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Vom Wildpark ins Geschäft

Saarbrücken. Wer mal in den zweiten Arbeitsmarkt gerutscht ist, der hat es schwer, wieder hochzukommen. Die 50-jährige Stefanie Konrad aus Saarbrücken, schaffte sich aus Krankheit und Sozialhilfe heraus. Ihren Job im Supermarkt suchte sich die Kämpfernatur selbst. Peter Wagner

Müll sammeln, Gehege ausmisten, Wege kehren, Futter vorbereiten - Stefanie Konrads Job im Saarbrücker Wildpark ist anstrengend. Aber die 50-Jährige macht ihn gern und gut. Man muss ihr nicht sagen, "wo es fehlt", das sieht sie selbst. Manchmal, so berichten ihre Vorgesetzten, müsse man "die Steffi" an den Feierabend erinnern, sonst arbeite sie weiter. Dabei ist die gebürtige St. Johannerin gelernte Altenpflegehelferin.

Mit ihrem inzwischen geschiedenen Mann hatte sie einige Jahre einen Tabak- und Getränkemarkt betrieben, zuletzt arbeitete sie als Produktionshelferin in einem Industriebetrieb. Weniger das Fließband setzte ihr zu, sondern die Stimmung - sie fühlte sich von oben herunter schikaniert und gemobbt, ging sechs quälend lange Jahre widerwillig auf die Schicht, "weil ich das Geld brauchte". Dann folgten doch Kündigung, Krankheit, Hartz 4.

Mit Hilfe des Zentrums für Bildung und Beruf Saar und des Jobcenters begann Stefanie Konrad vor zwei Jahren im Wildpark ein sogenanntes Arbeitsplatztraining. Der Park greift gern auf die Arbeitskraft von Menschen zurück, die eine Stütze brauchen. Hier können sie sich würdevoll nützlich machen. Mit Schichten von zwei, dann drei und vier Stunden führte man Stefanie Konrad wieder an die Belastungen eines regulären Arbeitstages heran. Im vergangenen November wurde die Tätigkeit in einen 1-Euro-Job mit 30 Wochenstunden umgewandelt. Förster Rafael Greif schwärmt, dass Stefanie Konrad mit ihrem Pensum und ihrer stets guten Laune zu einer Stütze des Parks geworden sei.

Doch damit ist bald Schluss. Stefanie Konrad hat nämlich gekündigt. Kürzlich sah sie in einem Supermarkt ein Stellenangebot für eine Universalkraft, schrieb eine Bewerbung und gab sie persönlich ab - genommen! Die Arbeit wird nicht so abwechslungsreich und naturverbunden wie die jetzige, aber sie wird regulär bezahlt. Stefanie Konrad, die in ihrer Freizeit gern wandert, Geocaching betreibt und Schlagermusik liebt, verlässt den Hartz-4-Bereich.

Wie Monika Serwe, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit in Saarbrücken berichtet, ist solch ein Aufstieg vom zweiten in den ersten Arbeitsmarkt etwas Besonderes. Nur etwa acht Prozent der Personen gelinge dies. Derzeit seien im Regionalverband etwa 850 Menschen in Ein-Euro-Jobs tätig.

"Nie aufgeben und nie zurückschauen, an sich glauben", empfiehlt Stefanie Konrad allen, die in eine ähnliche Situation wie sie geraten sollten. Nun gut, sie hatte Hilfe und Stabilität im Privatleben, was anderen vielleicht nicht vergönnt sein mag.

So oder so darf sie aber sagen: "Ich bin schon ein wenig stolz auf mich."