Georgien hofft auf Investoren

Georgien und Aserbaidschan können interessante Absatzmärkte für saarländische Firmen sein. Beim „Wirtschaftstag“ im Saarbrücker Rathaus informierten sie sich über die beiden Länder. Seit 1975 pflegt Saarbrücken eine Partnerschaft mit der georgischen Hauptstadt Tbilisi und will die Wirtschaftskontakte fördern.

Erst standen die Kultur und humanitäre Hilfe im Mittelpunkt der Städtepartnerschaft Saarbrücken/Tbilisi, nun soll die Wirtschaftsförderung einen Schwerpunkt bilden. Deshalb luden die Stadtverwaltung, die Industrie- und Handelskammer des Saarlandes und die Zentrale für Produktivität und Technologie Saar (ZPT) am Montag zum "Wirtschaftstag Georgien und Aserbaidschan" Unternehmer in den Rathausfestsaal ein.

Dort warb Uta Beyer, Geschäftsführerin der Deutschen Wirtschaftsvereinigung, für Investitionen in Georgien. Viele Wirtschaftsreformen und Privatisierungen habe die Regierung seit 2004 umgesetzt, unnötige Genehmigungen abgeschafft und die Korruption erfolgreich bekämpft. So gebe es zum Beispiel Chancen für Firmen in den Branchen Maschinenbau, Chemie sowie Umwelt- und Medizintechnik. Auch die Grenze zum großen russischen Markt öffne sich wieder, sagte Beyer. Allerdings sei es durch die Parlaments- und Präsidentenwahlen in diesem Jahr zum Beispiel in der Bauindustrie zum Stillstand gekommen, die Banken zudem bei der Kreditvergabe sehr zurückhaltend.

Beyer erwartet aber, dass die Regierung nach den Wahlen die öffentlichen Investitionen zum Beispiel in den Straßenbau wieder erhöhen werde. Georgien litt seit 2008 unter der Weltwirtschaftskrise und dem Krieg gegen Russland um die georgische Provinz Südossetien. Dort und in der georgischen Region Abchasien haben die Russen Militär stationiert. Wegen dieser Faktoren habe sich das Investitionsklima verschlechtert, schreibt Matthias Dornfeldt vom Berliner Zentrum für Regionalstudien in Bezug auf den Kaspischen Raum an der Freien Universität Berlin in einer Studie. Geld aus dem Ausland habe aber den ökonomischen Zusammenbruch verhindert. Mit dem Regierungswechsel hoffen die Georgier auf einen erneuten Aufschwung der Wirtschaft.

Otto Hauser, Honorarkonsul der Republik Aserbaidschan, malte das Investitionsklima im Nachbarland Georgiens in rosigen Farben. Aserbaidschan sei der Wirtschaftsmotor des Kaukasus und profitiere vom Öl- und Gasreichtum. Seit 2005 sei die Wirtschaft um 113 Prozent gewachsen. Hauser berichtete vom großen Bauboom und den Plänen des Landes, die Petrochemie auszubauen. Chancen für Firmen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz sieht Hauser zum Beispiel im Handwerk sowie beim Straßen- und Hochbau. "Das Land hat Geld und will investieren", sagte der Honorarkonsul. Norbert Neuser, Mitglied des Europaparlaments, wies aber auf Demokratie-Defizite und Menschenrechtsverletzungen hin. "Die prangern wir auch an", betonte Neuser. Aber auch er hat eine große Aufbruchstimmung in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, festgestellt.

Im Herbst 2014 organisiert die ZPT nach Angaben der Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Mittel- und Osteuropazentrum Rheinland-Pfalz eine Unternehmerreise nach Tbilisi und Baku.

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Auf einen BlickDie Deutsche Wirtschaftsvereinigung, die in der georgischen Hauptstadt Tbilisi ein Büro hat, bezifferte das Wirtschaftswachstum Georgiens im Jahr 2012 auf rund sechs Prozent. 4,5 Millionen Menschen leben in dem Land am Kaukasus. Seit 1975 pflegen die Städte Saarbrücken und Tbilisi eine enge Partnerschaft. Das islamische Aserbaidschan hat nach Angaben des Honorarkonsuls Otto Hauser 9,4 Millionen Einwohner und profitiert vom großen Öl- und Gasreichtum. sm