Das Denkzettel-Team vom Amt

Wer Müll, Hundekot und Schmierereien hinterlässt, soll Konsequenzen fürchten. Deswegen lässt das Ordnungsamt ein Dutzend Frauen und Männer in Straßen und Parks Streife gehen. Auch in Zivil.

Die neue Chefin des Ordnungsamtes, Heike Fibbia-Schröder, redet Klartext. Über ihr neues Amt. Und die Leute, die diesem Amt ein Gesicht gaben - und geben. Die 55-Jährige löste Sigrid Schneider ab, die bis zur Pensionierung rund 20 Jahre an der Spitze der Behörde war. "Das machte sie mit viel Herzblut, und sie half mir sehr, mich einzuarbeiten", sagt Fibbia-Schröder. Sie leitete zuvor das Liegenschaftsamt. Zu ihren nun rund 100 Mitarbeitern im Haus an der Großherzog-Friedrich-Straße gehören zwei Teams, die besonders oft auf den Straßen sind und es mit sehr vielen Menschen zu tun haben: Der zwölfköpfige KOD und die 40 Männer und Frauen von der städtischen Verkehrskontrolle. Die KODler achten unter anderem darauf, ob jemand Müll auf den Boden wirft, beim Grillen am Staden Dreck hinterlässt oder seinen Hund in den Straßen oder Grünanlagen von der Leine lässt. Fibbia-Schröder: "Meine Leute sind dort oft präsent. Sie dürfen Personalien feststellen und Verstöße ahnden." Und zwar nicht nur in Dienstkleidung. Zivil-Einsätze des KOD hält Fibbia-Schröder für unverzichtbar. "Das hat mit wirksamer Vorbeugung zu tun. Nehmen wir die Berliner Promenade, in die wir so viel Geld und Energie stecken: Wenn der KOD dort in Dienstmontur unterwegs ist, passiert selbstredend nichts." Das sei natürlich gut. Aber zum einen sei Dienstkleidung nicht vorgeschrieben.

Und zum anderen will Fibbia-Schröder den Denkzettel-Effekt einer Zivilstreife nicht missen, wenn die jemanden bei einem Regelverstoß unverhofft zur Rede stellt. Für die Amtsleiterin steht fest: "Auf ein Fehlverhalten muss umgehend eine Reaktion folgen. Zum einen, indem meine Mitarbeiter an Ort und Stelle auf einen Fehler hinweisen. Zum anderen, indem wir ein Bußgeld verhängen."

1240-mal verschickte das Amt voriges Jahr Bescheide, nachdem der Ordnungsdienst Verstöße entdeckt hatte.

Aber Fibbia-Schröder betont, ihr Amt verteile nicht nur Denkzettel, sondern erreiche damit auch viel für die Stadt. "Dienstleistung ist unser Ziel. Das ist eine Leistung für mehr Sauberkeit und Sicherheit, wie sie die Gewerbetreibenden und die meisten Bürger von uns verlangen."

Dabei könnten die Bürger einen respektvollen Umgang des KOD und der Verkehrskontrolle mit dem jeweiligen Gegenüber erwarten. Das dürfe aber keine Einbahnstraße sein. Fibbia-Schröder macht die wachsende Aggressivität zu schaffen, die ihren Teams entgegenschlägt. "Es bleibt nicht bei verbalen Angriffen." Rasende Wut gipfelte dieses Jahr in einer gefährlichen Attacke auf einen Mitarbeiter: Ein Fahrer überrollte dessen Fuß mit dem Pkw.

Stadtsprecher Thomas Blug schließt sich Fibbia-Schröders Appell zum Respekt für die Kollegen an. Er sagt, die Saarbrücker wüssten sehr wohl, was sie an den städtischen Außendienstlern haben: "Die meisten Einsätze unseres Ordnungsdienstes oder unserer Verkehrskontrolle sind unumstritten. Es ist vielen Saarbrückern ein großes Bedürfnis, dass es Kontrollen gibt. Uns rufen viele Bürger an, die sogar noch mehr davon fordern."