe: das Teilen mit Bedürftigen und Menschen in Not.

Aber wie ernst nehmen die Bürger die "St.-Martin-Frage"? Um davon zumindest eine Ahnung zu bekommen, fragten wir auch, ob man es als ein Elternteil eigenen Kindern erlauben würde, einerseits an einem "Martinsumzug", andererseits an einer "Lichterprozession" teilzunehmen. Hier gehen die Antworten auseinander: Nahezu jeder der Befragten würde seinem Kind die Teilnahme an einem "Martinsumzug" gestatten - es gab unter den 487 Umfrage-Teilnehmern nur eine einzige "Nein"-Stimme und fünf Enthaltungen. An einem "Lichterumzug" dagegen würden 21 Prozent der Befragten ihr Kind nicht teilnehmen lassen, 20 Prozent sind unentschieden.

Zu guter Letzt wollten wir - unabhängig von St. Martin und Christentum - wissen, wie die Befragten dazu stehen, wenn Kinder an religiös geprägten - und somit auch prägenden - Veranstaltungen teilnehmen. 56 Prozent der Befragten stehen dem neutral gegenüber, 40 Prozent finden es gut, fünf Prozent stören sich daran.

Zum Thema:

Auf einen Blick An den "Blitzumfragen" der Saarbrücker Zeitung können sich alle Saarländer beteiligen, die sich für eben diese Umfragen registrieren lassen. Die jeweils ein bis vier Fragen werden nicht am Telefon gestellt, sondern per E-Mail geschickt. Die Fragen können regional begrenzt sein und nur Teilnehmern in bestimmten Orten gestellt werden. sz-umfrage.de

 Ein Martins-Umzug – einfach nur schön für Kinder oder heutzutage auch ein Politikum bei der Namens-Frage? Hier ein Schnappschuss von 2014 aus Völklingen. Foto: Becker&Bredel
Ein Martins-Umzug – einfach nur schön für Kinder oder heutzutage auch ein Politikum bei der Namens-Frage? Hier ein Schnappschuss von 2014 aus Völklingen. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel