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Experten: Weitere Erschütterungen in der Primsmulde möglich

Experten: Weitere Erschütterungen in der Primsmulde möglich

Zusätzliche Messsonden sollen die Erdbewegungen in der Primsmulde besser erfassen. Das versprach gestern Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke, nachdem es vorige Woche wieder zu einem Beben gekommen war.

Hermann-Josef Löw aus dem Lebacher Stadtteil Falscheid ist sauer. Auch er spürte die Erschütterung deutlich, die am 15. September die Erde rund um Saarwellingen und Nalbach erneut beben ließ. "Ich dachte, jetzt geht es wieder los wie in der Zeit vor 2008, als die Erde wegen des Bergbaus häufig zitterte." Löw war gestern auch dabei, als der Landtags-Ausschuss für Wirtschaft und Grubensicherheit zu einer öffentlichen Sondersitzung zusammengekommen war, um sich mit den Folgen dieses Bebens auseinander zu setzen. Hans-Alois Schmitt, Leiter des Bergamts Saarbrücken , erklärte den Abgeordneten, dass kleinere Erschütterungen auch in Zukunft in dem ehemaligen Abbaugebiet Primsmulde nicht auszuschließen seien. Es sei ferner offen, ob das ansteigende Grubenwasser oder die natürlichen Spannungen im Gebirge der Grund sei. Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke sicherte "größtmögliche Transparenz" bei der Flutung der Primsmulde zu. Um das geologische Geschehen im Erdinnern besser erfassen und kontrollieren zu können, versprach er, "dass weitere Messsonden installiert werden".

Professor Peter Fischer , zuständig für Bergbau-Schäden und Bergbau-Folgen beim Kohle-Konzern RAG, sagte, dass es seit dem Beginn der Grubenwasser-Flutung in der Primsmulde (März 2013) "in der Summe 320 Erschütterungen gegeben hat". 319 seien nicht spürbar gewesen. Dann kam die eine mit bis zu 7,5 Millimetern Schwinggeschwindigkeit und einer Stärke von 2,7 auf der Richterskala.

Für die Grubenwasser-Flutung der Primsmulde gibt es bereits eine Genehmigung. In anderen Regionen des Saar-Reviers ist das noch nicht der Fall. In einem Konzept hat die RAG zwar niedergelegt, dass das Grubenwasser bis 2035 stetig ansteigen und dann in die Saar abgeleitet werden soll. Ein offizieller Genehmigungs-Antrag für dieses Tun "liegt den Behörden allerdings noch nicht vor", erinnerte Barke. Nach Angaben von Fischer will die RAG im November soweit sein und liefern. Danach geht das Ganze "den normalen Genehmigungsweg", erklärte der Staatssekretär dem ungeduldig insistierenden Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich - mit einem Betriebsplan- und einem Planfeststellungsverfahren. Vorgesehen sei auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).