Geschichtsstunde beim Spaziergang über den Halberg

Saarbrücken. Haben Sie gewusst, dass auf dem Halbberg rund 350 Baum- und Straucharten gedeihen? Oder dass der Name Saarbrücken etymologisch betrachtet nichts mit Brücken zu tun hat? Dies und viel mehr kann man erfahren, wenn man die Halberg History Tour mitmacht. Die etwa fünf Kilometer lange Runde lässt den Wanderer tief in die Geschichte der Stadt und eines ihrer Hausberge eintauchen

Saarbrücken. Haben Sie gewusst, dass auf dem Halbberg rund 350 Baum- und Straucharten gedeihen? Oder dass der Name Saarbrücken etymologisch betrachtet nichts mit Brücken zu tun hat? Dies und viel mehr kann man erfahren, wenn man die Halberg History Tour mitmacht. Die etwa fünf Kilometer lange Runde lässt den Wanderer tief in die Geschichte der Stadt und eines ihrer Hausberge eintauchen.Seit etwa zehn Jahren gibt es von unterschiedlichen Institutionen Angebote, den Halberg und seine Historie zu entdecken. Ein Anbieter ist der Verein "Geografie ohne Grenzen". Zwar findet der Interessierte die Halberg-Tour nicht im aktuellen Programm des Vereins, aber, so sagte Roland Schmitt, Bibliothekar des Saarländischen Rundfunks (SR) und einer der Führer beim Verein, "im nächsten Jahr ist die Tour wieder drin". Buchen könne man sie derzeit aber trotzdem.

Eine Gruppe von Auszubildenden des SR unternahm dieser Tage die History Tour - auf Initiative von Ulrich Michels, Techniker in der Rundfunkversorgung und Ausbilder.

Höhepunkt einer solchen Geschichts- und Geschichtenwanderung ist die Mithras-Grotte oder Heidenkapelle, wie man früher sagte. Die Grotte ist einer der ältesten historischen Orte im Umkreis der Landeshauptstadt. Bereits im 3. Jahrhundert legten Bewohner der römischen Siedlung in einer natürlichen Höhle eine Kultstätte an.

Ein paar Meter weiter an der Westseite stößt der Wanderer auf den "guten Mottel" - eine Inschrift im Standstein aus dem Jahre 1810. Sie erinnert an den "guten Mottel", einen 16-jährigen Hirten, der in die Saar fiel und ertrank.

Die jüngere Geschichte des Halbergs ist untrennbar mit der Industriellenfamilie Stumm verbunden. Auf Schritt und Tritt begegnet man den Spuren dieser Eisen- und Stahldynastie. Seien es kunstvoll aus Sandstein gearbeitete Poller, an denen Ketten zur Wegbefestigung angebracht sind, oder sei es der beeindruckende Blick auf die ehemalige Abraumhalde, in deren Schatten die Böcking-Villa steht. Am Ende der Halde öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick frei auf das Werksgelände. Dort standen von 1869 bis vor wenigen Jahren die Hochöfen des Hüttenwerks. 1995 war Schluss.

Roland Schmitt macht im Verlaufe des weiteren Marsches auf ein Kuriosum aufmerksam. Die ehemalige evangelische Kirche, die Stumm 1882 erbauen ließ, ist inzwischen profaniert. Eine der baugeschichtlichen Bedeutung angemessene Nutzung sei auch 30 Jahre nach dem Verkauf des Gotteshauses nicht in Sicht. Jetzt tummelt sich Vieh um die Kirche, und allerlei Baumaterialien sind rundherum aufgeschichtet.

Die Wanderung führt vorbei an Westwallbunkern. Nächste Stationen sind der Halbergweiher und das Alte Werk. Nach dem Krieg wurde der inzwischen versumpfte Weiher trockengelegt, berichtet Schmitt. Oberhalb erstrecken sich die Brebacher Alpen, wie die Schlackehalden im Volksmund genannt werden. Vorbei an der Hirschwiese, die früher die Menschen zum Feiern einlud, geht der Weg zum Privatfriedhof der Familie Stumm. Den Abschluss der Halberg History Tour bilden das Schloss Halberg und die Anlagen des SR.

Der Name Saarbrücken - so erfahren die Wanderer - geht vermutlich zurück auf das germanische Wort bruco, was so viel wie Sumpf bedeutete

Infos beim Verein "Geographie ohne Grenzen", Telefon (06 81) 30 14 02 89.