Der Vater des Chorerfolges

Der Kammerchor Saarbrücken ist Gewinner erster, zweiter und dritter Preise bei 13 internationalen Wettbewerben. Nun errang das Ensemble beim 45. Internationalen Chorwettbewerb in Tolosa, Spanien, den zweiten Preis in der Kategorie „Polyphonie“ und den dritten in der Sparte „Folklore“. SZ-Mitarbeiter Stefan Uhrmacher sprach mit dem Leiter Georg Grün.

Als Sie 1990 den Chor aus der Taufe hoben, hatten Sie da bereits das Ziel vor Augen, ein international derart erfolgreiches Ensemble zu formen?

Georg Grün: Wir hatten von Anfang an das Ziel, als Ensemble überregional zu arbeiten und uns an internationalen Maßstäben messen zu lassen. Von daher lag die Teilnahme an Wettbewerben in den ersten zehn Jahren unseres Bestehens nahe. Dass wir aber dann nach zehn Jahren Pause wieder auf Wettbewerbe fahren, hat Gründe: Wir wollen uns nicht auf alten Lorbeeren ausruhen. Die neue Generation von Sängerinnen und Sängern möchte und muss dieselben Erfahrungen auf Wettbewerben machen.

Die Erweiterung des Repertoires und der Qualität des Ensembles ist Ihnen noch wichtiger als das Wachsen des Renommees aufgrund der Preise?

Grün: Große internationale Wettbewerbe führen umfassend zu einer Weiterentwicklung von Ensemble und Leiter. Die Halbwertzeit eines gewonnenen Wettbewerbs liegt grob bei circa zwei Jahren. Ich meine damit nicht das Renommee, das hält eventuell viel länger - ich meine das Wissen um den "neuesten internationalen Standard". Man wundert sich zum Beispiel, was heute Chöre mit jungen Sängern und Sängerinnen von Anfang 20 schon leisten. Ein Beispiel: Auswendigsingen unter Stressbedingungen ist heute Standard. Das fällt 20-Jährigen leichter als 40-Jährigen. Nun hat nach längeren Diskussionen mein Chor diese Herausforderung angenommen - Auswendigsingen plus reiferer Chorklang, das ist schon eine ziemliche Messlatte. Umgekehrt gibt es für mich aber "Tugenden", bei denen ich auch dann beharrlich bleibe, wenn es mal nicht laufen sollte: Bei Chorwettbewerben ist das beispielsweise das Aufführen von "klassisch zeitgenössischer" Chorliteratur und das Meiden von seit einigen Jahren in Mode gekommener "Chorliteratur light".

Die Erfolge und das Niveau des Kammerchors lassen immense Probenzeit vermuten. Erwarten Sie zudem eine häusliche Vorbereitung?

Grün: Wir proben in der Regel an zwei Probenwochenenden für ein Projekt - bei Bedarf sind es auch mal drei. Da sollte jeder vorbereitet oder ein wirklich guter Blattsänger sein und hinreichend Erfahrung im Ensemblesingen mitbringen.

Ihr Chor ist überregional besetzt. Wie schaffen Sie es, alle immer wieder termingerecht zusammenzutrommeln?

Grün: Das ist und bleibt eines unserer Markenzeichen: Die Sängerinnen und Sänger kommen zum Teil von sehr weit her. Das erfordert einiges an Logistik und macht uns leider manchmal auch unflexibel bei Terminänderungen

Was sind die Geheimnisse effektiver Probenarbeit?

Grün: … unter anderem genau zu wissen, wie es am Ende klingen muss und so lange darauf hinzuarbeiten, bis das Ergebnis halbwegs stimmt. Fertig wird man sowieso nie. Es reicht nicht, zu sagen, was gerade falsch ist, man muss die entscheidenden Dinge hinreichend probieren und auch bei Bedarf in die Gesangstechnik eingreifen dürfen. Bei Meisterkursen mit meinem Chor wundern sich Teilnehmer immer wieder, wie oft wir schwere Stellen probieren, obwohl sie scheinbar schon ganz schön klingen.

Wie ist es um die altersmäßige Fluktuation in einem über 20 Jahre bestehenden Chor wie dem Ihren bestellt?

Es ist eigentlich immer ein Dreiklang: Die Generation 40 plus, manche noch Gründungsmitglieder, die genau wissen, wie es läuft. Dann die Generation zwischen 30 und 40 Jahre, die über hinreichend Erfahrung verfügt, und viele Studierende mit tollen Stimmen und zum Teil unglaublicher Energie.

Haben Sie noch ganz bestimmte große Ziele?

Grün: Wir freuen uns auf die Deutsche Radio Philharmonie im April, auf die Sardinientournee im August 2014 und auf weitere CD-Produktionen mit dem Carus-Label und dem SR. 2015 werden wir ja auch schon 25, und da wird es einige schöne Projekte geben, die verrate ich jetzt aber noch nicht.