Der Kater stiefelt wieder

Saarbrücken. Für eine Freilichtbühne, erklärt Dieter Staerk, gibt es zwei Risiken: das Wetter und die Nachbarn. Der Mann kennt sich da aus. Die Gruppe 63, deren Vorsitzender Staerk ist, hat lange auf der einer Freilichtbühne gespielt - auf der Waldbühne im Deutsch-Französischen Garten (DFG)

Saarbrücken. Für eine Freilichtbühne, erklärt Dieter Staerk, gibt es zwei Risiken: das Wetter und die Nachbarn. Der Mann kennt sich da aus. Die Gruppe 63, deren Vorsitzender Staerk ist, hat lange auf der einer Freilichtbühne gespielt - auf der Waldbühne im Deutsch-Französischen Garten (DFG). Dass die Theatergruppe rund 40 Jahre nach ihrem ersten Aufritt dort trotz aller Widrigkeiten wieder antritt, hat einen triftigen Grund: Der DFG wird dieses Jahr 50 Jahre alt.

Für ihr Comeback auf der Waldbühne hat sich die Gruppe 63 nicht irgendein Stück ausgesucht. Es müsse "der Dauerbrenner" der Gruppe sein, sagt Staerk, "das beliebteste Tiermärchen überhaupt". Am Pfingstsonntag, 23. Mai, spielt die Gruppe 63 das Grimm-Märchen "Der gestiefelte Kater".

Im Schnitt 600 Zuschauer

15 000 Leute haben das Stück in Inszenierungen der Gruppe auf der DFG-Waldbühne bereits gesehen, sagt Staerk. Etwa 600 Zuschauer kamen im schnitt zu den Aufführungen an die im Stil eines Amphitheaters gebaute Bühne. Die am 1. Oktober 1963 gegründete Theatergruppe betrat die Waldbühne allerdings erst neun Jahre nach deren Einweihung. Im Juli 1969 spielte die Gruppe 63 dort den "Jedermann".

Nach der Eröffnung des DFG 1960 bespielte zunächst das Staatstheater die Waldbühne, erinnert sich Dieter Staerk. "Die haben aber die Lust verloren - wegen des Wetters", erklärt er.

Dass Theaterleute bei so einer Bühne die Lust verlieren können, wundert Brigitte Thul nicht. Sie ist Geschäftsführerin der Gruppe 63 und hat viel Waldbühnenerfahrung. Das Problem sei nicht nur, dass Aufführungen wegen schlechtem Wetter abgesagt oder abgebrochen werden müssen. "Selbst wenn es Tage her ist, dass es geregnet hat, steht Wasser auf der Bühne", und auf rutschigem Untergrund sei das Spielen zu gefährlich, erklärt sie.

Für die Staatstheater-Profis sei der Aufwand jedenfalls bald zu hoch gewesen, sagt Dieter Staerk. "Zeitweise war dann ein Freilichtkino auf der Waldbühne. Es hieß damals, es sei das zweitgrößte in Deutschland direkt nach Berlin", erzählt Staerk - und kommt zum Problem Nummer zwei: den Nachbarn.

Zumindest ein Nachbar ging wegen Lärmbelästigung gegen das Freilichtkino vor und setzte sich durch. "Auf der Bühne gab es auch Großkundgebungen und Gottesdienste - auch dagegen hatte der Herr etwas", erinnert sich Dieter Staerk.

Den "gestiefelten Kater" brachte die Gruppe 63 erstmals 1970 auf die Waldbühne. 16 Jahre später verabschiedeten sich die Theaterleute vom DFG. Von 1997 bis 2003 lag die Bühne brach. Dann bewilligte Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi nach einer Initiative der Stadtverwaltung rund 30 000 Euro, um die verwahrloste Bühne wieder in Schuss zu bringen. 2004 stand die Gruppe 63 wieder auf der Waldbühne - mit dem gestiefelten Kater.

Die Bühne ist zwar seitdem wieder bespielbar. Aber zu tun gäbe es dort noch genug, sagen Dieter Staerk und Brigitte Thul. "Es fehlt eine Zufahrt für behinderte und ältere Menschen. Es gibt dort keine Toiletten und keine Umkleide für die Schauspieler - auch weil dort zu oft eingebrochen worden ist", beklagt Staerk.

Theaterzuflucht im Tempel

Dass es keinen Raum für Kostüme, Technik und Ausstattung an der Waldbühne gibt, macht den rund 30 Aktiven der Gruppe 63 das Leben nicht leichter. Thul: "Es sind immer drei bis vier Stunden Arbeit, bevor das Spiel überhaupt losgeht. Danach müssen wir wieder alles abbauen und in den Tempel bringen, selbst wenn am nächsten Tag wieder gespielt wird."

Der Tempel ist die ehemalige Leichenhalle im Echelmeyerpark an der St. Johanner Michaelskirche. Das städtische Gebäude nutzt die Gruppe zusammen mit den Funkern vom Amateur-Radio-Club. Jeden Montag um 18 Uhr probt die Gruppe dort zurzeit den gestiefelten Kater.

Nun sei es aber an der Zeit, auch wieder über Verbesserungen an der Waldbühne zu diskutieren, glauben Thul und Staerk. Die Debatte sei zunächst auf Eis gelegt worden, weil der ehemalige Kulturdezernent Walter Schwarz-Paqué überlegte, den Zoo in den DFG zu verlegen. "Aber diese Debatte ist ja jetzt vorbei", sagt Dieter Staerk. "Es wäre gut, wenn zumindest wieder Toiletten und eine Zufahrt mit Behinderteneingang da wären", fordert er. Und eine Lärmschutzwand wäre gut, sagt er. Nicht wegen der Nachbarn, sondern wegen des von Autos und Zügen verursachten Verkehrslärms, der die Aufführungen stört.

Die Aufführung 1980. Foto: Julius C. Schmidt
Das Ensemble der Gruppe 63, links: Dieter Staerk. Foto: B&B
Die Aufführung 2004. Foto: Uwe Bellhaeuser