Schulen und Wirtschaft kooperieren

Die Unternehmen bieten Praktikumsplätze an und schicken Fachleute an die Schulen, um dort zu referieren. Ziel ist es, den jungen Leuten Orientierungshilfe zu geben und sie für die Unternehmen zu interessieren.

Der zunehmende Fachkräftemangel motiviert die Wirtschaft, sich verstärkt im Bereich der frühkindlichen und schulischen Bildung für den Nachwuchs von morgen zu engagieren. Ein Beispiel dafür ist die "Bildungspartnerschaft", die die Saarbrücker IT-Firma ZWF jetzt mit dem Saarbrücker Gymnasium am Schloss eingegangen ist (die SZ berichtete). ZWF ist eines von 54 saarländischen Unternehmen, die sich auf Initiative der Bertelsmann Stiftung zu einem Netzwerk "Verantwortungspartner Saarland e.V." zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, sich in der Region mit konkreten Projekten gesellschaftlich einzubringen. Mit dem Vertrag, den ZWF und das Gymnasium am Schloss nun im Beisein von Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger unterzeichneten, habe man den Startschuss für eine langfristige Kooperation gegeben, die genau festlege, mit welchen Maßnahmen und Inhalten das Unternehmen die Schule bis 2017 unterstützen werde, erklärt Alexander Slis. Er ist Geschäftsführer des Netzwerks "Verantwortungspartner Saarland ", das die Mitgliedsunternehmen bei diesem Prozess begleitet und berät.

Zu diesen Maßnahmen gehöre etwa, sagt er, dass ZWF den Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums Betriebsbesichtigungen ermöglichen und ihnen ein gewisses Kontingent an Praktikumsplätzen reservieren wird. Ein zentrales Element der Bildungspartnerschaft ist ein Seminarfach im Bereich Wirtschaft und Informatik für die Jahrgangsstufe 11/12, das im Schuljahr 2015/2016 starten wird. Das Unternehmen wird sich laut Slis bei der Gestaltung des Fachs aktiv mit seinem Know-How einbringen. "Da werden auch Unternehmensvertreter regelmäßig in den Unterrichtseinheiten unterstützend dem Lehrer zur Seite stehen", betont Slis.

Je nachdem, welche Themen die beiden Partner vereinbaren, könne das Unternehmen nicht nur Programmierer und sonstige IT-Fachleute in die Schule entsenden, sondern auch Vertreter aus dem Marketing oder anderen Abteilungen. Besonders interessierte Schülerinnen und Schüler können in ihrer Freizeit außerdem ein- oder mehrtägige "Schnupperpraktika" in den unterschiedlichsten Abteilungen von ZWF absolvieren. "Es geht ja den Unternehmen, aber auch den Verantwortungspartnern darum, saarländische Unternehmen als attraktive Arbeitgeber darzustellen", erklärt Slis. Dabei gehe es weniger darum, für das eigene Unternehmen zu werben, sondern für die gesamte Branche zu sensibilisieren. Gerade im IT-Bereich habe das Land ja sehr viele innovative Unternehmen, so Slis. Und für die, da sind sich die Experten einig, wird es angesichts des demografischen Wandels immer dringlicher talentierten Nachwuchs zu fördern und im Land zu halten.

Im Unternehmensnetzwerk "Verantwortungspartner Saarland ", dem unter anderem auch die Staatskanzlei, das Wirtschaftsministerium, Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer angehören, sind aber auch viele andere Branchen, kleinere und mittlere Unternehmen vertreten und in Form von Bildungspartnerschaften und -projekten sehr aktiv. Unter den 15 Regionen, in denen Unternehmen als "Verantwortungspartner" tätig sind, gelte das Saarland als "Best Practice"-Vorbild, weiß Slis.

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Unternehmensnetzwerk "Verantwortungspartner Saarland " unterhält im Regionalverband Saarbrücken Bildungspartnerschaften mit zwölf Grund- und weiterführenden Schulen. Mitgliedsunternehmen kooperieren unter anderem mit den Grundschulen Dellengarten und Weyersberg, dem Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium, der Gemeinschaftsschule Güdingen, der Friedrich-Schiller-Schule Heusweiler und der Erweiterten Realschule (ERS)/Gemeinschaftsschule (Gems) Peter Wust Püttlingen.Kontakt: Verantwortungspartner Saarland , Alexander Slis, Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, Franz-Josef-Röder-Straße 9, 66119 Saarbrücken , Tel. (06 81) 952 05 95. sbuverantwortungspartner-saarland.de