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Kinder als Opfer von Krieg und Gewalt

Saarbrücken. Wie unterschiedlich Kindheit sein kann, das macht die Ausstellung „Ich krieg dich... Kinder in bewaffneten Konflikten“ im Rathaus St. Johann deutlich. Fotos und Geschichten, die den Besucher nicht kaltlassen. Nicole Baronsky-Ottmann

Wer sich die Ausstellung "Ich krieg dich... Kinder in bewaffneten Konflikten" im Hauberrisser Saal des Rathauses St. Johann anschaut, sollte damit rechnen, dass sie unter die Haut geht. Die Wanderausstellung des Kinderhilfswerks World Vision Deutschland beginnt leicht und unbeschwert mit einer großen Collage von Kinderfotos aus Deutschland, die aus den 1960er Jahren bis heute stammen. Man sieht Kinder und Jugendliche lachen, schwimmen, beim Sport, am See, in der Schule. Das ist geschickt gemacht, denn die Fotos aus früheren Jahrzehnten wecken bei den heutigen Erwachsenen Erinnerungen an die eigene, meistens unbeschwerte Kindheit . Diese Fotos sind recht klein, mal farbig, mal verblichen oder in Schwarz-weiß. Und alle Fotos sind unkommentiert.

Dahinter sind an großen Stellwänden, professionell gestaltet und arrangiert, Fotografien und Texte, gelegentlich auch Karten, aus den heutigen Krisenregionen der Erde zu sehen. Und selbst wenn man nur flüchtig schaut, erkennt man schnell, dass die Leidtragenden der Krisenregionen immer die Kinder sind: Man sieht Kinder auf der Flucht, Kinder, die hungern, Kinder, die in Ruinen oder neben Panzern spielen, bewaffnete Jugendliche und viel zu junge Mädchen, die schon Mütter sind. Diese Fotos werden begleitet von Texten, auf denen man die Geschichte der Kinder erfährt.

Entführt und misshandelt


Da ist Rachel Kabuho, zehn Jahre alt, aus der Demokratischen Republik Kongo. Ihre Mutter wurde erschossen, den Vater hat sie auf der Flucht verloren. Sie selbst brauchte eine Woche, ehe sie ganz allein ein rettendes Flüchtlingscamp erreicht hat. Oder man lernt Moses Okot kennen. Er wurde mit 14 Jahren entführt und so schwer misshandelt, dass die Eltern dachten, sie bergen seinen Leichnam. Doch er überlebte, bis heute mit großen Schmerzen. Daneben werden Fotografien gezeigt von Kindern in Flüchtlingstrecks, mit viel zu großem Gepäck und viel zu kleinen Schuhen.

In all diesen Krisenregionen gibt es aber auch Lichtblicke, denn auf weiteren Stellwänden werden Projekte vorgestellt, mit denen den jungen Menschen vor Ort geholfen wird. Eines davon ist das World Vision "Rebound"-Projekt aus Uganda, das ehemaligen Kindersoldaten dabei hilft, einen Beruf zu erlernen. Auch das Projekt "Food for Education" in Afghanistan stammt von World Vision. Hier werden nicht nur Schulen für Mädchen unterstützt, sondern auch deren Ernährung übernommen, damit sie nicht arbeiten gehen müssen.

Wer sich die Ausstellung anschaut, der sollte etwas Zeit mitbringen, denn man erfährt viel über die einzelnen Schicksale, die Konflikte, die Projekte, aber auch, wie man helfen kann.

"Ich krieg dich... Kinder in bewaffneten Konflikten". Wanderausstellung des Kinderhilfswerks World Vision Deutschland im Hauberrisser Saal des Rathauses St. Johann. Geöffnet ist sie bis zum 2. April, jeweils Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, und samstags von 10 bis 16 Uhr.