"Das Problem ist die Stadtverwaltung"

St. Johann. Zu einem Gesprächsabend mit Fachleuten hatten die "Interessengemeinschaft Quartier Mainzer Straße" und die Grünen-Stadtratsfraktion am Donnerstagabend ins Hotel Leidinger eingeladen. Dort referierten die Raumplanerin Sabine Lutz und der Saarbrücker Architekt Carsten Diez

St. Johann. Zu einem Gesprächsabend mit Fachleuten hatten die "Interessengemeinschaft Quartier Mainzer Straße" und die Grünen-Stadtratsfraktion am Donnerstagabend ins Hotel Leidinger eingeladen. Dort referierten die Raumplanerin Sabine Lutz und der Saarbrücker Architekt Carsten Diez. Lutz arbeitet in den Niederlanden für die Stiftung "Shared Space" (englisch für: Raum, den sich mehrere Nutzer teilen). Diez ist Mitinhaber des Architektenbüros Baubar Urbanlaboratorium.Lutz erklärte, dass die Niederlande seit rund zwanzig Jahren auf das Verkehrskonzept "Shared Spaces" setzen, um Straßen sicherer zu machen und den Menschen im öffentlichen Raum mehr in den Blickpunkt zu rücken. "Shared Spaces" bedeute, dass sich Autofahrer, Radler und Fußgänger den Verkehrsraum freiwillig und bewusst in gegenseitiger Rücksichtnahme teilen. Deshalb gebe es in solchermaßen verkehrsberuhigten Gebieten keine Ampeln, Verkehrsschilder, Fahrbahnmarkierungen, Radwege, Bordsteine oder Verkehrsinseln.

Die Niederländer seien überzeugt, dass sich die Menschen in solchen Gebieten sicherer - weil bewusster - durch den Verkehr bewegen. Die Straße sei dann "Lebensraum", der ohne Trennung und mit simplen Regeln (Rechts vor Links und Rücksichtnahme) funktioniere.

Der "Tunnelblick" werde aufgehoben und "Autos fahren langsamer" unterstrich Lutz. Für Teile der Mainzer Straße seien solche Maßnahmen möglich. Nicht aber für alle, denn die Kreuzung mit der Paul-Marien-Straße sei mit 40 000 Überquerungen täglich nicht ohne Verkehrshilfsmittel zu organisieren.

Diez meint: Besonders zwischen Uhland- und Lessingstraße berge die Mainzer Straße mit der "übergroßen Fahrbahn, großzügigen Parkspuren und dem stattlichen Baumbesatz mit Boulevard-Charakter" ein großes Potential. Die Lösungen könnten jedoch nicht radikal ausfallen, zumal der Stadtsäckel leer sei. Ohne Parkplätze zu opfern, könne man allein durch ihre Anrückung an die Fahrbahn und die Entfernung von Pollern und Schildern eine Fläche von 2000 Quadratmetern gewinnen.

Diez sieht Möglichkeiten, den öffentlichen Raum mit mobilen Elementen zu gestalten: Holzemporen, Blumenkästen und flachen, verrückbaren Pollersystemen, aber auch mit farbigen Markierungen auf der Straße.

An Ideen mangelte es bei dieser Gesprächsrunde nicht. Gerd Leidinger stellte fest, dass es bei der "Interessengemeinschaft Quartier Mainzer Straße" seit über zehn Jahren erfolgreiche Anstrengungen gibt, die Mainzer Straße zu beleben. "Das Problem", so erklärte Leidinger, "ist die Politik, die Stadtverwaltung", die neue Ideen ausbremse.