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Kampf gegen multiresistente Keime - Landesregierung testet und setzt auf Netzwerk

Eine gründliche Desinfektion ist wichtig, um MRSA-Keime abzutöten.Foto: Bonenberger
Eine gründliche Desinfektion ist wichtig, um MRSA-Keime abzutöten.Foto: Bonenberger FOTO: Bonenberger
Saarbrücken. Multiresistente Keime reagieren nicht auf Antibiotika und sind lebensgefährlich. Da sie im im Saarland weit verbreitet sind, initiierte die Regierung ein Netzwerk dagegen. Laut Verdi gibt es dafür aber zu wenig Geld. Dietmar Klostermann

Die Landesregierung kämpft seit fünf Jahren gegen die Verbreitung des lebensgefährlichen MRSA-Keimes an, gegen den eine Vielzahl von Antibiotika nicht mehr helfen. Vor allem in Krankenhäusern und Altenheimen grassieren die MRSA-Keime und führen zu einer relativ hohen Belastung von 2,2 Prozent bei 20 000 Patienten in 24 Saar-Krankenhäusern, die binnen vier Wochen Ende 2010 getestet worden sind, wie das Gesundheitsministerium der SZ mitteilte. So sei jeder 50. Patient ein MRSA-Keimträger, was dem hohen Altersdurchschnitt der saarländischen Bevölkerung geschuldet sei, hieß es. Als Erklärung für den "höheren Befall" im Saarland wurden neben dem Altersdurchschnitt der Patienten die höhere Anzahl von Dialyse-Patienten, Diabetes-Kranken, Patienten mit offenen Körperstellen (Dekubitus) und Katheter-Patienten genannt. 2012/13 habe eine Untersuchung der Patienten in Dialyse-Praxen stattgefunden: bei 5,5 Prozent der dortigen Patienten wurden multiresistente Keime gefunden. Fast ebenso hoch ist demnach die Besiedlung mit MRSA bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Knapp fünf Prozent seien betroffen, wie eine Untersuchung 2013/14 ergeben habe. "Bei 30 Prozent der MRSA-besiedelten Bewohner konnte eine erfolgreiche Sanierung erfolgen", erklärte das Gesundheitsministerium. In diesem Jahr sei eine Untersuchung im Bereich der Reha-Einrichtungen vorgesehen und die Krankenhäuser erneut unter die Lupe genommen werden. Im kommenden Jahr solle im Rettungsdienst und Krankentransport ein einheitliches Vorgehen zu den MRSA-Keimen abgestimmt werden, betonte Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU ).

Den erhöhten Antibiotika-Verbrauch im Saarland zu reduzieren und den Schutz der Patienten zu erhöhen sei das Ziel des MRSA-Netzwerks, das seit 2010 existiert. Ihm würden "alle relevanten Akteure der Gesundheits- und Wohlfahrtspflege angehören, betont das Ministerium. Das seien die Krankenhäuser , die Krankenhausgesellschaft, die Pflegegesellschaft, die Alten- und Pflegeheime , alle Gesundheitsämter, Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen.

Doch es fehlen die Vertreter der angestellten Krankenhaus-Ärzte und der Pflegeberufe, wie Marburger Bund oder Verdi.

"Das gesamte Gesundheitssystem bricht zusammen, wenn sich alle korrekt desinfizieren", erklärte Verdi-Saar-Fachbereichleiter Michael Quetting der SZ. Quetting sagte, die Desinfektion dauere bei Pflegerinnen und Pflegern etwa 20 Sekunden. "Aber dann piept schon wieder ein Alarm. Die Beschäftigten sind nur am Laufen, da bleibt kaum die Zeit dafür", so Quetting. Das MRSA-Netzwerk sei ja "gut und schön", doch ohne entsprechende Aufstockung des Personals würde sich nichts verändern. Das fange bereits bei den Reinigungskräften an, die entsprechend geschult werden müssten, wie die Desinfektionsmittel zu mischen seien. "Die wissen doch oft gar nicht, was sie tun", kritisierte Quetting das Kostendenken in den Krankenhäusern. Was ihn besonders ärgere sei, dass das MRSA-Programm der Landesregierung "sehr marketinglastig" daherkomme. Die Landesregierung mache es sich zu leicht: Sie verschärfe einfach die Verordnungen, wie beim Brandschutz, aber bezahlen sollten dafür andere. "Im Laufen kriegen sie keine Hände desinfiziert", sagte Quetting. Nach Beobachtungen der SZ sind auf manchen Stationen in Saar-Krankenhäusern nur zwei Pflegekräfte für 30 Patienten zuständig. Bei Nachtdiensten ist die Lage teilweise noch dramatischer.



Zum Thema:

Heute findet um 14 Uhr im Landesamt für Zentrale Dienste, Hardenbergstraße 6, eine Konferenz des MRSA-Netzwerkes zu den Alten- und Pflegeheimen statt. Dabei sprechen auch Staatssekretär Stephan Kolling, MRSA-Netzleiter Professor Mathias Herrmann, Friedbert Gauer (Vorstand Saar-Pflegesellschaft). dik