„Die Dankbarkeit der Leute ist das Beste“

Ein Fahrlehrer ist zugleich Therapeut: Bei Stefanie Haas ist das jedenfalls so. Die Fahrschüler erzählen ihr viel Privates – schöne Erlebnisse und Belastendes. Bis Haas aber ihre Ausbildung beendet hatte, war es ein steiniger Weg. Die SZ hat sie bei ihrer Arbeit begleitet.

"Da vorne dann bitte links abbiegen", sagt Stefanie Haas in freundlichem, ruhigen Ton. Mittlerweile kennt sie so ziemlich alle Straßen in der Stadt, wenn auch nicht mit Namen. "Verfahren habe ich mich aber auch schon", sagt sie und lacht. Heute sitzt der 23-jährige Fabrizio neben ihr auf dem Fahrersitz. Er besucht einen Intensivkurs in der Fahrschule, so langsam geht es in die Prüfungsvorbereitung.

Stefanie Haas ist noch nicht lange Fahrlehrerin. Erst Mitte August hat sie die letzte praktische Prüfung abgelegt, seit Anfang September ist sie voll im Dienst. Sollte die Reform der Fahrlehrerausbildung zum 1. Januar 2018 durchgesetzt werden, wird sie zu den Letzten gehören, die die Ausbildung noch in zehn Monaten absolvieren mussten. Geplant ist, die Ausbildungsdauer auf 12 Monate zu erhöhen, dafür aber die Zulassungsvorrausetzungen zu erleichtern. So sollen nach der Reform nicht mehr die Führerscheinklassen für Lkw und Motorrad notwendig sein und das Mindestalter von 22 auf 21 Jahre herabgesetzt werden. Damit sollen die Nachwuchssorgen in deutschen Fahrschulen ausgeräumt werden.

Für besonders sinnvoll hält Stefanie Haas, die von ihren Fahrschülern nur liebevoll Steffi genannt wird, diese Änderungen nicht. Insgesamt sei der Weg, Fahrlehrer zu werden, zu steinig, sagt sie. Sie fordert mehr finanzielle Unterstützung. "Im Saarland wird dieser Beruf nicht vom Arbeitsamt gefördert, dabei ist die Ausbildung ziemlich teuer", erklärt die 32-jährige. Da es keine Ausbildungsstätte für Fahrlehrer im Saarland gebe, musste sie in Karlsruhe wohnen, dort Miete zahlen und nebenbei die Ausbildungskosten tragen. Und all das ohne Verdienst in der Zeit, in der sie die Schule besuchte. Nur durch Bafög und die Unterstützung ihres Partners konnte sie sich über Wasser halten.

Die Ausbildungsdauer anzupassen ist nach ihrer Ansicht nicht der beste Ansatz. Man sollte die Ausbildung eher reformieren, sagt Haas. Denn momentan besuchen angehende Fahrlehrer erst fünf Monate die Schule, bevor sie ein fünfmonatiges Praktikum in einer Fahrschule absolvieren. Sinnvoller fände sie es, Praxis und Theorie näher zusammenzubringen, zum Beispiel mit Blockunterricht, wie es in anderen Ausbildungsberufen üblich ist. "Wir hatten Leute, die haben erst nach fünf Monaten gemerkt, dass sie gar nicht mit so vielen unterschiedlichen Charakteren umgehen können, wie man sie in der Fahrschule kennen lernt", erzählt sie. "Die waren dann aber schon fünf Monate in der Schule."

Dabei ist der direkte Umgang mit den Menschen enorm wichtig, denn ein Fahrlehrer ist immer auch ein wenig Therapeut. Und das fällt bei Stefanie Haas direkt auf. Sie nennt ihre Fahrschüler daher gerne ganz freundschaftlich "Schatzi" oder "Hase". "Das mache ich auch weil ich mir nicht so gut Namen merken kann", sagt sie und schmunzelt. Die Fahrschüler erzählen ihr viel Privates, ob Erfreuliches aus ihrem Leben oder auch Belastendes.

Stefanie Haas gehört zum neunköpfigen Fahrlehrer-Team der Fahrschule "KVI" in der Saarbrücker Innenstadt. Ihr Chef, Geschäftsführer Jens Ziegel, der seine Ausbildung zum Fahrlehrer noch bei der Bundeswehr absolvierte, sieht die Probleme mit der Reform ähnlich. Es sei ein Fakt, dass auch im Saarland Nachwuchsmangel bei den Fahrlehrern herrscht. "Wenn ich mir das Durchschnittsalter der Fahrlehrer hier in Saarbrücken ansehe, komme ich wahrscheinlich bei 55 raus", sagt er. Dabei suche fast jede Fahrschule Fahrlehrer in Vollzeit. Aber besonders der Nachwuchs, der immer von der Bundeswehr kam, ist jetzt wegen des dortigen Sparkurses fast komplett weggefallen, sagt der 35-jährige. "Die hatten früher 140 Fahrschulen in Deutschland, heute sind es glaube ich noch zehn oder elf." Er kann sich nicht vorstellen, dass die geplante Reform große Verbesserungen bringt.

Aber auch wenn die Ausbildung anstrengend und teuer war, bereut Stefanie Haas keine Sekunde, die sie mit Lernen verbracht hat. Seit sie Fahrlehrerin ist, sei sie noch keinen Tag schlecht gelaunt zur Arbeit gekommen. Auf die Frage, was ihr am Beruf am besten gefalle, antwortet Stefanie Haas: "Die Dankbarkeit, wenn ich den Leuten was beibringe. Das ist einfach das Beste."