Auf der anderen Seite der Kamera

Saarbrücken. Zu seinem ersten eigenen Film kam Didi Conrath wie die Jungfrau zum Kind. Während eines Besuchs bei der Schauspielerin Alice Hoffmann traf der Musiker ("Captain Sperrmüll") Daniel Schäfer, ein Saarbrücker Original, das er aus früheren Zeiten vom JuZ Försterstraße und - wie die meisten Saarbrücker - als wild gestikulierend schimpfenden Radler kannte

Saarbrücken. Zu seinem ersten eigenen Film kam Didi Conrath wie die Jungfrau zum Kind. Während eines Besuchs bei der Schauspielerin Alice Hoffmann traf der Musiker ("Captain Sperrmüll") Daniel Schäfer, ein Saarbrücker Original, das er aus früheren Zeiten vom JuZ Försterstraße und - wie die meisten Saarbrücker - als wild gestikulierend schimpfenden Radler kannte. Dass Alice und Daniel ein Paar sind, wusste Didi Conrath bis dahin nicht, und auch nicht, dass der "schreiende Radler" mit dem Künstlernamen "Braebys" seit vielen Jahren auch als Maler und Aktionskünstler unterwegs ist.

"Einige seiner Bilder hingen bei Alice Hoffmann in der Wohnung und haben mir auf Anhieb sehr gut gefallen", erzählt Conrath. So sagte er spontan ja, als Alice Hoffmann ihn in seiner Eigenschaft als gelernter Schneider fragte, ob er nicht Lust habe, großformatige Bilder für eine Kunstaktion von Braebys zusammenzunähen - eine Arbeit, die eine ganze Woche in Anspruch nahm und bei der Didi Conrath Gelegenheit hatte, Daniel Schäfer kennenzulernen und mehr über seine Lebensgeschichte zu erfahren. Die Geschichte von Daniel, dessen Kindheit von Gewalt in der Familie geprägt war, brachte ihn auf die Idee, einen längeren Dokumentarfilm über ihn und seine besondere Beziehung zu Alice Hoffmann zu machen.

Dass diese "Zufallsgeburt" zu einem Prachtexemplar geriet, bestätigte die Premiere seines Filmdebüts "Schrei nach Farbe" am Freitag im restlos ausverkauften Kino Achteinhalb.

Dort hatten die Zuschauer im Rahmen der "Filmwerkstatt", einer Kooperation des Saarländischen Filmbüros und des Kinos achteinhalb, Gelegenheit, Regisseur Didi Conrath und Protagonist Daniel Schäfer in einem Publikumsgespräch Fragen zu stellen. Mit sympathischer Bescheidenheit nutzte Conrath die Gunst der Stunde, um Michael Schorlepp (Technik) und David Kassung (zweite Kamera) für ihre Unterstützung zu danken.

Dass er das Filmprojekt ganz aus eigenen Mitteln, ohne großes Budget und mehr oder weniger im Alleingang gestemmt hat, musste ihm Moderatorin Ingrid Krause entlocken.

Rund zwei Jahre habe er an dem Film gearbeitet, sagte Didi Conrath. "Am längsten nahm die Phase in Anspruch, in der ich mir überlegt habe, wie ich das Thema anpacke, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Ich wollte keinen Betroffenheitsfilm machen."

Gelungen ist ihm ein Film, der von großem Einfühlungsvermögen und einem von Voyeurismus freien Interesse zeugt, mehr über das Innenleben des Menschen auf der anderen Seite der Kamera zu erfahren.

Eine weitere Vorstellung gibt es am 2. März um 20 Uhr im Kino Achteinhalb.